Wellness

Intimes Wissen: Ein Ratgeber gegen "Designer-Vaginas"

Schamlippen-OPs boomen, G-Punkt-Vergrößerungen und verjüngende Eingriffe in der weiblichen Intimzone werden immer gefragter: Es gibt ihn also, den Trend zur Intimchirurgie.

Angesichts der wachsenden Popularität derartiger Eingriffe und der nicht unbedenklichen Risiken (unter anderem chronische Vulva-Schmerzen, Blutungen, Infektionen und spätere Narbenbildung), die diese bergen, hat die British Society for Paediatric and Adolescent Gynaecology (BritSPAG) einen Leitfaden erstellt, der Mädchen und Frauen davon abhalten soll, sich für eine "Designer-Vagina" unters Messer zu legen.

"So What Is A Vulva Anyway?"

Die Broschüre trägt den Titel "So What Is A Vulva Anyway?". Im Inneren des Gesundheitsratgebers, der sich primär an junge Frauen richtet, finden sich Informationen darüber, wie unterschiedlich der weibliche Genitalbereich aussehen kann, wie er aufgebaut ist und welches Risiko man eingeht, wenn man sich beispielsweise die Schamlippen vergrößern oder verkleinern lässt.

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Scham vorbeugen

"Wir beobachten, dass viele Patientinnen in unserer gynäkologischen Abteilung ein mangelhaftes Wissen über die Funktion bestimmter anatomischer Teile und der ganz normalen optischen Unterschiede im Genitalbereich haben", betont Louise Williams vom University College Hospital, die die Broschüre mitgestaltet hat, im Gespräch mit dem Independent. Das Infomaterial sei dafür gedacht, jungen Menschen die Vulva, sprich Venushügel, Schamlippen und Klitoris, zu erklären und ihnen zu vermitteln, wie sich diese im Laufe der Pubertät verändert. So soll Scham und Unsicherheit bezüglich der Optik der Genitalien vorgebeugt werden. "Wir hoffen, dass es jungen Menschen zu verstehen gibt, dass es Vulvas in allen Größen und Formen gibt", sagt Williams.

Aufklärungsdefizit

Weltweit wurden 2015 nach Angaben der Internationalen Gesellschaft für Ästhetische und Plastische Chirurgie (Isaps) mehr als 95.000 Schamlippenkorrekturen durchgeführt. Allein in den USA wurden in diesem Zeitraum fast 9.000 solcher Eingriffe vorgenommen - 16 Prozent mehr als im Jahr davor: Die sogenannte Labioplastik, bei der meist die inneren Schamlippen verkleinert werden, rangiert inzwischen auf Rang 19 der beliebtesten chirurgischen Eingriffe. Die "vaginale Verjüngung" - meist eine Straffung der Vagina - kommt auf mehr als 50.000 Eingriffe. Experten sorgen sich vor allem um heranwachsende Mädchen, deren Körper sich während der Pubertät verändert und die derzeit noch ungenügend über die Folgen derartiger Eingriffe aufgeklärt sind. Außerdem gebe es kaum Hinweise darauf, dass kosmetische Genitalchirurgie das sexuelle Empfinden oder Selbstbild verbessert.