Wirtschaft/Immo

Neuer Geist in alten Flaschen

In einem der schmalsten Häuser der Salzburger Altstadt werden seit 113 Jahren Orangenpunsch, Kräuterlikör, Zirbenschnaps und andere Spirituosen feilgeboten. "Ich kenne das alles schon", sagt Wolfgang Maul abgeklärt. Natürlich aus beruflichen Gründen: Die Lokalität in der Getreidegasse wurde vom Architekten bereits zuvor umgebaut und um einen Innenhof erweitert. Vergangenes Jahr folgte der nächste Auftrag für das Studio hobby a., das Maul gemeinsam mit Walter Schuster leitet: Ein Zubau zur Produktionsstätte im Salzburger Stadtteil Maxglan, der einen neuen Verkaufsraum und ein Palettenlager umfassen soll.

"Das Umfeld ist sehr heterogen: Es handelt sich um ein Gewerbegebiet, dazwischen stehen Einfamilienhäuser", sagt der Planer. "Wir haben das Gefühl gehabt, dass eine reduzierte Formensprache die richtige Lösung dafür ist." Das puristische Design soll aber auch das Wesen der Produkte widerspiegeln, die Maul als zurückhaltend und ehrlich beschreibt. Weitere Wünsche des Bauherren und Chefs Michael Sporer waren, dass Tradition und Moderne in Einklang, die Waren gut zur Geltung gebracht werden und der Schauraum nach außen hin effektvoll ist.

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Puristische Ästhetik

Gelungen ist dies mit der Verwendung von Beton. "Wir griffen auf dieses rohe Material zurück, um Zurückhaltung zu demonstrieren. Andererseits ist es ein charaktervoller Werkstoff", erklärt Maul. Die Nutzung von 50 Zentimeter dicken Dämmbetonwänden machen eine weitere Isolierung überflüssig und sorgen für eine puristische Ästhetik. Im Inneren sind die Decke ebenso wie der Fußboden und der Tresen betoniert. Die Wahl war jedoch auch der schnellen Bauzeit geschuldet: Nach knapp vier Monaten konnte bereits die Eröffnung gefeiert werden. "Das war sicherlich die größte Herausforderung. Vor allem, weil die Produktion durchgehend in Betrieb bleiben musste."

Über sechs Meter hoch ist der Raum, in dessen blankem Ambiente die kräftigen Farben der Punsche auftrumpfen. Beleuchtet werden sie vom Blickfang des Shops: 32 Glasbehälter, die vom Plafond baumeln. "In diesen wurden Brände und Liköre gelagert, die mein Großvater und teilweise noch der Urgroßvater an die Wirtshäuser geliefert hat. Das sind Antiquitäten, die zum Arbeiten heute jedoch zu unpraktisch sind", erzählt Michael Sporer.

Glasballons als Leuchtmittel

Wolfgang Maul hatte die Idee, sie in Form von Lampen zu erhalten. "Die Konstruktion funktioniert wie eine Art Flaschenschiff", erklärt der Architekt. Eine Maßnahme, die die Familiengeschichte mit der Gegenwart verbindet, ebenso wie die Verwendung eines alten Steingutfasses: einst zur Lagerung genutzt, dient es nun als Waschbecken. Das Erscheinungsbild prägen außerdem vier Meter hohe Regale aus Eichenholz, die mit unterschiedlichen Tiefen an die jeweiligen Produktgrößen – von Glasballons bis zu Weinflaschen – ausgestattet sind. Neben selbst gemachten Getränken wird auch eine Auswahl an Naturweinen und Spirituosen von kleinen Brennereien verkauft.

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Dekorative Elemente wie eine am Boden des Pults eingearbeitete, halbe Flasche unterstreichen die Hingabe, mit der sich die Architekten dem Projekt gewidmet haben. "Wir machen, was uns Spaß macht, sonst lassen wir es", sagt Maul. Das ist den Arbeiten des 2002 gegründeten Büro mit fünf Mitarbeitern anzusehen: Sie sind modern, zeitlos und geradlinig. Ebenso wie in Maxglan, wo nicht nur der Himbeergeist für klare Verhältnisse sorgt.

Sporer, Michael-Walz-Gasse 22, 5020 Salzburg

www.hobby-a.at

www.sporer.at