Politik/Ausland

Rebellen schwer in der Defensive

Während auf politischer Ebene die Debatten um den Umgang mit Syrien brodeln, werden in Syrien selbst Tatsachen geschaffen. Und da stehen die Zeichen derzeit schlecht für die Rebellen. Hatte Deutschlands Bundesnachrichtendienst (BND) im März noch vom nahen Ende Präsident Assads gesprochen, so hat er diese Ansicht grundlegend revidiert.

In einem Interview mit dem deutschen Magazin Spiegel spricht BND-Chef Gerhard Schindler vom möglichen Vormarsch der Assad-Truppen und davon, dass die Armee derzeit so stark dastehe, wie schon lange nicht mehr. Zwar sei es unwahrscheinlich, dass Assad den Konflikt militärisch gewinnen könne, aber die Armee könne die Rebellen gut in Schach halten und auch an Boden gewinnen.

Tatsächlich stoßen die Assad-Truppen seit mehreren Wochen an vielen Fronten vor: Vor allem in der Region zwischen Damaskus und der syrischen Küste; aus den Vororten Damaskus’ wurden die Rebellen verdrängt; und zahlreiche Versorgungsrouten der Aufständischen wurden abgeschnitten.

Opposition im Chaos

Als Grund für die Defensive der Rebellen sieht der BND vor allem interne Konflikte. So hätten die Aufständischen (siehe auch rechts) nicht annähernd so etwas wie eine funktionierende Befehlskette. Und die ernannten politischen Oppositionsführer im Ausland hätten auf die Milizen kaum Einfluss.

Für jene Akteure in dem Konflikt, die eine politische Lösung anstreben, ist vor allem der letzte Punkt ein massives Problem. Denn es ist völlig unklar, wer auf Seiten der Opposition auch nur annähernd das Mandat hätte, eine Lösung auszuverhandeln, die dann auch den syrischen Realitäten standhalten kann.

Beim Treffen der Staatengruppe der „Freunde Syriens“ in der jordanischen Hauptstadt Amman am Mittwoch ging es genau darum: um die Vorbereitung des zwischen den USA und Russland vereinbarten Syrien-Gipfels, der Anfang Juni stattfinden soll, und um die Frage, wer auf Seiten der Regimegegner teilnehmen könnte.

Klar ist, je mehr Zeit verstreicht, umso komplizierter wird die Lage in dem Krieg, der immer weitere Kreise zieht. An der dieser Tage tobenden Schlacht um die Stadt Al-Qusayr nahe der Grenze zum Libanon nehmen unverdeckt Einheiten der libanesischen Hisbollah teil.

Vor dem Treffen in Amman zeigte sich vor allem der britische Außenminister William Hague besorgt über den wachsenden Einfluss der Hisbollah und des Iran in Syrien und sprach von negativen Folgen für die ganze Region.

Solche Folgen zeigen sich im Libanon. In der Stadt Tripoli eskalierten Kämpfe zwischen Sunniten, die die Mehrheit der syrischen Rebellen stellen, und Alawiten, denen Assad angehört.

Und schließlich ist da Israel, das mit Syrien zuletzt eine Serie an Feindseligkeiten ausgetauscht hat. Jüngster Höhepunkt: Der gezielte Beschuss israelischer Soldaten auf dem Golan durch syrische Truppen nach Luftangriffen Israels auf in Syrien gelagerte iranische Waffenlieferungen an die Hisbollah. Zuletzt hatte es Berichte gegeben, Syrien habe Raketen auf Israel ausgerichtet. Israels Minister für Heimatverteidigung, Gilad Erda: „Es geht nicht mehr darum, ob Raketen auf große, dicht bevölkerte Regionen in Israel abgefeuert werden, sondern nur noch darum, wann.“

Im syrischen Bürgerkrieg ist mittlerweile eine unüberschaubare Zahl an Gruppen und Grüppchen aktiv, die gegen Machthaber Bashar al-Assad kämpfen – und bisweilen auch gegeneinander.

Freie Syrische Armee (FSA) Sie besteht vor allem aus übergelaufenen Regierungssoldaten. Ihre Schlagkraft ist begrenzt.

Syrische Befreiungsfront (SLF) Sie ist ein Zusammenschluss von islamistischen Gruppen und soll bis zu 37.000 Kämpfer umfassen. Ihr Ziel ist es, innerhalb der Grenzen Syriens einen „Gottesstaat“ mit der Scharia (muslimische Gesetzgebung) als Grundlage aufzubauen.

Syrische Islamische Front (SIF) In dieser extrem radikalen Salafisten-Organisation kooperieren elf dschihadistische Gruppen. Die stärkste von ihnen nennt sich „Ahrar al-Sham“ und verfügt über 13.000 „Gotteskrieger“.

Al-Nusra-Brigade Die Extremisten-Truppe, die viele ausländische Kämpfer in ihren Reihen hat, hat sich mit der El Kaida im Irak verbündet und bis zu 8000 Mann unter Waffen. Ihr Ziel ist ein Kalifat vom Zweistromland über Syrien bis zum Libanon.

Demokratische Unionspartei (PYD) Der PKK-Ableger versucht im Norden Syriens eine eigene kurdische Autonomie-Region nach dem Vorbild des kurdischen Nordiraks zu erkämpfen.