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Eine "Libelle" fürs MQ: Leopold Museum erhält Dachaufbau

Das Wiener Museumsquartier (MQ) erfährt eine Erweiterung in die Höhe: Auf dem Dach des Leopold Museums wird ein weitgehend transparenter, 600 Quadratmeter großer Veranstaltungsraum namens "MQ Libelle" und eine öffentlich zugängliche "MQ Terrasse" errichtet. Das 6 Mio. Euro teure Projekt soll ohne öffentliche Mittel finanziert und im Herbst 2016 eröffnet werden.

Erste Gespräche und Skizzen zu dem Dachaufbau habe es bereits vor acht Jahren gegeben, sagte der Managing Direktor des Leopold Museums, Peter Weinhäupl, am Montagvormittag bei einer Pressekonferenz: "Das Projekt ist uns nicht aufs Dach gesetzt worden." Man zähle sich zu den Mitinitiatoren und erwarte sich durch das Projekt eine Attraktivitätssteigerung, zudem werde das Dach künftig nicht nur mit einem Außenlift, sondern auch vom letzten Stock des Museums zugänglich sein. Gezahlt wird allerdings nur von der Museumsquartiers-Gesellschaft.

Projekt soll sich selbst tragen

Die auf sechs Mio. Euro geschätzten Errichtungskosten ("zum derzeitigen Projektstand plus/minus 20 Prozent", sagte MQ-Direktor Christian Strasser) werden etwa zur Hälfte aus Rücklagen und Krediten bestritten, wobei man die Kredit-Rückzahlungen aus den zu erwartenden Mieteinnahmen des Veranstaltungsraums tragen will. "Damit trägt sich das Projekt insgesamt selbst", so Strasser. Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) nannte dieses Vorhaben einen "sehr plausiblen Businessplan" und freute sich über den "Wohlfühltermin", den die Projektpräsentation für ihn bedeute: "Das Schöne ist: Trotz der prekären Budgets, mit denen wir alle zu kämpfen haben, ist es möglich, ein derartiges Offensivprojekt zu machen."

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Der Veranstaltungsraum, der laut Presseunterlagen "fast auf dem Dach zu schweben scheint", erinnert zwar vom Grundriss eher an einen Knochen als an eine Libelle, ist aber sicher eine neue Attraktion im jährlich von rund vier Millionen Besuchern frequentierten Kulturareal und ebenso wie dieses von Manfred und Laurids Ortner geplant. Diese hatten seit langem eine weithin sichtbare architektonische Ergänzung wie einen Leseturm gefordert. "Dem Leseturm jetzt nachzuweinen wäre verfehlt", sagte Laurids Ortner. "Die Libelle kann eine ganze Reihe seiner Aufgaben übernehmen und setzt ein sichtbares Zeichen."

Lichtinstallation

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Dass der Dachaufbau auch tatsächlich von unten sichtbar sein wird, dafür soll eine Lichtinstallation von Brigitte Kowanz sorgen, die den Grundriss des Veranstaltungsraums aufnimmt und über die Fassadenlinie des Museums-Kubus auskragt. Die Künstlerin Eva Schlegel wird die Glasfassade des Pavillons mit zahlreichen kleinen Spiegelpunkten gestalten und strukturieren.

Baubeginn wird im Spätherbst 2015 sein, lediglich die oberste Etage des Leopold Museums soll im Rahmen der einjährigen Bauzeit vorübergehend gesperrt werden müssen. Auf der Terrasse soll es wie in den Höfen "Terrassenmöbel zum Aufenthalt ohne Konsumzwang" sowie ein Cafe geben.

Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) lobte das Projekt als "eine Weiterentwicklung der sehr erfolgreichen Idee Museumsquartier" und versicherte, es werde "leistbare Tarife für Kulturnutzer" geben, die sich in der "MQ Libelle" einmieten wollen.