Kiku

Unser Lachen wurde dann wirklich genommen

Eine geniale, quirlige junge Christl wuselt durch die fast zweistündige Verfilmung von Christine NöstlingersMaikäfer flieg“. Dieser Anfang der 70er Jahre erschienene autobiographische Roman der großen Kinderbuchautorin über deren Kindheit in den letzten Kriegs- und ersten Nachkriegsmonaten, eröffnet dieses Jahr – als erster Kinderfilm – die Diagonale.

Neugierig

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Christl, vorwitzige, frech, abenteuerlustig und neugierig, aber auch sehr sensibel wird von der zehnjährigen Zita Gaier gespielt. Es ist ihr erster Film, ihr Bruder Enzo spielte beim „Pferd auf dem Balkon“ (Hüseyin Tabak) die Hauptrolle -https://kurier.at/lebensart/kiku/und-dann-durfte-ich-20-sekunden-lang-schreien/1.183.880

Ein anderer Bruder, Lino, spielt mit ihr in „Maikäfer flieg“ und zwar Gerald, den Sohn der jungen Frau Braun. Ihre Familie lebt mit den Brauns in der Vorstadtvilla der alten Frau Braun, nachdem das Nöstlinger‘sche Wohnhaus in Hernals zerbombt wurde. Mama Nöstlinger hatte in der Vorstadtvilla geputzt.

Aus Kinderaugen

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Roman und Film schildern diese Zeit aus der Perspektive des acht-, neunjährigen Mädchens mit Ängsten aber auch witzigen Momenten und mit der Freundschaft zu einem Außenseiter, dem Koch namens Cohn.
„Nöstlinger-Bücher hab ich natürlich gekannt und gelesen, das aber war mir neu“, vertraut sie dem Kinder-KURIER im Interview an. „Als ich dann zum Casting eingeladen wurde, hab ich es natürlich gelesen. Ich wollte ja wissen, worum es geht.“

Aufregend, arg, cool

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So manches beim Dreh „war sehr spannend und aufregend, manches auch sehr arg – zum Beispiel die Szene, in der die beiden Doggen erschossen worden sind“, was sie natürlich in echt nicht wurden, „aber die Vorstellung. Das war schlimm“, schildert sie dem KiKu. „Im Film war dafür eine andere Szene ziemlich cool, die ich beim Lesen vom Buch arg gefunden habe: Als der Feldwebel wild herumballert und auf den Kronleuchter schießt. Beim Dreh weißt ja, dass es nicht echt ist.“
Der Dreh hat ihr insgesamt sehr getaugt, „es ist schon ein cooles Gefühl, mit auch so urberühmten Schauspielern zu arbeiten und da war niemand dabei, der dich das spüren lässt oder von oben herab behandelt. Wobei das Aufregendste war für mich bevor die Dreharbeiten überhaupt begonnen haben, ob ich überhaupt genommen werde oder nicht.“

Dialekt war nicht einfach

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Beim Dreh sei für sie, die eher hochdeutsch spricht, „das Reden im Dialekt am Anfang schon ein bisschen schwierig“ gewesen. Aber dann war’s doch wieder nicht ganz so kompliziert, weil alle mitgeholfen haben, dass ich da reingekommen bin.“

Heieieißßßßßß

„Eine Szene war aber echt sehr anstrengend. Als ich auf dem Wagen vom Cohn versteckt unter einer Decke gelegen bin. An dem Tag war’s echt heiß, so 35 Grad oder so. Das war dem Pferd sogar zu viel. Und ich hab so viel Schichten angehabt. Und wir mussten die Szene immer und immer wieder wiederholen. Irgendwann hat dann die Mirjam (Unger, Regisseurin) gesagt, ich kann das Unterleiberl ausziehen, weil das sieht man eh nicht.“

Mühsam sei auch eine Szene gewesen, „die wir ur-oft wiederholt haben. Da waren wir schon alle ziemlich geschafft. Und am Ende ist sie dann sogar rausgeschnitten worden. Aber trotzdem haben wir uns zuerst gefreut, dass wir sie dann doch noch geschafft haben.“

Fress-Attacke

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„Sehr cool und voll lustig“ fand Zita Gaier das Festessen. Als die Kinder aus einer verlassenen Nachbarsvilla leckere Lebensmittelvorräte, insbesondere eingekochtes Wild in Gläsern plünderten und alle sozusagen zum ersten Mal nach Jahren wieder richtiges Essen zwischen die Zähne bekamen. Insbesondere die Mutter (Ursula Strauss) macht’s spannend. Erst schneidet und kaut sie fast andächtig einen Bissen nach dem anderen, bis sie lustvoll einzuwerfen und fast zu schlingen beginnt. „Da haben wir dann alle zu lachen angefangen. Das war so gar nicht im Drehbuch, hat der Mirjam aber so gut gefallen, dass sie’s dann drinnen gelassen hat. Und wir das bei der Wiederholung auch machen sollten.“

Theater, Zirkus

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Wegen der Dreharbeiten musste Zita Gaier vor den vergangenen Sommerferien früher von der Schule befreit werden. „Da war ich schon ein bisschen traurig“, verrät sie, die damals in die dritte Klasse einer Wiener Volksschule ging. „Schule und die Freundinnen und Freunde sind mir schon abgegangen.“

Auch wenn Film für sie eine Premiere war, „ich hab schon bei Theaterstücken mitgespielt und einmal bei einem Zirkusprogramm. Ich schlüpfe gern in andere Rollen“, meint die Darstellerin der ganz jungen Christine Nöstlinger.

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Christine Nöstlingers Klassiker wurde vom Verlag nun neu aufgelegt (ab 7. März 2016) – mit einem Cover und Fotos aus dem Film

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Christine Nöstlinger
Maikäfer flieg!
Mein Vater, das Kriegsende, Cohn und ich
ab 12 Jahren
Gulliver, gebunden 232 Seiten
12,95 Euro

Und die Taschenbuchversion – Auflage aus 2015:
Verlag Beltz
8,20 €