Wirtschaft/Karriere

Neuer Tag, neuer Arbeitsplatz

Homeoffice bedeutet Freiheit, Flexibilität und Eigenverantwortung – aber auch Arbeitsstress in den eigenen vier Wänden. Dort, wo entspannt werden sollte, verbreitet sich eine zuerst unauffällige und doch immer stärker werdende Unruhe. „Ich freue mich darauf, wieder Kollegen zu haben, mit denen ich mich unterhalten kann, auch wenn sie etwas komplett anderes machen als ich“, erzählt der damalige Einzelunternehmer Gregor Schmid, nachdem er sich für einen Coworking Space entschieden hat. Drei Jahre lang war das Zimmer zwischen Küche und Wohnzimmer sein Büro. Drei Jahre in denen er von 8:00 bis 18:00 Uhr hauptsächlich über E-Mail und Telefon kommuniziert hat. Drei Jahre, in denen das Alleinsein im Ein-Mann-Unternehmen zur Belastung geworden ist. „Es ist die Gemeinschaft, die Unternehmer in ein Coworking Space wie das unsere bringt“, weiß Alisa Kapic, Country Managerin von „Spaces“. Vergangenen Donnerstag wurde zur Eröffnungsfeier im Wiener Orbi Tower geladen und die Arbeitsfläche, die sich über 3.684 Quadratmeter erstreckt, Interessenten und Kunden präsentiert.

Flexibles Arbeiten? Mainstream

„Flexibles Arbeiten ist zum Mainstream geworden“, sagt Kapic weiter. Das belegt auch eine Studie der International Workplace Group, bei der 18.000 Teilnehmer aus 96 Ländern befragt wurden. Das Ergebnis: 42 Prozent der Österreicher arbeiten mindestens einen Tag pro Woche nicht im Büro. Weltweit steigt die Zahl sogar auf 70 Prozent. „Daran sieht man, dass nicht nur Start-ups oder kleine Unternehmen von flexiblem Arbeiten sprechen. Auch große Firmen müssen ihre Mitarbeiter halten und das schaffen sie nur, wenn ein kollaboratives, kreatives Umfeld besteht“, so Kapic. Dafür stehen den Kunden im Spaces insgesamt 90 Büros zur Verfügung. Die Mitgliedschaften sind unbegrenzt, da die Coworker ohnehin nicht täglich im Büro seien. Ab 249 Euro kann eine Businessmitgliedschaft und damit ein flexibler Platz in der großen Lounge im Erdgeschoß erworben werden. „Dedicated Desks“ (deutsch: Privatarbeitsplätze) sind ab 500 Euro pro Mitarbeiter zu mieten.

Ohne Bindung

Wer sich nicht binden möchte, findet im „Cocoquadrat“ im vierten Wiener Bezirk flexiblere Angebote. Stundenkarten beginnen bei 2,50 Euro und der Lieblingsplatz kann über eine Web-App reserviert werden. „Wir waren vor drei Jahren das erste Coworking-Cafe in Wien“, erzählt Geschäftsführer Wolfgang Bretschko. Der Hype um flexibles Arbeiten wirkt sich aber auch auf all jene aus, die mehr zum Arbeiten brauchen, als einen gemütlichen Sessel und den selbst mitgebrachten Laptop – und auch darauf reagiert der Markt. „schnittBOGEN“ beispielsweise bietet Schneidern und Designern nicht nur Platz und Nähmaschinen, sondern auch Kleiderstangen und Schneiderpuppen. Hobbynäher und Profidesigner können für zehn Euro pro Stunde einen temporären Arbeitsplatz, oder ab 360 Euro den ganzen Monat mieten.

Nicht nur für Kreative

Aber nicht nur kreative Berufe wollen spontane Arbeitsplätze, auch Maschinenbauer und Elektroniker brauchen die Möglichkeit zur Flexibilität. Dafür stellt „Factory Hub“ 3-D-Drucker, Oszilloskope und Lötstationen zur Verfügung. Im 23. Bezirk können Techniker Prototypen am „fix.desk“ um 150 Euro pro Monat oder 30 Euro am Tag fertigen.

Alle Inhalte anzeigen Alle Inhalte anzeigen
Alle Inhalte anzeigen