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Tagebuch: Aufreger und Abfahrer

Für ihren Nachtslalom am 24. Jänner haben die Schladminger schon jetzt ungleich mehr Karten verkauft als die Kanadier für die ersten Speed-Rennen an diesem Wochenende in Lake Louise. Ein Mal am Tag pfeift dort ein Zug der Canadian Pacific Railway mit mehr als 200 Waggons vorbei. Lake Louise ist der einsamste Weltcup-Schauplatz. Und doch war er für viele einer der aufregendsten. Für Hermann Maier, weil er dort sein allerletztes Rennen gewann; für Alexandra Meißnitzer , weil sie ihre schwerste (Knie-)Verletzung erlitt; und für Hans Knauß , weil er in LL beim Doping-Test durchfiel. Angeblich wollten die Doping-Jäger knapp vor Olympia 2006 Maier in die Falle locken. Der wider Erwarten erwischte Knauß holte später, schlau gecoacht von Kicker-Anwalt Christian Flick , bei einem Millionenprozess gegen einen US-Nahrungsergänzungsmittelhersteller - noch dazu auf US-Gerichtsboden - viel Geld heraus. ORF-Experte Knauß war der erste "Sünder", der so eine Affäre ohne Schaden überstand. Und er war zugleich der letzte Schladminger Skistar. Vorerst ist mit freiem Auge kein Lokalmatador zu sehen, der bei der Schladminger WM 2013, geschweige denn vorher im Nachtslalom oder beim Finale 2012 im März einen Startplatz vor seiner Haustür ergattert. Bekanntester aktueller Sportler der Ski-WM-Stadt ist ein Fußballer: Daniel Royer. Doch der Hannover-Legionär rutschte ins Stimmungstief, seit er sich vor Gericht ein Eigentor schoss. Prozessanlass war ein Zwischenfall in einer Schladminger Disco. Dort hatte am 27. Dezember der damalige Ried-Profi Mark Prettenthaler einer Frau Gesichtsverletzungen zugefügt. Während der Täter mit 8000 Euro Strafe davonkam, wurde Royer, obwohl an der Rauferei unbeteiligt, zu 180.000 Euro verdonnert. Ihm wird vorgeworfen, seinen damaligen Klubkameraden bei der Zeugeneinvernahme gedeckt zu haben. Mit dem Gerechtigkeitsempfinden juristischer Laien lässt sich diese Diskrepanz im Strafausmaß nicht vereinbaren. Unter Rechtsgelehrten aber gilt eine falsche Beweisaussage als schweres Delikt. Aussage stand gegen Aussage. Obwohl der Mann, der Royer belastet, wie der Fußball-Nationalspieler ein Schladminger und wie Royer Sportler ist. Und zwar Marathonläufer. Vor Gericht aber hatte Royers Gegenspieler aus anderem Grund den längeren Atem - er ist Polizist. Der Fußballer geht trotzdem in die Berufung. Er hofft auf ein besseren zweiten Durchgang im Schladminger Paragrafenslalom.