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Das kann jeder von Natur aus

Aber hier geht’s eben nicht nur um die rauchende Person, nicht nur um eine private Entscheidung.

Doris Knecht
über Rauchverbote

Die neue Ärzte-Kampagne für umfassendere Rauchverbote: ja, unterstütze ich. Voll und ganz. Auch wenn die Forderung von Verboten für einen liberal denkenden, toleranten Menschen immer ein Problem ist: weil Souveränität des Individuums, weil Selbstverantwortlichkeit.

Aber hier geht’s eben nicht nur um die rauchende Person, nicht nur um eine private Entscheidung. Es geht um die rundherum, die Mitrauchenden an den Arbeitsplätzen, in den Lokalen und vor allem in den Familien. Man kennt selbst einen Haufen nette Leute, verantwortungsbewusste Mütter und liebevolle Väter, die befürchten, dass ihre halbwüchsigen Kinder mit dem Rauchen anfangen könnten. Was sie allerdings nicht daran hindert, selbst zu rauchen, auch in der Gegenwart dieser Kinder.

Niemand gibt gern Freundinnen Ratschläge, die sie nicht hören wollen. Niemand quatscht gern Freunden in ihre persönliche Lebensführung, erhebt sich quasi moralisch über sie, indem man sagt: Hör auf zu rauchen. Lass den Scheiß. Es ist nicht gut für dich und es hat Konsequenzen für die Kinder.

Ich weiß, wie schwer es ist, mit dem Rauchen aufzuhören, ich habe viel geraucht, bis ich vor mehr als zehn Jahren damit aufgehört habe, drei kurze Rückfälle inkl. Ich weiß aber eben auch, wie gut es ist, nicht mehr zu rauchen. Keine Zigaretten zu brauchen, in keiner Lebenssituation: nicht nach dem Aufstehen, nicht zum Kaffee, nicht als Belohnung, nicht als Trost, nicht nach dem Essen und nicht wenn man etwas getrunken hat. Ich weiß, wie angenehm es ist, nicht mehr nach Tschick zu stinken und wie gut es ist, wenn man am Flughafen nicht in die Raucher-Zelle muss. Weil man einfach nicht rauchen muss. Niemand. Jeder kann das von Natur aus: nicht rauchen.

Ich bin in Sorge um die Gesundheit meiner Freundinnen und Freunde und um die Gesundheit der vielen Halbwüchsigen in meinem Freundeskreis: für die wir Erwachsene, auch wenn sie das nicht zugeben würden, Vorbilder sind.

Aber die Sucht ... Ja. Tja.