Sport/Fußball

Salzburg verdirbt das Ogris-Debüt

Sie haben schon bessere Zeiten erlebt, die Meister der vergangenen beiden Saisonen. Titelverteidiger Salzburg hatte vor der Länderspielpause zwei von drei Bundesliga-Spielen verloren, Vorgänger Austria zwar nur eines verloren, aber ebenfalls nur eines gewonnen.

Für die Bosse der Wiener war dies zu wenig: Also musste Trainer Gerald Baumgartner gehen, Amateure-Trainer Andreas Ogris ist – interimistisch – zum Chefcoach der Profis aufgestiegen.

Dessen Premiere als Bundesliga-Trainer begann denkbar schlecht. Schon mit dem ersten Angriff konnte Salzburg in Führung gehen: Traumpass von Keita auf Minamino, nach dessen Querpass musste Sabitzer den Ball nur mehr ins leere Tor schießen.

Nach 19 Sekunden musste die Austria einem Rückstand nachlaufen. Aber Salzburg ist derzeit für jede Mannschaft, auch für angeschlagene wie jene der Wiener, ein angenehmer Gegner, weil die Defensive alles andere als meisterlich agiert.

Nach einer Viertelstunde hätten die Wiener 3:1 führen können, ja eigentlich müssen. Doch es stand nur 1:1. De Paula hatte einen kapitalen Fehlpass von Ankersen verwertet (6.). Holzhauser ließ seine Chance nach einem Hinteregger-Schnitzer aus. (11.). Dazu rettete Ankersen in höchster Not, schoss dabei an die eigene Latte (14.).

Aber auch die neu formierte Austria-Abwehr bewies alles andere als Bundesliga-Tauglichkeit. Lazaro stand zum zweiten Mal alleine im Strafraum, dieses Mal traf er – 2:1 (23.).

Soriano (28.) und Minamino (29.) kamen ungehindert vor dem Austria-Tor zum Abschluss, trafen aber dieses nicht. Die Austria durfte also im Spiel bleiben.

Erst danach beruhigte sich eine bis dahin hektische und aufgrund der vielen taktischen Fehlern spektakuläre Partie. Salzburg blieb zwar weiterhin spielbestimmend, Chancen gab es bis zur Pause aber keine mehr.

Tempoverlust

Nach Wiederbeginn änderte sich nichts am Spielgeschehen. Salzburg blieb feldüberlegen und chancenlos. Die erste Möglichkeit hatten die Gäste, wieder wurde diese eingeleitet durch einen individuellen Fehler des Meisters. Ramalho beförderte den Ball ohne Not direkt zum Gegner, Gulacsi zeichnete sich kurz danach bei einem Holzhauser-Kopfball aus (54.).

Das Spiel hatte nun viel Tempo und Dramatik verloren. Der Austria fehlte aber nun die Aggressivität, um die Salzburger zu weiteren Fehlern zu zwingen. Der Tabellenführer fand hingegen nun auch wieder Chancen vor. Die erste vergab Ankersen (64.), die zweite nützte Lazaro (74.). Der Doppeltorschütze entschied das Spiel, wurde dann wegen einer Knöchelblessur ausgetauscht. Danach gab er Entwarnung: „Nur eine Vorsichtsmaßnahme.“

Während das Trainerdebüt von Ogris mit der zehnten Saisonpleite der Austria endete, sammelte Salzburg mit dem 3:1 vor dem Cup-Viertelfinale am Mittwoch in Altach und dem Liga-Hit bei Rapid am Sonntag Selbstvertrauen.

Ergebnisse, Tabelle, Torschützen

Da war er. 90 Minuten vor Spielbeginn stand Andreas Ogris schon in der Bullen-Arena und verbreitete gute Laune. Ein Lächeln auf den Lippen, ein Grinsen übers ganze Gesicht, eingepackt in eine dicke Daunenjacke. Geduldig schrieb er Autogramme und hatte Zeit für den einen oder anderen Plausch.

Bei seinem Debüt als Austria-Trainer in Salzburg hatte Ogris auch drei Überraschungen parat. Thomas Salamon verteidigte auf der rechten Seite, Manuel Ortlechner durfte erstmals seit Oktober 2014 wieder von Beginn an auf dem Platz stehen. Vor Kurzem noch aussortiert, plötzlich auf der Showbühne.

Ogris erklärte seine Entscheidung: "Er hat hervorragend trainiert und sich aufgedrängt. Manuel bringt die nötige Routine mit, da geht es auch um das interne Coaching auf dem Platz." Kapitän der Austria blieb aber auch am Samstag Markus Suttner.

