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Eine schöne Lehre: Architektur von Unis

Statuen, Skizzen, anatomische Modelle: Anschauungsmaterial findet sich in der École des Beaux-Arts reichlich. Seit dem 18. Jahrhundert werden an der traditionsreichen Hochschule in Paris die Künste in jeglicher Form vermittelt. Die Atmosphäre an Universitäten wie dieser ist eine ganz besondere – oftmals bleibt sie jedoch nur einem kleinen Personenkreis vorenthalten. Damit sich das ändert, hat der französische Fotograf Guillaume de Laubier die außergewöhnlichen Räumlichkeiten von 23 Hochschulen im Band "Die schönsten Universitäten der Welt" festgehalten.

Es sei kein Zufall, dass die ersten Unis gleichzeitig mit Kathedralen und Burgen errichtet wurden, erläutert Jean Serroy, der die Texte zum Buch verfasst: "Mit ihrer äußeren wie inneren Pracht legen diese Architekturen sichtbares Zeugnis vom Prestige der Bildungseinrichtung ab."

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Ob Doha, Cambridge oder Yale: de Laubier und Serroy spüren altehrwürdige Säle, prunkvolle Bibliotheken und versteckte Gärten auf, deren optische Opulenz bis heute zum Staunen einlädt. Bei der Auswahl stand neben dem Gründungszeitraum auch die Gestaltung im Mittelpunkt – sie soll einer adäquaten Wissensvermittlung angemessen sein. Ein Beispiel liefert die Bibliothek Old Library des irischen Trinity Colleges in Dublin, die rund drei Millionen Werke in haushohen Ebenholz-Regalen beherbergt.

Bei der Erkundung der Hochschulen wird bewusst, wie sich die Architektur im Lauf der Zeit verändert hat. So orientierten sich die ersten amerikanischen Universitäten an den englischen Pendants, fügten aber den charakteristischen Campus hinzu. "In Europa bauten darauf Universitäten im Stil des Rokoko, der Neugotik oder auch der Industriearchitektur auf", schreibt Serroy. "Mit dem Export in andere Teile der Welt wurde das Modell an die jeweilige Landestradition angepasst."

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Dem trägt auch der Bildband Rechnung, der den Bogen von traditionellen Bauten bis zu seinen zeitgenössischen Ausformungen spannt. Und gelungene Kombinationen aufzeigt: Etwa die Universität in Doha, die die traditionelle Architektur von Katar mit modernen Konzepten verbindet. Oder die Universität in Chicago (USA), deren Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Sie wurde regelmäßig mit neuen Gebäuden in diversen Baustilen von Architekten wie Frank Lloyd Wright oder Ludwig Mies van der Rohe erweitert. Den letzten Glanzpunkt setzte die von Helmut Jahn konzipierte und 2011 eröffnete Joe & Rika Mansueto Library mit einer eindrucksvollen Stahlgitterschale.

Die Gestaltung von Hochschulen hat laut Serroy in letzter Zeit wieder an Stellenwert gewonnen. Nach zahlreichen Zweckbauten, die die steigenden Studentenzahlen aufnehmen sollten, kommen verstärkt renommierte Architekten zum Einsatz. Sie schaffen sehenswerte Gebäude, die Design mit neuesten technischen Möglichkeiten ergänzen – etwas das Rolex Learning Center in Lausanne vom japanischen Architekturbüro SANAA. Mit dessen futuristischer Konstruktion schließt das Buch – die Maßstäbe setzende Hochschulgestaltung ist im 21. Jahrhundert angekommen.

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Der Band „Die schönsten Universitäten der Welt“ von Jean Serroy und Guillaume de Laubier ermöglicht ein Eintauchen in akademische Gefilde. Erschienen im Verlag Knesebeck, € 51,40.