Wellness

Warum man von rohem Teig die Finger lassen sollte

Es ist eine weitverbreitete Praxis: Noch bevor man den Kuchen oder das Keks-Blech in den Ofen schiebt, wird noch schnell gekostet. Man will ja schließlich wissen, ob die Süßspeise auch im rohen Zustand geschmacklich überzeugt. Eine Warnung der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) gibt nun zu denken. Der behördlichen Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelzulassungsbehörde der Vereinigten Staaten zufolge sollte man rohen Teig aufgrund möglicher Keimbelastung nicht essen. Dabei sei es unerheblich, ob im Teig rohe Eier enthalten seien. Ein Gesundheitsrisiko würden auch krankmachende E. coli-Keime im Mehl darstellen.

Bisher war lediglich die Gefahr einer Salmonellen-Erkrankung durch den Verzehr von Speisen mit rohen Eiern bekannt gewesen. Bei der sogenannten Salmonellen-Enteritis handelt es sich um eine infektiöse Durchfallerkrankung, die durch den Genuss von Nahrungsmitteln, die mit Salmonellen verunreinigt sind, ausgelöst wird. Vor allem eiweißreiche Lebensmittel (Eier, Geflügel, Milch etc.) bieten Salmonellen bei mangelhaften hygienischen Bedingungen einen ausgezeichneten Nährboden. Im Fall von Eiern befinden sich die Bakterien auf der Schale und können bei der Zubereitung ins Essen gelangen.

FDA warnt vor Bakterien im Mehl

Die FDA warnt seit Anfang Juli jedoch primär vor keimbelastetem Mehl. So seien in jüngster Vergangenheit Dutzende Personen an Symptomen wie Durchfall und Bauchkrämpfen erkrankt, nachdem sie rohen Keksteig gegessen hatten. Verantwortlich für das gehäufte Auftreten dieser Symptome seien laut FDA Mehlprodukte der Firma General Mills. Diese seien mit STEC, Shiga-Toxin produzierenden E. coli-Bakterien, verseucht gewesen. Der Konzern rief daraufhin mehrere Millionen Pfund Mehl aus dem Handel zurück.

"Mehl, ganz gleich von welcher Marke, kann krankmachende Bakterien enthalten", warnt die US-Behörde. Da es sich bei Mehl um ein Naturprodukt handle, sei eine Verunreinigung, beispielsweise durch den Kot von Tieren, nicht auszuschließen. "Es wird aus Körnern hergestellt, die direkt vom Feld kommen und üblicherweise nicht gegen Bakterien behandelt werden", erklärt Ernährungsexpertin Leslie Smoot von der FDA. Durch Kochen oder Backen würden diese Bakterien jedoch vollständig abgetötet werden.

Keine Gefahr in Österreich

In Österreich müssen Konsumenten keine Angst vor mit E. coli-Bakterien belastetem Mehl haben. "Bei Getreide sind Keime natürlich immer ein Thema, deswegen schauen wir uns Getreideprodukte auch immer an. E. coli-Bakterien sind bei Getreide aber eigentlich eher selten ein Problem. Bei rohen Fleischwaren hingegen schon", so Pressesprecherin Felice Drott von der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) auf Anfrage des KURIER.

Die Übertragung von E. coli-Bakterien erfolge Drott zufolge hauptsächlich über den Verzehr folgender Lebensmittel: rohes Rinderfaschiertes, Mettwurst, Salami, Rohmilch, nicht pasteurisierter Apfelsaft, aber auch pflanzliche Lebensmittel, die auf mit Rindergülle gedüngten Äckern kultiviert und roh verzehrt werden (z. B. grüne Blattgemüse, Sprossen, Spinat).

Bei Teigwaren, die nicht erhitzt und dennoch verzehrt werden, würde laut Drott primär eine mögliche Belastung mit Salmonellen problematisch sein. Grundsätzlich sei es jedoch sehr wohl so, dass in jedem Naturprodukt Umweltkeime vorkommen können. "Bakterien kommen überall in der Umwelt vor. Deswegen hat der Lebensmittelhersteller auch die Verpflichtung seine Produkte zu testen, bevor er sie auf den Markt bringt. Da gibt es ein System der Eigenkontrolle." Versage dieses, so müsse man im Ernstfall eine Rückholaktion starten.

Weitere Informationen zu E. coli (Symptome & Therapie) finden Sie hier.