Während Ogris hinten einem "Alten" vertraute, setzte er an vordersten Front auf einen "Jungen", Alexander Frank. Der Stürmer, Zögling von Ogris bei der Amateur-Mannschaft, gab sein Liga-Debüt von Start weg, ebenso wie sein Trainer.

Das verlief unterhaltsam und turbulent, Ogris durchlief eine Kneipp-Kur. Der 50-Jährige coachte ruhig und wenig gestenreich, lediglich in der Schlussphase gab er ab und zu lautstark Anweisungen. Am Ende durfte er mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein, weil es nicht den erwünschten Punkt gab. Die Leistung seiner Mannschaft wird ihm aber wohl ein kurzes Lächeln beschert haben.

Adi Hütter (Salzburg-Trainer): "Das Wichtigste sind die drei Punkte. Mit der Leistung bin ich nicht ganz zufrieden. Die Defensive war zwischendurch überhaupt nicht gut. Vor allem vor der Pause waren wir zu oft indisponiert. Das 1:1 war ein Fehler im Spielaufbau. Wir werden derzeit fast für jeden Fehler bestraft, daher gilt es das schnellstmöglich abzustellen. Austria Wien hat uns das Leben sehr schwer gemacht. Über 90 Minuten gesehen geht der Sieg aber in Ordnung."

Valentino Lazaro (Salzburg-Doppeltorschütze): "Wir haben auch heute wieder zu viele Chancen zugelassen. Wir wollen aber jetzt im Finish der Meisterschaft durchziehen und unsere Stärken ausspielen. Meine Tore waren wichtig für das Selbstvertrauen. Beim ersten Tor war ich froh, dass der Haken noch aufgegangen ist. Vor dem zweiten Tor war ich sehr verärgert, weil mir der Elfer nicht gegeben worden ist. Umso mehr hat es mich dann gefreut." Seine verletzungsbedingte Auswechslung bezeichnete Lazaro als "Vorsichtsmaßnahme".

Marcel Sabitzer (Salzburg-Torschütze): "Wir waren heute über weite Strecken des Spiels nicht gut. Wir haben nicht viel von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Vor allem wollten wir zu Null spielen. Da hat einiges nicht zusammengepasst. Wir müssen ganz einfach aktiver gegen den Ball spielen. Nur gut spielen und verlieren bringt uns auch nichts. Hin und wieder muss auch eine durchschnittliche Leistung für drei Punkte genügen."

Andreas Ogris (Austria-Trainer): "Natürlich bin ich nicht zufrieden, weil wir ohne Punkte heimfahren müssen. Viele Dinge wurden sehr gut umgesetzt, viele aber auch nicht, in denen wir uns verbessern müssen. Da gilt es hart daran zu arbeiten. Der Sieg der Salzburger geht aufgrund der Spielanteile in Ordnung. Wir haben sie aber bis zum Schluss gefordert, gefightet und nie aufgegeben. Wir hätten unsere Chancen konsequenter nützen müssen und auch der Spielaufbau war zu fehlerhaft."

Markus Suttner (Austria-Kapitän): "Es war ein offenes Spiel, eine Steigerung gegenüber zuletzt. Wir sind vor allem spielerisch besser. Es sind viele Dinge positiv umgesetzt worden. Gegen Salzburg kann man verlieren, aber trotzdem ist es eine bittere Niederlage. Andi Ogris redet Klartext mit uns, und so gehört es sich."

Lukas Rotpuller (Austria-Verteidiger): "Wir haben das Spiel lange Zeit offen gehalten. Es wäre mehr möglich gewesen. Wir haben sehr ambitionierten Fußball gespielt und gezeigt, dass wir es nicht verlernt haben. Wir hätten unsere Chancen nach dem 1:1 nützen müssen, aber das passt offensichtlich zu unserer Saison. Trotzdem Hut ab, wie wir uns heute präsentiert haben."

Wals-Siezenheim, Red Bull Arena, 11.376 Zuschauer, SR Ouschan

Tore:
1:0 (1.) Sabitzer
1:1 (6.) De Paula
2:1 (23.) Lazaro
3:1 (74.) Lazaro

Salzburg: Gulacsi - Ankersen, Ilsanker, Hinteregger, Schmitz - Lazaro (80. Quaschner), Ramalho, Keita, Minamino (75. Berisha) - Sabitzer (88. Pires), Soriano

Austria: Lindner - Th. Salamon, Rotpuller, Ortlechner, Suttner - Holland, Holzhauser (68. Mader) - Royer, De Paula (56. A. Grünwald), Meilinger (77. Zulechner) - Frank

Gelbe Karten: Ilsanker, Schmitz, Keita, Ramalho, Soriano bzw. Rotpuller, Suttner, Ortlechner