Leben/Gesellschaft

Facebook zwingt zum Online-Strip

Auf die 800 Millionen Facebook-Nutzer kommt in den nächsten Wochen eine massive Umstellung zu: Auf den Profilen bleibt künftig kein Stein auf dem anderen. Die alte Pinnwand ist Geschichte, in Zukunft wird das komplette Online-Leben eines Nutzers gut übersichtlich, vom ersten Facebook-Tag an, für alle Freunde im Netzwerk in Sekundenschnelle abrufbar. Peinliche Momente, intime Geständnisse, schräge Fotos - alles rückt mit einem Mal wieder in den Mittelpunkt.
Am Donnerstag präsentierte Facebook-Chef Mark Zuckerberg zum Auftakt der Entwicklerkonferenz F8 sein völlig neu geordnetes Netzwerk mit neuen Profilseiten. Zentrales Element ist die sogenannte "Timeline", eine Zeitleiste, die das Onlineleben der Nutzer chronologisch archiviert. Darüber prangt ein riesiges Coverfoto, das über den gesamten Bildschirm reicht und das bisherige Profilfoto ergänzt.

Jahresarchiv

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"Timeline ist die Geschichte deines Lebens", so Zuckerberg. Die Idee dahinter sei, alles, das ganze Online-Leben der Nutzer, für immer an einem Ort zu sammeln und auffindbar zu machen. Geordnet wird nach Jahren, die wichtigsten Facebook-Beiträge werden komprimiert in unterschiedlichen Sektionen ähnlich wie in einem Magazin angezeigt. Zur zusätzlichen Navigation dient ganz rechts am Profil eine Zeitleiste, in der jedes Jahr einzeln aufgerufen werden kann.
Fehlt etwas in der Timeline, was der Nutzer gerne prominent herzeigen möchte, kann man in den Jahren zurückgehen und Beiträge, Fotos oder Videos hervorheben bzw. größer machen. Unwichtige oder unliebsame Beiträge kann man auch komplett verstecken. Auch vom User genutzte Applikationen können der Timeline hinzugefügt werden. So kann man seine Freunde beispielsweise darüber auf dem Laufenden halten, welche Orte man besucht oder welche Highscores man bei Online-Games erzielt hat.

Neue Applikationen

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Die zweite große Neuerung betrifft die zahlreichen Zusatzprogramme bei Facebook. In Zukunft werden alle Aktivitäten der Facebook-User über eine Reihe neuer Applikationen in einen seit wenigen Tagen verfügbaren, neuen Echtzeit-Ticker rechts oben am Bildschirm übertragen. Musik, Videos, Bücher - egal, was ein User gerade hört, ansieht oder welche andere Aktivität er gerade durchführt, über die neuen Apps wird alles in den Echtzeit-Ticker übertragen und den Freunden mitgeteilt. Der Musikdienst Spotify etwa (in Österreich nicht verfügbar) hat eine der ersten neuen Apps entwickelt. Hört ein User über die Spotify-App einen Song, wird dies als Meldung in den Ticker geschickt. Befreundete Spotify-Nutzer können dann auf die Meldung klicken und auch direkt auf Facebook das jeweilige Lied hören.

Konkurrenzkampf

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500 Millionen Menschen nutzen täglich das soziale Netzwerk. Viele kommen aber nicht mehr auf die Seite, weil Facebook sie so begeistert, sondern weil viele ihre Freunde dort zu finden sind. Mit der Umstellung will Facebook versuchen, die User wieder enger an sich zu binden. Im Konkurrenzkampf mit Google+ ist Facebook mehr denn je gefordert, seine Nutzer bei Laune zu halten und dem Wettbewerber etwas entgegenzusetzen. Über die nächsten Wochen sollen alle User die neuen Profile bekommen. Apps für Musik, TV und Filme starten sofort.

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