Meinung/Kolumnen/fabelhafte WELT

Verf* verd* fehlendes Adjektiv

Wenn man tagelang denselben Satz anstarrt.

Vea Kaiser
über die Schreibarbeit

Wenn man ein Buch schreibt, hat das oft zur Folge, dass das Leben richtig langweilig wird. Was nicht schlimm ist, die großen Dramen spielen sich ohnehin am Schreibtisch ab. Entweder innerhalb der Handlung, die aufs Papier gebracht werden muss, oder in der eigenen Seele, wenn sich diese Handlung dagegen sträubt, aufs Papier gebracht zu werden. Objektiv betrachtet ist es kein weltbewegendes Problem, nicht das passende Adjektiv zu finden. Aber wenn man tagelang denselben Satz anstarrt, weil man ohne dieses eine verf* verd* fehlende Adjektiv nicht weiterkommt, dann fragt man sich bei jedem Klopfen an der Tür, ob es der Wahnsinn ist. Bisher war’s nur der Postbote.
Jeder Autor hat so seine Strategien, den Wahnsinn möglichst lange fernzuhalten. Mir helfen Handcreme, Pelztier und Putzperle. Die Handcreme, weil mir meine Handwerker-Opas beigebracht haben, man müsse seine Arbeitsgeräte pflegen. Hund Zwetschge, damit ich nicht an der Einsamkeit zerbreche, und die Putzperle, damit Fräulein Schriftsteller nicht verführt wird, die sich versteckenden Adjektive im Backrohr zu suchen und einen Nachmittag in dessen Reinigung zu investieren. In der Literaturgeschichte wurde noch nicht beobachtet, dass ein Putzfimmel große Werke begünstigt. Vielmehr, wenn der Autor so konzentriert arbeitet, dass er rundherum nichts mehr wahrnimmt. Was mir nur möglich ist, wenn die Wohnung sauber ist. Der Hund versucht jedoch alles, um das Werk der Putzperle zu sabotieren, was wiederum mein Werk sabotiert. Ist dem Hundsviech die Wohnung zu sauber, zerfetzt es den Müllsack, um alles, was Weih-Weih ist, auf Polstermöbeln zu platzieren. Das Gute: Fehlende Adjektive werden dadurch unwichtig. Ein riesiger Joghurtfleck am geerbten Lieblingsteppich – das sind Probleme.

vea.kaiser@kurier.at