Leben/Gesellschaft

Bärenschutz in Bildern

Eine Neugierdsnase taucht auf und schnüffelt an der Kamera. Die steckt wohlweislich in einem Hartschalenkoffer und der ist fix am Baum montiert. Klick - schon ist die schwarze Schnauze auf Bild gebannt, der Braunbär ist in die Fotofalle getappt. Ein sensationeller Glückstreffer aus Weitwinkel-Perspektive.

Christine Sonvilla, ihr Partner Marc Graf und Kollege Robert Haasmann haben die Spiegelreflexkamera in den Wäldern Sloweniens platziert. Seit Juni 2015 liegen die Fotografen immer wieder auf der Lauer, um Meister Petz in allen Lebenslagen hochauflösend einzufangen. Für ihr Multimediaprojekt "Leben am Limit", das die Braunbären Mitteleuropas in den Fokus rückt, wurde das Trio jetzt mit dem Beca MontPhoto WWF Förderpreis ausgezeichnet.

Stimmung

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"Wir wollen spannendes Bildmaterial über die großen Raubtiere sammeln, Diskussionen anregen und eine offene Stimmung erzeugen", sagt Sonvilla. Und das mit einem Blick nur vor die Haustür: In Slowenien leben aktuell 500 bis 600 Bären, kein anderes Land der Welt weist diese Dichte auf. Trotzdem funktioniert das Zusammenleben von Mensch und Tier meist unaufgeregt, wie es dem Charakter der Bären entspricht. "In Österreich gibt es bei einem Tier sofort Aufruhr", sagt die Naturschutzfotografin, die Brücken aus dem Wald in alle Richtungen schlagen will. Jäger, Imker, Schäfer, Almbewirtschafter und Wissenschaftler sollen zu Wort und Bild kommen. Aufklärung lautet das Motto, nicht Wiederansiedlung. Der Bär als Sympathieträger – in Österreich sind maximal zehn Exemplare unterwegs – soll die Wege für Wolf und Luchs ebnen. Der Europäische Braunbär ist auf der Roten Liste der bedrohten Arten als „gefährdet“ eingestuft.

Keine Angst

"Ich fürchte mich nicht vor Bären", sagt die Biologin. Die Allesfresser ernähren sich zu 80 Prozent vegetarisch, Menschen stehen nicht auf dem Speiseplan. Nur bei Bärinnen mit Nachwuchs und Mutterinstinkt ist Vorsicht geboten. Aus sicherer Entfernung, versteckt auf einem Ansitz, gibt Familie Petz freilich ein hinreißendes Motiv ab. Braunbären glänzen in den verschiedensten Brauntönen, ein Sonnenstrahl bringt ihre Schokoladenseite zur Geltung. In der Tierfotografie braucht es eben auch Glück.

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"Im Naturschutz wird schnell in Schwarz-Weiß unterteilt", bedauert Sonvilla: "Dabei liegen die Interessen oft nicht so weit auseinander. Es gibt immer eine Möglichkeit, dass das Zusammenleben funktioniert." "Leben am Limit" will diese Möglichkeiten multimedial aufzeigen. Der Projekttitel habe sich ergeben. Die Natur sei am Limit – vor allem durch die menschliche Einflussnahme, auch Klima und Topografie setzen Grenzen. "Die Natur soll wieder an Stellenwert gewinnen, nicht nur dort, wo sie dem Menschen von Nutzen ist", sagt die 34-Jährige.

Roadshow

"Leben am Limit" ist noch lange nicht beendet. Während sich die slowenischen Bären zur Winterruhe begeben, leeren Sonvilla, Graf und Haasmann ihre Fotoapparate und Filmkameras, die auf Bewegungsmelder reagiert haben. Die digitale Beute wird bis zum Frühling gesichtet. Zum nächsten MontPhoto Festival im Oktober 2017 soll eine großformatige Fotoausstellung fertig sein, ein Buch ist in Planung. "Wir stellen uns eine Roadshow vor, eine Webseite und Vorträge", sagt die selbstständige Fotografin, Filmerin und Autorin. Und freut sich auf den nächsten Ausflug in die Natur, auf den nächsten sensationellen Bären-Schuss: "Es gibt eine Million Möglichkeiten, die beim Fotografieren von Tieren schiefgehen können. Die Hälfte davon haben wir schon abgearbeitet."