Leben/Gesellschaft

Gutachten: Vegane Ernährung für Kinder ist "unethisch“ und gefährlich"

In Australien sorgt gerade der Fall eines knapp dreijährigen Mädchens für Aufregung. Das Kind wurde nie geimpft und bis zum 19. Monat ausschließlich mit Haferflocken, Reis, Erdäpfeln, Tofu und Brot, Erdnussbutter, Reismilch, Obst und Rosinen ernährt. Damals wog es nur fünf Kilo, hatte keine Zähne und war auf dem Entwicklungsstand eines drei Monate alten Babys. Es wurde den Eltern weggenommen und einer Pflegemutter übergeben. Heute ist es so groß wie eine Einjährige.

Vater und Mutter wird derzeit der Prozess gemacht, ihnen drohen bis zu fünf Jahre Haft, weil sie die Gesundheit ihrer Tochter aufs Spiel setzten.

In Belgien starb ein sieben Monate altes Baby durch vegane Mangelernährung. Die Mutter hatte dem Kind rein pflanzliche Säfte anstatt Muttermilch oder Milchersatznahrung gegeben.

Dieser Fall aus 2017 ist jetzt Anlass, dass nun auch in Belgien Eltern, die ihre Kinder ausschließlich vegan ernähren, wegen „unterlassener Hilfeleistung“ angeklagt werden können. Mitglieder der belgischen Akademie für Medizin haben Mitte Mai in einem Gutachten festgestellt, dass sie vegane Ernährung bei Kleinkindern für „unethisch“ und „gefährlich“ halten. Damit sei es nun einfacher, Eltern die Kinder zu entziehen.

Auch in Italien sorgte der Fall eines einjährigen Kindes für eine Gesetzesverschärfung. Der Bub, der nur vegan ernährt wurde, war stark unterernährt und musste wegen eines Herzdefekts operiert werden. Ein Richter entzog den Eltern das Sorgerecht.

Und in Bergamo erwirkte ein geschiedener Mann vor Gericht, dass seine Ex-Frau dem gemeinsamen, damals zwölfjährigen Sohn mindestens einmal pro Woche Fleisch zubereiten muss.

Glaubenskrieg

Obwohl fast alle Kinderärzte von veganer Ernährung dringend abraten, weil tierische Proteine und Aminosäuren in Wachstumsphasen essenziell sind, herrscht ein Glaubenskrieg. Ähnlich wie Impfgegner lassen sich auch die Befürworter veganer Ernährung nicht von den Einwänden der Schulmedizin beeinflussen. George Casimir, der Leiter der belgischen Ärztekommission, weist darauf hin, dass Kleinkinder zur Entwicklung von Gehirnzellen große Mengen an Proteinen und Fettsäuren benötigen, die der Mensch nicht selbst produzieren kann und die deshalb über die Nahrung oder Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden müssen.

In Belgien schätzt man, dass drei Prozent der Kinder vegan ernährt werden. Dawn Carr von der Tierschutzorganisation Peta hält die Entscheidung der Belgischen Akademie für einen „Riesen-Unsinn“. Es liege in der Verantwortung der Eltern, die notwendigen Nährstoffe für das Kind bereitzustellen. Eine ausgewogene und gut geplante vegane Ernährung sei für Babys und Kinder perfekt.