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Kunststoff in Gewebeproben: Mikroplastik wandert auch in unser Herz

Im Darm, Stuhl und im Blut, in Samenflüssigkeit, in der Plazenta und Muttermilch: Mikroplastik wurde schon in allen möglichen Ecken des Körpers gefunden. Die winzigen Plastikpartikel schaffen es sogar bis in Gehirn, wie Forschungen an der MedUni Wien kürzlich ergeben haben.

➤ Mehr dazu: Mikroplastik schafft es bis ins Gehirn

Kunststoff wandert ins Herz-Kreislauf-System

Und auch im Herzgewebe siedeln sich die kleinen Kunststoffpartikel an, zeigen neueste Untersuchungen der American Chemical Society. Man analysierte Herzgewebeproben von 15 Personen, die sich einer Herzoperation unterzogen hatten. Bei der Hälfte der Teilnehmenden entnahm man außerdem Blutproben, jeweils vor und nach der OP. Durch die zweifache Probenentnahme galt es zu ermitteln, ob das Mikroplastik ausschließlich durch die Eingriffe in den Körper gelangt oder nicht.

Mittels spezieller bildgebender und mikroskopischer Verfahren konnte man darlegen, dass Mikroplastik in den entnommenen Gewebeproben vorhanden war.

Acht Arten entdeckt

Konkret identifizierte man 20 bis 500 Mikrometer große Partikel aus acht Arten von Kunststoffen, darunter Polyethylenterephthalat und Polyvinylchlorid. In den meisten Gewebeproben wurden teilweise Dutzende bis Tausende einzelne Mikroplastikteile entdeckt. Auch alle Blutproben enthielten Kunststoffpartikel, sie unterschieden sich jedoch je nach Entnahmezeitpunkt. 

Die Aussagekraft der Studie ist aufgrund der kleinen Stichprobe begrenzt. Dennoch konnten die Forschenden eigenen Angaben zufolge belegen, dass sich verschiedene Mikroplastikarten im Herzen ansiedeln und dort verbleiben können. Invasive medizinische Eingriffe seien zudem ein oft übersehener Weg, auf dem Mikroplastik ins Körperinnere gelangt.

Weitere Forschungen seien nun erforderlich, um genauer zu erforschen, wie Mikroplastik während operativer Eingriffe im Organismus landet – und wie sich das gesundheitlich auswirkt, folgern die Autorinnen und Autoren.

Plastik ist überall

Mikroplastik bezeichnet Kunststoffpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind. Sie gelangen in die Umwelt, wenn größere Kunststoffteile zerfallen, zerbrechen oder zerrieben werden. Diese Partikel werden inzwischen auch gezielt produziert – etwa für Kosmetika, Zahnpasta oder Babywindeln. Für Ökosysteme stellen die winzigen Kunststoffteilchen eine echte Bedrohung dar, da sie kaum abbaubar sind.

Die globale Plastikproduktion ist seit den 1950er-Jahren rasant angewachsen und liegt aktuell bei über 400 Millionen Tonnen pro Jahr. Schätzungen zufolge gelangen zwei bis fünf Prozent des produzierten Plastiks ins Meer, wo der Abfall zerkleinert von Meerestieren aufgenommen wird und über die Nahrungskette in den Menschen gelangen kann.

➤ Mehr dazu: Erstmals nachgewiesen: Mikroplastik auch in Muttermilch

Schätzungen zufolge kann ein Mensch im Schnitt bis zu fünf Gramm Mikroplastik pro Woche aufnehmen. Ein Teil passiert das Verdauungssystem und wird ausgeschieden. Neuere Forschungen haben gezeigt, dass einige Teile die Zellmembranen durchdringen und in die Blutbahn gelangen können. Die Frage, ob und in welchem Ausmaß Mikroplastik für den Menschen gefährlich ist, konnte aufgrund mangelnder Daten bislang aber noch nicht abschließend beantwortet werden.