Wirtschaft

Die fünf größten Sorgen der globalen Hochfinanz

Die Spitzenmanager der internationalen Großbanken finden einige Gründe zur Besorgnis. Beim Treffen des International Instituts for Finance (IIF), dem Verband der Banken und Versicherungen, in Tokio stand das Thema Handelskriege ganz klar im Zentrum der Gespräche.

„Die Besteuerung von digitalen Unternehmen war zwar ein Thema. Aber die bilateralen Handelsdispute betreffen viel mehr, um nicht zu sagen, fast alle Unternehmen“, erzählt Peter Brezinschek, Chefökonom der Raiffeisen Bank International(RBI) nach seiner Rückkehr aus Tokio. Wobei: Bei weitem nicht alle Teilnehmer hätten US-Präsident Donald Trumps Politik im internationalen Welthandel allzu negativ gesehen. Trump sei auch der einzige, der der Eroberungsstrategie Chinas entgegentritt. Es gehe um die massiven Staatssubventionen Chinas für ihre Unternehmen, die auf die internationalen Märkte drängen. „Diese Firmen hätten nach marktwirtschaftlichen Kriterien gar keine Existenzberechtigung.“

Sorge Nummer zwei sei der Technologietransfer. China lasse nur ausländische Unternehmen zu, von denen sie technologisch profitierten. Der aggressive Ansatz, um Auslandstechnologie in ihrer Welt zu integrieren, sei heftig umstritten, betonte Brezinschek.

Das dritte Problem betreffen die Industriestandards und das vierte das geistige Eigentum. „Da wäre es an der Zeit, dass sich Europa engagieren würde. Es geht ja um weltweite Technologieführerschaft.“ Europa sei sehr schweigsam, das werde von den Bank-Managern äußerst kritisch gesehen.

Zins-Gefahr im Markt

Ein fünfter Punkt betreffe die US-amerikanische Zinspolitik. Die Börsen rund um den Globus hätten 100 Basispunkte Zinssenkung durch die US-Notenbank bereits im Preis der Aktien eingerechnet. „Doch die Federal Resserve wird damit warten“, sagt Brezinschek. Das sei eine klare Übertreibung in der Erwartung der Finanzmärkte.

Wenn allerdings die prognostizierten Zinssenkungen in den USA nicht kämen, bedeute das nichts Gutes für die Börsen. Im Herbst könnte es durchaus zu einer stärkeren Korrektur nach unten kommen, glaubt der RBI-Chefökonom.

Irmgard Kischko