Politik

Unwetter verwüsten Tirol und Norditalien

Binnen drei Minuten wurden die letzten 26 Jahre einfach weggerissen. Es ist furchtbar, alles verwüstet, nichts mehr da." Sonja Unterrainer blickt auf das Chaos in ihrer Wohnung in Ellmau. Vom Dach sind nur mehr Fetzen übrig, auf dem Boden liegen Ziegel und Mauerbrocken. Und die Küchendecke hängt fast bis zum Boden. "Das Bad wurde erst saniert. Vorgestern sind wir fertig geworden. Und jetzt ist nichts mehr übrig."

Heftige Gewitter mit orkanartigen Sturmböen und Hagel waren Samstagabend über das Unterland gefegt: Dächer wurden abgedeckt, Bäume entwurzelt, Straßen verlegt und die Stromversorgung für 36.000 Haushalte vorübergehend gekappt. Am Sonntag waren die Aufräumarbeiten voll im Gange.

"Es war wie ein Tornado. Und danach hat’s wie bei einem Kriegsausbruch ausgeschaut", erzählt Maria Sojer. Das Hotel ihres Vaters traf es schwer. "Wir waren beim Abendessen und als ich das drohende Unwetter sah, wollte ich schauen, ob alle Fenster geschlossen sind", erinnert sie sich.

Doch sie kam nur bis in den dritten Stock – ehe der Sturm das Dach über dem Saunabereich wegriss. "Ich warf mich schützend über meine Kinder. Das Wasser kam durch die geschlossenen Fenster, die Tür flog aus den Angeln, die Möbel segelten durch den Raum. Dann sah ich, wie das Dach zwei Mal angehoben wurde und beim dritten Mal wegflog", schildert ein deutscher Gast.

Ellmaus Bürgermeister Nikolaus Manzl beziffert den Schaden mit zwei bis drei Millionen: "15 Gebäude wurden beschädigt, Menschen obdachlos. Am schlimmsten traf es das Feuerwehrhaus und Wohngebäude." In diesem steht Alexander Fuchs und schüttelt den Kopf: "Meine Wohnung ist komplett zerstört. Ein Albtraum."

Verletzte

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In Wörgl stürzte eine zwölf Meter hohe Fichte zunächst auf ein Gasthaus, ehe sie auf den Pkw einer Kufsteinerin, 64, krachte. Verletzt wurde auch ein Ehepaar, 77, als ein Baum in Angerberg ihr Auto unter sich begrub. In Going fiel ein Baum auf den Pkw einer Urlauberfamilie. Die Insassen, ein Mann und ein Baby, wurden leicht verletzt.

Die Brennerstraße musste nach einer Mure zwischen Innsbruck und Schönberg gesperrt werden. In Eben am Achensee wurde im Bereich der Gramaialm die Zufahrtsstraße vermurt. Rund 100 Personen waren vorübergehend von der Außenwelt abgeschnitten.

Laut Meteorologen wird das Wetter zu Wochenbeginn freundlich. Ab Donnerstag leitet dann eine Kaltfront das Ende des Spätsommers in ganz Österreich ein.

Todesopfer in Italien

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Auch Norditalien wurde von schweren Unwettern getroffen. Überschwemmungen und Erdrutsche bewirkten den Tod eines Autofahrers. Der Mann starb am Sonntag in Padua, als nach starken Regenfällen ein entwurzelter Baum auf sein Auto krachte. Umstürzende Bäume verletzten in Verbania am Lago Maggiore auch zwei Camper.

Ein Tornado verwüstete in dem Ort den bekannten botanischen Garten Villa Taranto mit seinen seltenen Pflanzen und Jahrhunderte alten Bäumen. Die Unwetter unterbrachen eine lange Hitzeperiode. Im Süden Italiens blieb es jedoch weiter trocken und heiß, so dass dort zahlreiche neue Brände entflammten.