Meinung/Gastkommentar

Gendern im ORF

Mittlerweile sind wir uns alle einig: Viele Menschen nervt Gendern, aber wirklich alle nervt die Debatte darüber. Laufend werden Umfragen publiziert, wie stark der Gender-Doppelpunkt und das Gender-Sternchen von weiten Teilen der Bevölkerung abgelehnt werden.

Daher verwundert es, wenn Reichweiten-starke gebührenfinanzierte Plattformen wie fm4.ORF.at über „Journalisten*innen“ und oe3.ORF.at über „PreisträgerInnen“ und „Bergführer:innen“ schreiben. Völlig unstrittig ist: Jedes private Medienunternehmen, jede Schriftstellerin, jeder Schriftsteller ist völlig frei zu gendern, wie es, sie oder er will. Aber der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte sich an geltende Sprachnormen halten und diese regelkonform und ideologiefrei in seiner Berichterstattung anwenden.

Für den deutschen Sprachraum sind dies die Regeln des Rats der deutschen Rechtschreibung, denen wir uns auch im Land Niederösterreich verschrieben haben. Dieser Rat ist die einzige amtliche Instanz für den Sprachgebrauch und dieser empfiehlt – so wie es ebenfalls laut Medienberichten eine interne Empfehlung des ORF vorsehen dürfte – beide Geschlechtervarianten (also „Journalistinnen“ und „Journalisten“) oder eine nichtgeschlechterspezifische Form zu verwenden. Wenn ORF-Anchor Tarek Leitner im profil schreibt, dass „der Kulturkampf ums Gendern entschieden“ sei, hat sich das offenbar nicht zu allen Redakteurinnen und Redakteuren im ORF durchgesprochen.

Sprache im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist eben kein Instrument der Erziehung, sondern der Verständigung. Deswegen muss sie einfach und verständlich formuliert sein. Die wichtigste Aufgabe des ORF ist es, qualitativ hochwertige Nachrichten und öffentliche rechtliche Inhalte zu produzieren. Für diese bedeutende Aufgabe stellt unsere Gesellschaft – nämlich in Kürze alle Bürgerinnen und Bürger – dem ORF eine beachtliche Summe Geld zur Verfügung.

Unabhängigkeit, Ausgewogenheit und maximale Objektivität sind wichtige Grundprinzipien für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Einen Erziehungsauftrag in geschlechtergerechten Formulierungen lässt sich davon aber nicht ableiten. Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt diese Art zu gendern, wie sie auf den Webseiten von Ö3 oder FM4 teilweise angewendet wird, ab. Damit befinden sie sich auch in bester Gesellschaft mit den Expertinnen und Experten des Rats der deutschen Rechtschreibung. Sie vertreten die Auffassung, dass Gender-Stern, Gender-Gap, Gender-Doppelpunkt und Binnen-I Lesbarkeit und Verständlichkeit stören.

Eine ideologisch motivierte Gender-Sprache befördert den „Kulturkampf“ und die Polarisierung. Das heißt aber keinesfalls, dass im ORF nicht gegendert werden soll. Frauen und Männer müssen in der Sprache gleichberechtigt sein – aber bitte mit Vernunft!

Jochen Danninger ist Klubobmann der niederösterreichischen ÖVP