Wirtschaft

20 Mrd. Dollar für Wall-Street-Banker

Ein Banker an der Wall Street verdient etwa fünf Mal soviel wie ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in New York City. Dieses Jahr könnte der Unterschied sogar noch größer ausfallen, denn die Boni sprudeln wieder. Trotz der weiterhin köchelnden Schuldenkrise und einer strengeren Bankenregulierung verdienen die Finanzjongleure in New York City blendend: Für das vergangene Jahr dürfte ein Wall-Street-Banker im Schnitt einen Cash-Bonus von 121.900 Dollar (91.627 Euro) kassiert haben, erklärte New Yorks oberster Finanzbeamter Thomas DiNapoli am Dienstag. Das sei 9 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Auf insgesamt 20 Mrd. Dollar seien die Sonderzuwendungen in der New Yorker Finanzbranche im vergangenen Jahr gestiegen, teilte der dortige Rechnungshof mit. Das sei der höchste Stand seit 2010. Die Summe bleibe aber hinter den Zahlen der Jahre Jahr 2006 und 2007 zurück.

"Erholung"

Im Jahr 2011 waren die Zahlungen noch zurückgegangen. "Gewinne und Boni haben sich 2012 erholt", sagte DiNapoli. Den Beschäftigten in der New Yorker Finanzindustrie kam dabei ironischerweise auch zugute, dass die Banken in der Metropole im vergangenen Jahr Mitarbeiter abgebaut haben. So verteilte sich der Bonustopf auf weniger Köpfe.

Ende vergangenen Jahres arbeiteten 169. 700 Menschen an der Wall Street, 1.000 weniger als im Vorjahr. DiNapoli geht davon aus, dass der Abbau in diesem Jahr weitergeht.

"Die Wall Street befindet sich noch immer im Wandel", sagte DiNapoli. Neben einer strengeren Regulierung, die manche Geschäfte erschwert oder gar verbietet, hat auch der fortschreitende computergestützte Handel etliche Banker arbeitslos gemacht.

Im Jahr 2011, für das die jüngsten Daten vorliegen, summierte sich das Gesamtgehalt eines Wall-Street-Bankers auf 362.900 Dollar. Das sei fünf Mal soviel wie das durchschnittliche Einkommen in der Privatwirtschaft in der Stadt, merkte DiNapoli an.

Mitarbeiter als größter Kostenfaktor

Die Mitarbeiter sind der größte Kostenblock an der Wall Street. Etwa die Hälfte der Einnahmen der Banken werden dafür ausgegeben. Wieviel Geld die Finanzprofis in diesem Jahr insgesamt verdient haben, lässt sich allerdings noch nicht sagen. Die bar ausgezahlten Boni sind nur ein Teil des Einkommens. Hinzu kommen Aktien beziehungsweise Aktienoptionen sowie das Grundgehalt.

Nach den Erfahrungen der Finanzkrise wird ein immer größerer Teil der Boni auch mit zeitlicher Verzögerung ausgezahlt, um Zockereien zu unterbinden. Die Idee ist: Wenn ein Banker weiß, dass er sein Geld erst in einigen Jahren bekommt, wird er seinen Arbeitgeber nicht mit riskanten Geschäften in Gefahr bringen.

Bei seinen Zahlen beruft sich der Behördenchef auf vorliegende Steuerdaten. Seine Beobachtungen decken sich dabei mit einer bereits im November herausgebrachten Gehaltsstudie der Unternehmensberatung Johnson Associates. Nach Daten der US-Einlagensicherung FDIC sind die Gewinne aller US-Banken im vergangenen Jahr merklich gestiegen.