Politik/Ausland

Fahndung nach Attentäter von Paris

Ein vermutlich gefälschter syrischer Pass, der auf einen 25-Jährigen ausgestellt wurde, gefunden beim Stade de France – und der Verdacht, dass sich da womöglich ein IS-Mann unter Flüchtlinge gemischt hat, um über Griechenland und den Balkan, also auch über Österreich, nach Frankreich zu kommen ...

Der Albtraum schlechthin, aus dem Rechtsnationale ihr fremdenfeindliches Süppchen kochen werden. Für Terrorismus-Experten ist es überhaupt kein Zufall, sondern "zynisches Kalkül", dass so ein Pass auftauchen würde.

Die Anschläge von Paris waren vermutlich von den Spitzenleuten des "Islamischen Staates" geplant und abgesegnet worden. Zu Warnungen, dass sich Terroristen als Flüchtlinge einschleichen könnten, sagte Terror-Experte Peter Neumann vom Londoner King's College: "Eine massenhafte Einschleusung von Anhängern des Islamischen Staates durch die Flüchtlingsströme gibt es nachweisbar nicht." Es sei zwar möglich und angesichts der hohen Flüchtlingszahlen rein statistisch auch denkbar. "Man darf jetzt allerdings nicht den Fehler machen, diese zwei Probleme miteinander zu vermengen."

Auch Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve sprach von einem im Ausland orchestrierten Anschlag. Viele der Attentäter von Paris seien französischen Diensten nicht bekannt gewesen.

Offenbar wollten zwei Attentäter ins Stadion gelangen, hatten auch Tickets, wurden aber nicht eingelassen, sprengten sich mit Nagelbomben in die Luft – und töteten einen Sicherheitsbeamten. Neben einer der Leichen der Attentäter wurde der syrische Pass gefunden. Griechischen Behörde zufolge war der Mann mit dem Namen Ahmad Almohammad am 3. Oktober als Flüchtling registriert worden.

Zwei Attentäter mit französischem Pass sollen nahe Brüssel gelebt haben.

Attentäter identifiziert

Sieben Attentäter kamen insgesamt ums Leben: Nahe des Stade de France sprengten sich drei Terroristen in die Luft. Drei Angreifer starben nach einer Massengeiselnahme mit 89 Toten im Konzertsaal Bataclan. Auf dem Boulevard Voltaire zündete ein weiterer Terrorist seinen Sprengstoffgürtel. Die Attentäter benutzten dabei durchwegs Sprengstoffwesten identischer Bauart und unter anderem Sturmgewehre des Typs Kalaschnikow sowie Pistolen und Schrotflinten .

Drei der toten Attentäter wurden identifiziert, nach einem Verdächtigen wurde gefahndet. Am Sonntag veröffentlichten Frankreichs und Belgiens Behörden das Foto des 26-jährigen Abdeslam Salah. Zusatz: gefährlich. Es soll sich um den in Brüssel geborenen Bruder eines der Selbstmordattentäter handeln. Angeblich, so französische Medien, ist er der letzte flüchtige Attentäter.

Bis Sonntag wurden 13 Verdächtige festgenommen, davon sieben in Belgien.

Darüber aber, wie viele Attentäter und vor allem auch Hintermänner auf der Flucht sind, gab es am Sonntag widersprüchliche Angaben. Mindestens einem Terrorkommando dürfte die Flucht gelungen sein. Unklar war auch, ob der oder die Täter am Samstag bei der Razzia in Belgien gefasst wurden.

Und völlig rätselhaft war eine Polizeiaktion nahe Paris. Laut Medien wurden fünf Personen tschetschenischer Herkunft festgenommen und Sprengstoff sichergestellt.

Die Unüberschaubarkeit der Lage lässt dabei auch in Deutschland die Alarmglocken schrillen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière sprach von "Information, dass möglicherweise noch eine Tätergruppe in Frankreich unterwegs" sei. Zudem untersuche man mögliche "Deutschland-Bezüge".

Und ein solcher Deutschland-Bezug drängt sich geradewegs auf: Die Frage ist, welche Rolle der 51-jährige Vladko W. aus Podgorica in Montenegro gespielt haben könnte. Vor einer Woche war er in Rosenheim verhaftet worden. Er transportierte in seinem Audi A8 acht Kalaschnikow-Gewehre mit dazupassender Munition, zwei Pistolen, einen Revolver, Handgranaten und 200 Gramm Sprengstoff – und er wollte nach Paris, wie Handy- und Navi-Daten zeigen. Ob er Kontakte zum IS hat oder zu Hintermännern des Anschlages, wird derzeit ermittelt.