Wirtschaft

Der neue Schuh-Genosse aus dem Waldviertel

Heini Staudinger, bekannt als Waldviertler Schuh-Rebell, hat schon der Finanzmarktaufsicht (FMA) gezeigt, dass er sich den bestehenden Regeln nicht einfach beugt. Kein Wunder daher, dass er bei seinem Wunsch, die eigenen Unternehmen – GEA Schuhwerkstätte in Schrems und die GEA Läden in Österreich und Deutschland – in eine Genossenschaft umzugründen, mit den bestehenden Genossenschaftsverbänden nicht auf einen grünen Zweig kam. Die Mitgliedschaft in einem Verband ist aber Voraussetzung für jede Genossenschaft.

Also machte sich Staudinger daran, einen neuen Genossenschaftsverband zu errichten. So, wie er sich das vorstellt. "Für nachhaltig wirtschaftende Unternehmen wird der Verband da sein. Für Unternehmen, denen nicht der maximale Profit oberstes Ziel ist, sondern dem Gemeinwohl zu dienen", sagt er. In der Praxis heißt das unter anderem: Ökobetriebe oder Unternehmen, in denen die Gehaltsunterschiede sehr gering sind, sind dem Verband willkommen. Banken dürfen nicht Mitglied werden.

Bio-Obst und Solarstrom

Die ersten Genossenschaften, die dem neuen Verband beitreten wollen, hat Staudinger schon: Die Bio-Sphäre Süd-Ost, ein Zusammenschluss von Biobauern und -läden, Die Biobäuerliche Vermarktung, das sind Biofleischerzeuger und die architektur:lokal – spezialisiert auf Bauprojekte, die die Altsubstanz erhalten, sind schon angemeldet. Die Solarstrom-Bürgerbeteiligungsgenossenschaft aus Zell am See will so bald wie möglich in den neuen Verband wechseln. Die Sehnsucht, Wirtschaft anders zu gestalten, eint all diese Unternehmer. "Wir wollen Bevölkerungsschichten, die sich keine Solaranlage aufs Dach stellen können, weil sie einfach kein eigenes Dach haben, an der Energiewende beteiligen", erklärt etwa Heidemarie Rest-Hinterseer von der Solarstrom-Bürgerbeteiligung. Gegen die alteingesessenen Genossenschaften hat sie noch etwas einzuwenden: "Sie sind stark patriachal strukturiert. Wir bereiten daher Genossinnenschaften vor".

Genossenschaftsdach GEA Mama

Staudinger selbst wird seine drei GEA-Unternehmen (Schuherzeugung, Läden Österreich und Läden Deutschland) künftig unter ein Genossenschaftsdach, die GEA Mama, einbringen. Die drei Firmen werden als Gmbh daruntergehängt. Genossenschafter werden die Gründer, Mitarbeiter und Kunden, von denen viele schon GEA-Geldgeber sind.

Damit sollte der Konflikt mit der Finanzmarktaufsicht endgültig vorbei sein. Die Finanzierung durch die Kunden war ja der Auslöser für den jahrelangen Aufstand Staudingers gegen die FMA. Denn die Kunden-Kredite verstießen gegen geltendes Recht. Der Schuh-Rebell hatte sich einfach unbürokratisch Geld geben lassen. Das "übersah" die Aufsicht viele Jahre lang. Nach der Finanzkrise 2008 aber wurden die Kontrolleure scharf und verurteilten Staudinger zu saftigen Strafzahlungen, gegen die er rebellierte. Die Kundenfinanzierung musste er aber gesetzeskonform auf nachrangige Darlehen umstellen.