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Metaverse: Wie Facebook Österreichs Arbeitsmarkt beeinflussen könnte

Der durch Whistleblower-Enthüllungen und Diskriminierungsvorwürfe aktuell in der Kritik stehende US-Internetkonzern Facebook hat am Montag angekündigt, massiv in der EU zu investieren.

Das wird von manchem Beobachter als Taktik eingestuft, um Europa-Politikerinnen und -Politiker versöhnlich zu stimmen. Aktuell arbeitet die EU-Kommission nämlich an einem Gesetz, das Tech-Konzerne wie Facebook stärker in die Verantwortung nehmen soll.

Metaverse soll kommen

Nun hat Facebook in einem Blogeintrag angekündigt, das sogenannte Metaverse in der größten Ausbauoffensive der Unternehmensgeschichte in der Europäischen Union zu erschaffen.

Dafür würde man in den kommenden fünf Jahren 10.000 neue Arbeitsplätze für hoch qualifizierte Mitarbeiter schaffen.

Auf KURIER-Anfrage lässt Facebook wissen, dass es sich dabei „um Fachkräfte aus dem Bereichen Software Engineering und Produktentwicklung sowie um kommerzielle Funktionen handelt.“

Selbstverständlich sorgt eine Investitionsoffensive bei der Politik für gute Stimmung. Daneben stellt sich aber anlässlich der Nachrichtenlage hierzulande eine Frage: Wird Facebook dadurch den IT-Fachkräftemangel in Österreich und der EU verschärfen?

IT-Fachkräftemangel

Alleine in Österreich fehlten laut einer Studie im Auftrag der Wirtschaftskammer im Jahr 2019 bis zu 24.300 IT-Fachkräfte. 9.600 davon würden alleine in IT- und Technologiedienstleistungs-Unternehmen fehlen.

Unternehmen suchen

„Wir spüren den Fachkräftemangel besonders bei unseren Partnern. Aber auch wir haben immer 15 bis 20 Stellen offen“, sagt Microsoft-Österreich-Sprecher Thomas Lutz. Laut Christina Wilfinger, Geschäftsführerin von SAP-Österreich, sei auch SAP immer auf der Suche nach Fachkräften, genauso wie ihre Kunden „die ihre digitale Transformation und den Umstieg in die Cloud vorantreiben wollen“, heißt es auf KURIER-Anfrage.

Die Pandemie hat der Digitalisierung in allen Sektoren einen erheblichen Schub verliehen. Die Obfrau der Bundessparte Information und Consulting der WKO Angelika Sery-Froschauer betont im KURIER-Gespräch die Dringlichkeit, so viele junge Leute wie möglich zu qualifizieren.

„Das fängt in der technischen Mittelschule an, geht zu neu entwickelten Lehrberufen, die auf den Bedarf abgestimmt sind“, so Sery-Froschauer.

Außerdem brauche es garantierte Kinderbetreuung, um das Potenzial der hoch qualifizierten Frauen nutzen zu können und einen Ausbau der FH-Plätze. Auch über Umschulungen und Weiterentwicklungsprogramme können Personen, deren Aufgaben nicht mehr benötigt werden, zu IT-Fachkräften ausgebildet werden.

2.500 IT-Lehrlinge befinden sich derzeit in Ausbildung, hinzukommen Studierende an den FH und Universitäten, die zu Fachkräften ausgebildet werden.

Österreich ist nicht gut

Aber auch, wenn an all diesen Schrauben gedreht wird, Österreichs Bedarf kann alleine durch in Österreich qualifizierte IT-Fachkräfte nicht gedeckt werden. Auch nicht durch Fachkräfte aus den EU-Ländern, vermutet Sery-Forschauer.

„Österreich muss sich als digitaler Standort positionieren, Unternehmen müssen über Employer Branding attraktiv werden. Wir brauchen qualifizierte Menschen und Junge, die wir hier qualifizieren können, aus dem Ausland, so Sery-Froschauer.

Das funktioniere über die Rot-Weiß-Rot-Karte (RWR), mit der Mangelfachkräfte aus Nicht-EU-Ländern nach Österreich kommen könnten.

„Das Verfahren bis zur RWR-Karte muss beschleunigt und entbürokratisiert werden. Wenn Tech-Talente drei Monate warten müssen, ist es klar, wenn Facebook sie wegschnappt“, so Sery-Forschauer.

„Wir adressieren nach wie vor den österreichischen Arbeitsmarkt im ersten Schritt, holen aber immer mehr Fachkräfte aus dem Ausland nach Österreich, weil wir den Bedarf in Österreich alleine nicht immer abdecken können“, heißt es auch vom Technologieunternehmen Magenta.

Wird es noch enger?

Angst, dass sich das Rangeln um IT-Fachkräfte durch Facebook verschärft, breite sich in der österreichischen Wirtschaft nur bedingt aus. Sery-Froschauer ist optimistisch: „Facebook ist jetzt ein weiterer Player. Vor einigen Jahren war es Microsoft, die dazu kamen. Das bedeutet, dass auch unsere Betriebe in anderen Becken fischen müssen“, so Sery-Froschauer.

Dass Facebook, das Becken, indem es fischt, erweitert, zeigt sich durch die Option auf flexible Arbeitsorte. „Wir bieten eine Vielzahl von Vorzügen, eine moderne Unternehmenskultur mit flachen Hierarchien und die Möglichkeit, auch fernab der üblichen Metropolen in Fernarbeit tätig zu sein“, heißt es von Facebook gegenüber dem KURIER.

Genau in diesem Fall fürchtet Magenta eine Verschärfung des Mangels: „Facebook ist eine attraktive Arbeitgebermarke. Falls Facebook beschließt, dass die Arbeitnehmer*innen in ihrem Wohnort im Homeoffice bleiben können ohne das Land wechseln zu müssen, dann wird der IT-Fachkräftemangel für andere Unternehmen noch deutlicher zu spüren sein.“