Sport/Wintersport

Gut gewinnt, Vonn stürzt

Die Abfahrt von Val d’Isère war noch nicht einmal wegen aufkommenden Südwinds verkürzt, da gehörten die Schlagzeilen schon wieder Lindsey Vonn. Am Freitag veröffentlichte das US-Magazin People ein Interview, in dem die 28-Jährige bekannte, seit Jahren an Depressionen zu leiden. Erstmals seien Symptome nach ihrem Olympia-Debüt 2002 aufgetreten, 2008 hätten sie sich dann dermaßen verstärkt, dass sie medizinische Hilfe suchte. "Ich konnte das Bett nicht mehr verlassen. Ich fühlte mich hilflos, leer, wie ein Zombie."

Seither nimmt Lindsey Vonn ein Antidepressivum, "nach einem Monat fühlte ich mich wie ein anderer Mensch". Sie sei fröhlicher als früher, sagte sie nun, da ihre Ehe mit Thomas Vonn in der Scheidungsphase ist. "Jeder weiß, dass eine Ehe hart ist, aber es hat einfach nicht funktioniert und dazu geführt, dass ich mich elend gefühlt habe. Es ist nichts Schlimmes passiert, es war einfach dieses Gefühl des Unglücklichseins."

Schlussstrich

Der Schlussstrich unter die neun Jahre währende Beziehung führte unlängst auch dazu, dass Missis Vonn wieder Kontakt zu ihrem Vater aufnahm, nach sechs Jahren Pause. Die privaten Turbulenzen, dazu die Darminfektion vor den Übersee-Rennen, all das hat Spuren hinterlassen, und schließlich krachte Lindsey Vonn in der Abfahrt am Freitag auch noch nach 16 Fahrsekunden ins Netz. Ein blöder Ausrutscher, allerdings wirkte der Gang der 28-jährigen Weltcup-Titelverteidigerin danach nicht ganz rund, das linke Knie schien Probleme zu bereiten. Vonn suchte ohne Wortspende das Weite nach diesem Crash, ihrem ersten in einer Weltcup-Abfahrt seit dem 22. Jänner 2007.

US-Teamkollegin Leanne Smith, schließlich Zweite hinter der Schweizerin Lara Gut und vor der Schweizerin Nadja Kamer, beruhigte danach: "Ich bin nicht besorgt wegen ihr. Sie kommt am Samstag wieder stark wie immer zurück, sie braucht nur ein bisschen Ruhe." Der erste Weltcup-Stockerlplatz bereitete der 25-Jährigen aus dem Bundesstaat New Hampshire große Freude, zumal auch weihnachtliche Vorfreude: Sie wird nach den Rennen in Frankreich nach Hause fahren.

Ja, es war ein Schweizer Tag, Gut sorgte für den ersten Erfolg der Eidgenossinnen seit Fabienne Suter am 8. Jänner 2012 (Super-G Bad Kleinkirchheim), das war übrigens auch jenes Rennen, in dem zuletzt keine Amerikanerin auf dem Podium stand. Seither wurden 14 Super-Gs und Abfahrten absolviert.

Für Lara Gut schloss sich ein Kreis: 2009 wurde sie in Val d’Isère (allerdings auf der wesentlich anspruchsvolleren Strecke an der Solaise) zweifache Vizeweltmeisterin, nun feierte sie ihren ersten Weltcupsieg seit dem 9. Jänner 2011 (Super-G Altenmarkt-Zauchensee), ihren ersten in einer Abfahrt. "Es ist nicht leicht, wenn du mit 17 auf einmal in der Weltspitze stehst." Dazu kamen Verletzungen, Materialwechsel (von Atomic zu Rossignol), Wickel mit dem Schweizer Verband.

Champagnerdusche

Nun ist Lara Gut 21, "nun habe ich Erfahrungen, die mir weiterhelfen. Und ich habe viel Material getestet, viel Riesenslalom trainiert und viel in der Kraftkammer gearbeitet." Dass ihr Teamkollegin Nadja Kamer nach der Siegerehrung eine kräftige Champagnerdusche zuteil werden ließ, passte zu den aufgeräumten Momenten im Schweizer Team an diesem beinahe frühlingshaften Freitag.

Wie Lara Guts Tag noch besser hätte aussehen können? "Wenn wir an der Solaise gefahren wären statt hier auf der Piste Oreiller-Killy. Denn es gibt nur wenige Strecken im Weltcup, die so gut für mich sind die Solaise, dort hätte ich Lindsey noch mehr unter Druck setzen können."

