Meinung/Kolumnen/Schule

Kasse in Pause

Lernta nämlich richtiges Deutsch im öffentlichen Leben heutzutage eh auch nicht mehr.

Niki Glattauer
über Kasse in Pause

Weil in der Vorwoche an dieser Stelle von sprichta in Pause Deitsch die Rede war: Lernta nämlich richtiges Deutsch im öffentlichen Leben heutzutage eh auch nicht mehr.

Unlängst im Billa. Nur eine Kassa von dreien besetzt. Gut, die Warteschlange war uhrzeitbedingt eher eine Nacktschnecke als eine Schlange. Auf den Monitoren der zwei verwaisten Kassen jedenfalls der schlanke Satz: "Kasse in Pause".

Kasse in Pause. Das finde ich jetzt echt gut in einem Land, wo die Supermarktkassa immer noch Kassa heißt, weil wir im Gegensatz zu unseren Nachbarn jenseits der Weißwurstgrenze in dieser Sache nämlich weise unterscheiden: Kassa das Ding, in dem unser Geld aufbewahrt wird; Kasse (auch Bank genannt) das Ding, in dem unser Geld im Minusfall unverschämt hoch minusverzinst, im Plusfall verschämt ignoriert und in beiden Fällen anschließend verspekuliert wird. (Okay, das war jetzt polemisch, sorry, Kasse :-)

Eine Kassa kann jedenfalls nicht in Pause sein. Im Gegensatz zu ihren Eigentümern und Managern, die sich in solchen Pausen u. a. von der Schwerarbeit erholen könnten, alle die Daten verarbeiten zu müssen, die sie sich vorher über unsere Vorteils-, Mitglieds, Bonus-, Treue- und Was-weiß-ich-noch-für-Karten geholt haben. Kasse in Pause. Das ist syntaktisch die Entsprechung des "Gemma Lugna" meiner Schülerinnen, weshalb ich fordere, die Kasse in Pause künftig nur noch Deutsch sprechen zu lassen, bis sie weiß, dass es KassierIn in der Pause heißen könnte oder Kassa zurzeit nicht besetzt oder so. Und weil ich jetzt ganz genderbewusst Schülerinnen und KassierIn geschrieben habe: Dass das Gendern doch noch nicht vollständig weggabaliert wurde, beweist mir die Lektüre des neuen Clemens-J.-Setz-Romans "Die Stunde zwischen Frau und Gitarre", in dem auf Seite 60 von "Lehrlinginnen" anstelle von Lehrlingen geschrieben wird. Jetzt weiß ich natürlich nicht, Bravo, Herr Setz, Sehr gut, setzen! oder der verarscht uns, der Steirer in Ihnen (Stipsits-Ostrowski-Syndrom)? Egal. Lehrlinginnen, das übe ich. Am besten, wenn Kasse in Pause.