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Die perfekte Mutterei

Freundin Mona ist fast ein wenig beleidigt

Doris Knecht
über ein kinderloses Leben

Freundin Mona ist fast ein wenig beleidigt: Niemand hat sie bisher für die Motherhood Challenge auf Facebook nominiert. Ich kann sie trösten: Mich auch nicht.

Das ist allerdings insofern egal, als Mona und ich darüber sehr froh sind: Offensichtlich bewegen wir uns beide nicht in Kreisen, in denen die perfekte Mutterei als der Maß aller Dinge gilt. Denn darum geht es bei dieser Challenge: Sich als möglichst perfekte Mutter im Kreise ebenso perfekter Kinder zu präsentieren, und das eigene Familien-Glück als das größtmögliche zu verkaufen. Vor allem aber: Die Mutterschaft als einzigen Lebensinhalt. Und so wunderbar es ist, Mutter zu sein: Das ist ein sehr rückschrittliches Frauenbild, das hier transportiert wird.

Die Challenge insinuiert, es gäbe für Frauen nach wie vor keine größere Erfüllung auf der Welt, als Kinder zu haben. Und tatsächlich ist dieses Denken in unserer Gesellschaft auch unter jungen Menschen immer noch tief verankert. Das bekam etwa die deutsche Schriftstellerin und Moderatorin Sarah Kuttner zu spüren, als sie vergangenes Jahr in einem Interview sagte, sie fände "Kinder irgendwie doof" und wolle keine eigenen, nein, nie. Die Reaktionen auf diese Erklärung fielen aus, als habe Kuttner ein generelles Gebär-Verbot und die Wegsperrung aller unter 14-Jährigen gefordert. Dabei hatte sie nur eine individuelle weibliche Lebensentscheidung zur Kenntnis gebracht, was Kinderlosigkeit aber offenbar in unserer Gesellschaft nach wie vor nicht sein darf: ein gewollter Entschluss, den Frauen für sich selber und ganz bewusst treffen.

Dabei gibt es eine lange Reihe von Gründen für ein kinderloses Leben, und die meisten davon steuert die vermeintlich so familienfreundliche Gesellschaft selbst bei, angefangen bei den Karriereeinbußen und der Armutsgefährdung alleinerziehender Mütter. Die Verklärung und moralische Überhöhung von Mutterschaft, wie sie die Motherhood Challenge betreibt, blendet derlei aus. Kinder sind ein toller Lebensinhalt, aber der einzige sind sie nicht.