Eine Anregung vielleicht für den nächsten Winter, allerdings auch eine, die die Veranstalter von Val d’Isère schon mehrfach vor unlösbare Probleme gestellt hat. Denn der traditionelle Dezember-Termin des Critérium de la Première Neige ist mit einigen Haken verbunden, und vor zwei Jahren schien die Strecke schon fertig hergerichtet – ehe ein Orkan in nur einer Nacht den gesamten Schnee vom Hang fegte. Das kann auf der Piste Oreiller-Killy nicht passieren, denn diese Strecke liegt geschützt in einem Tal; allenfalls muss das Rennen – wie am Freitag – verkürzt werden.

Anna lächelt

Viel Arbeit steht auch den Österreicherinnen ins Haus, Elisabeth Görgl, amtierende Doppelweltmeisterin, macht täglich spezielle Übungen, um ihre Knieprobleme zu bewältigen. "Beim Fahren merke ich nichts, im Alltag hingegen schon“", sagte die 14., die noch am Einklang von neuem Material und Technik arbeitet. "Mit diesen Skiern sollte man dynamischer, kraftvoller fahren, aber wenn man’s übertreibt, dann bremst’s."

Besserer Dinge war Anna Fenninger, auch sie ja eine Weltmeisterin, die sich an fünfter Stelle einreihte. In der Abfahrt, sagte die Adneterin, gehe es nun auch bergauf, und weil diese eine für sie komplizierte Disziplin ist ("die Skiwahl ist schwierig, und man muss sich trauen, die Skier laufen zu lassen"), sorgte der zweite Top-Ten-Platz en suite für ein Lächeln.

Davon war Andrea Fischbacher weit entfernt. Vor nunmehr bald drei Jahren krönte sich die Pongauer Speed-Spezialistin zur Olympiasiegerin im Super-G, doch seither kommt die 27-Jährige nicht mehr vom Fleck. Platz 27 am Freitag war ein weiterer Rückschlag – letztmals stand sie am 20. Februar 2010 auf dem Podest – als Olympiasiegerin.

Der nächste Anlauf folgt am Samstag: Samstag, 10.45 Uhr, Super-G (live ORFeins, EUrosport, SF2).

Damen Gesamtweltcup

Endstand:        
1.  Lara Gut  SUI  01:19,75  
2.  Leanne Smith  USA  01:19,91 +0,16
3.  Nadja Kamer  SUI  01:20,25 +0,50
4.  Marie Marchand-Arvier  FRA  01:20,27 +0,52
5.  Anna Fenninger  AUT  01:20,42 +0,67
6.  Fränzi Aufdenblatten  SUI  01:20,47 +0,72
7.  Julia Mancuso  USA  01:20,49 +0,74
8.  Alice McKennis  USA  01:20,61 +0,86
9.  Marion Rolland  FRA  01:20,64 +0,89
10.  Stacey Cook  USA  01:20,67 +0,92
11.  Gina Stechert  GER  01:20,71 +0,96
12.  Tina Maze  SLO  01:20,77 +1,02
13.  Maria Höfl-Riesch  GER  01:20,92 +1,17
14.  Marianne Kaufmann-Abderhalden  SUI  01:20,94 +1,19
15.  Elisabeth Görgl  AUT  01:20,96 +1,21
16.  Elena Fanchini  ITA  01:21,03 +1,28
17.  Stefanie Moser  AUT  01:21,06 +1,31
18.  Fabienne Suter  SUI  01:21,21 +1,46
19.  Tina Weirather  LIE  01:21,28 +1,53
20.  Dominique Gisin  SUI 

01:21,32

+1,57
21.  Carolina Ruiz Castillo  ESP  01:21,36 +1,61
22.  Regina Sterz  AUT 

01:21,43

+1,68
Verena Stuffer  ITA  01:21,43 +1,68
24.  Francesca Marsaglia  ITA  01:21,51 +1,76
25.  Mirena Küng  SUI  01:21,90 +2,15
26.  Nadia Fanchini  ITA  01:21,95 +2,20
27.  Andrea Fischbacher  AUT  01:22,02 +2,27
28.  Ilka Stuhec  SLO  01:22,07 +2,32
29.  Edit Miklos  HUN  01:22,32 +2,57
30.  Chemmy Alcott  GBR  01:22,43 +2,68
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