Wirtschaft

Oberbank: Mehr Filialen, mehr Mitarbeiterinnen

Die Oberbank steht in ihrem 150. Jubiläumsjahr blendend da: Sie ist ertragreich, hat niedrige Kosten und genug Eigenkapital. Trotzdem werden die nächsten Jahre auch für die Oberbank nicht ganz einfach. Der KURIER sprach mit Franz Gasselsberger, Generaldirektor der Oberbank, über die größten Herausforderungen, Bankfilialen und Digitalisierung.

KURIER: Die Oberbank eröffnet neue Filialen, während andere Banken Filialen schließen. Sie expandiert, während andere schrumpfen. Warum macht das die Oberbank?

Franz Gasselsberger: Wir wollen Stetigkeit anbieten. Wir haben uns immer gegen den Mainstream gestellt. Wir haben nicht das gemacht, was Berater gesagt haben, sondern uns am Hausverstand orientiert. Daher haben wir schon vor 15 Jahren begonnen, Kosten aus den Filialen herauszunehmen. Daher haben wir eine unglaublich gute Kostenstruktur von um die 50 Prozent gemessen an den Erträgen.

Die Oberbank expandiert seit Jahren. Woher bekommen Sie das dafür nötige Eigenkapital?

Wir haben im Rahmen der Krise erkannt, dass man einen Eigenkapitalpuffer braucht und damals begonnen, Eigenkapital aufzubauen. Und wir haben nicht wie andere Banken in der Krise Filialen geschlossen und Mitarbeiter abgebaut, sondern die Expansion fortgesetzt.

Der Trend im Finanzwesen geht in Richtung Digitalisierung. Die Oberbank aber eröffnet neue Filialen, wozu?

Erstens sehen wir die Digitalisierung nicht wie die meisten anderen als Kostensenkungsinstrument, sondern als Instrument, um die Kunden nachhaltig an die Bank zu binden. Wir haben schon 2005 begonnen, das Expansionstempo zu beschleunigen, und im gleichen Maße haben sich die Erträge nach oben entwickelt. Daraus lässt sich unschwer ableiten, dass die Filialen für uns kein Kostenfaktor sind, sondern eine Ertragsquelle.

Kunden gehen aber selten in Filialen. Wer kommt in die Oberbank?

Natürlich werden die einfachen Bankgeschäfte online erledigt. Wenn es aber um Wohnbaukredite oder Geldanlage geht, wollen die Kunden mit Experten reden. Digitalisierung ist also wichtig, aber Beratung ist noch wichtiger. Banken werden sich in Zukunft nicht durch die Technologie unterscheiden, sondern durch das Gespräch und die Art der Leistungserbringung. Das ist unsere Position auch in Zukunft.

Sehen Sie gar keine größeren Probleme auf die Banken zukommen?

Doch. Eine große Herausforderung ist sicher die Digitalisierung, auch wenn wir uns in der Öffentlichkeit als Berater-Bank präsentieren. Wir wollen auch im Bereich der Digitalisierung zu den führenden Banken in Österreich gehören. Und dann wird uns die Demografie stark beschäftigen.

Warum das?

Wir haben in den nächsten zehn Jahren ein gutes Viertel unserer 400 Führungskräfte nachzubesetzen. Da müssen wir schauen, welche Reserven wir im Haus haben. Daher haben wir ein Gender-Balance-Projekt aufgesetzt. Wir möchten in den nächsten zehn Jahren den Anteil von Damen in Führungspositionen verdoppeln von derzeit 21 auf 40 Prozent.

Führen Sie auch eine Frauenquote ein?

Wir haben uns entschlossen, die Kultur in der Bank zu ändern. Das bedeutet auch, dass wir etwas tun, was in der Öffentlichkeit keinen so guten Ruf hat. Wir führen einen verpflichtenden Frauenanteil ein: 50 Prozent Frauen in 33 Bereichen. Dazu ist eine Vielzahl von begleitenden Maßnahmen notwendig wie das Thema Auszeitmanagement – für Damen und für Herren. Es darf das Kinderkriegen nicht zum Karriereknick führen. Die Frauen dürfen sich nicht vor diesem Thema fürchten. Wir werden daher auch beim Wiedereinstieg flexiblere Angebote machen müssen. Das ist notwendig, um den Generationswechsel zu schaffen und uns am Markt als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.

Also digitalisierte Beraterbank mit Frauen an der Spitze: Ist das die Zukunft der Oberbank?

Dazu kommt noch die Expansions- und Wachstumsstrategie. Denn wir haben sehr viel Eigenkapital. Für dieses Kapital wollen wir eine Verzinsung zwischen acht und zehn Prozent erreichen. Wir haben in Deutschland und in Ungarn einiges vor. 2019 wollen wir neun neue Filialen eröffnen. Damit haben wir dann 180 Filialen. 2020 könnten es dann 185 werden.

Der Weg nach Deutschland

2018 hat die Oberbank sieben Filialen in Deutschland eröffnet. Nachdem in den Vorjahren schon die Expansion nach Bayern gelungen war, waren die Ziel-Bundesländer nun Baden-Württemberg, Sachsen und Hessen. Diese Expansion soll auch heuer weitergeführt werden. Geplant sind Filialgründungen in Dresden, Mannheim, Heilbronn, Schwäbisch-Hall, Böblingen, Freiburg, Karlsruhe, Ravensburg und Mainz.

Die Oberbank nutzt in Deutschland die Nischen und Lücken, die andere Kreditinstitute hinterlassen. „In Sachsen, zum Beispiel: Dort  haben die Sparkassen ein Kostenthema. Die Cost-Income-Ratio liegt bei 70 bis 80 Prozent. Sie müssen sparen. Das kommt uns sehr entgegen“, sagt Gasselsberger. Und in Baden-Württemberg gibt es eine Sondersituation: Die Unternehmer fürchten sich vor einem Zusammengehen von Deutsche Bank und Commerzbank.

Zudem  hat die Bawag die Südwestbank übernommen und die Hälfte der Leute abgebaut. „Da werden sehr gute Leute frei“, erklärt der Oberbank-Chef. Die Volksbanken wiederum ziehen sich aus der Fläche zurück. „Der Markt ist in Bewegung. Ganze Filialen haben sich bei uns beworben. Es war gar nicht unsere Strategie, in Baden-Württemberg so Gas zu geben. Die Situation kam uns einfach entgegen“, betont Gasselsberger.

150-Jahr-Jubiläum

Der gebürtige Oberösterreicher Franz Gasselsberger (59) begann nach dem Studium der Rechtswissenschaften 1983 in der Oberbank zu arbeiten. 1998 stieg er in den Vorstand auf, seit Mai 2005 ist er Generaldirektor der Bank.

1869 gründete der damalige Eigentümer des Bankhauses J.M.Scheibenpogen’s Eidem, Carl Franz Planck von Planckburg mit Unternehmern und Partnern (u. a. der Bank von Rothschild) die Bank für Oberösterreich und Salzburg (kurz Oberbank). Damals hatte das Institut nur eine Filiale und eine Bilanzsumme von 10,6 Millionen Euro. Heute steht die Bank bei rund 170 Filialen, 2100 Mitarbeitern und 21 Milliarden Euro Bilanzsumme.