Kultur

Festwochen werden in Schönbrunn eröffnet

Ausnahmezustand: Der Song Contest vertreibt die Wiener Festwochen 2015 vom Rathausplatz. Deshalb wird Wiens größtes Kulturfestival am 14. Mai ausnahmsweise in Schönbrunn eröffnet – als Gratis-Open-Air-Event gemeinsam mit dem Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker unter Zubin Mehta und mit Rudolf Buchbinder als Solisten.

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Auf dem Programm stehen diesmal 39 Produktionen aus 20 Ländern und 238 Vorstellungen. Aufgelegt werden 51.500 Karten, um 1.500 weniger als heuer. Den Katalog ziert ein Labyrinth. Durch das möge sich das Publikum "vor, während oder nach einer Vorstellung" den Weg gelegentlich auch selbst suchen, sagt Intendant Markus Hinterhäuser.

Es wird auch 2015 keine Trennung in Musiktheater, Schauspiel, Performance, Film etc. geben. "Wir sehen das Programm als gemeinschaftliches, genreübergreifendes Unternehmen – auch im Sinne des gemeinschaftlichen Entstehens."

INFO: www.festwochen.at

Die Höhepunkte: Eine Wiederbegegnung mit Romeo Castellucci ("Go down, Moses") und Frank Castorf, der mit "Die Brüder Karamasow" seinen Dostojewski-Zyklus abschließen wird. Wie ein "Blick durch das Schlüsselloch auf boshafte Geschäftemacher, komisch und absurd", so Schauspielchef Stefan Schmidtke, ist "Tote Seelen" nach Gogols Roman, eine eigenwillige Erfolgsproduktion aus Moskau.

"Kings of War" in der Regie von Ivo van Hove vereint Shakespeares Königsdramen "Henry V.", "Henry VI." und "Richard III." zu einem Werk über Machtergreifung und Machtausübung.

Palmetshofer

Außerdem auf dem Spielplan: "The Apple Family Plays" von Richard Nelson, der eine US-Familie als Zeitzeugen der jüngeren Geschichte agieren lässt, Handkes "Die Stunde da wir nichts voneinander wußten", Kettly Noels Performance "Ich bin keine Schwarze", eine Dramatisierung des Romans "Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk" durch Dusan David Parizek und "NOISE" von Sebastian Nübling am neuen Spielort F23, einer ehemaligen Sargfabrik in der Breitenfurter Straße.

Ewald Palmetshofer trifft auf Christopher Marlowe – und damit das elisabethanische Theater auf den musikalischen, radikal geformten Sprachkosmos des Österreichers – bei "Edward II. Die Liebe bin ich". Regie führt Nora Schlocker.

Die Argentinier Diego Bianchi und Luis Garay erarbeiten mit 46 WienerInnen die theatrale Installation "Under de si". Milo Rau bringt seine Performance "The Civil Wars", Simon Stone inszeniert im Akademietheater Ibsens "John Gabriel Borkman" u. a. mit Birgit Minichmayr, Caroline Peters, Martin Wuttke und Roland Koch.

"Into the City" widmet sich unter dem Titel "Hotel Métropole. Der Erinnerung eine Zukunft geben" jener Adresse am Morzinplatz, wo einst Mark Twain logierte und später während des Nazi-Regimes die Gestapo verhört, gefoltert und gemordet hat.

Das Künstlerhaus ist nicht nur das Herz des Festivals "zum Nachdenken und Weiterkommunizieren", so Hinterhäuser, sondern auch Veranstaltungsort. Schriftliche Kartenbestellungen sind ab sofort möglich, der Online-Verkauf startet am 11.3.

Auch wenn es keine offizielle Spartentrennung mehr gibt, setzt Hinterhäuser musikalisch starke Akzente. So wird Altmeister Achim Freyer im MuseumsQuartier Salvatore Sciarrinos "Luci mie traditrici/Die tödliche Blume" in eigener Ausstattung inszenieren. Emilio Pomàrico leitet das Klangforum Wien.

"Man kämpft mit den Tränen" sagt Hinterhäuser über Lydia Steiers Adaption von Händels Oratorium "Jephta", das aus Potsdam ins MuseumsQuartier kommt. Konrad Junghänel dirigiert die Kammerakademie Potsdam. Hinterhäuser über Steier: "Von dieser Regisseurin wird man in den kommenden Jahren noch sehr viel hören."

Mit "Ohne Titel Nr. 1 – Eine Oper von Herbert Fritsch" feiert der gleichnamige, gefeierte Opern-Comic von Fritsch im Burgtheater seine Österreich-Premiere.

Eine kleine Sensation ist Hinterhäuser bei Bartóks "Herzog Blaubarts Burg" gelungen. Erstmals wird Andrea Breth im Theater an der Wien Oper inszenieren. Gekoppelt wird "Blaubart" mit Schumanns "Geistervisionen", dem letzten Klavierstück des Komponisten. Kent Nagano dirigiert das Gustav Mahler Jugendorchester.

Im Musikverein gibt es eine Hommage an den polnischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg, an welcher der Geiger Gidon Kremer federführend beteiligt ist. Das Musikfest selbst findet 2015 im Konzerthaus statt. Eröffnet wird es von den Wiener Philharmonikern (Dirigent: Daniel Harding) mit einer Uraufführung von Olga Neuwirth.

"Es ist ein sehr umfangreiches Programm", sagte Hinterhäuser. "Wir haben das System fortgesetzt, dass wir keine Trennung haben. Wir sehen dieses Programm als gemeinschaftliches, genreübergreifendes Unternehmen - gemeinschaftlich auch im Sinne des gemeinschaftlichen Entstehens."

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Markus Hinterhäuser zeigte sich bei seiner zweiten Programm-Vorstellung "ein bisschen wehmütig, wenn ich weiß, dass es nur noch ein einziges Mal sein wird". Hinterhäuser wird nach den Festwochen 2016 die Intendanz der Salzburger Festspiele übernehmen und die Festwochen-Leitung anTomas Zierhofer-Kinübergeben. "Wir haben im letzten Jahr sehr schöne Festwochen gehabt", blickte der Intendant kurz zurück und räumte "eine kleine Turbulenz" ein, ohne den vorzeitigen Abschied der Schauspiel-Chefin Frie Leysen beim Namen zu nennen. "Ich freue mich, dass Stefan Schmidtke nicht nur eingesprungen ist, sondern es von ganzem Herzen übernommen hat, es ist eine schöne Zusammenarbeit die gar nichts vermissen lässt", so Hinterhäuser.

Budgetverknappung durch Kraftwerk

Das Budget bezifferte Geschäftsführer Wolfgang Wais mit 13,5 Mio. Euro, 11 Mio. davon kommen von der Stadt Wien, ein kleiner Betrag auch vom Bund. Dass 2015 um eine Million weniger zur Verfügung steht, begründete Wais mit dem "Ausschlag nach oben", den heuer die große Kraftwerk-Konzertreihe bedeutet habe. Dass der Rathausplatz Song Contest-bedingt 2015 nicht für die Eröffnung zur Verfügung stünde, sei zwar bedauerlich, doch seien die Gespräche mit den Wiener Philharmonikern außerordentlich freundschaftlich verlaufen. Dennoch möchte man 2016 wieder auf dem Rathausplatz eröffnen.

(APA)

Premiere

Spielort

Produktion

Genre

14. Mai

Schönbrunn

Eröffnung / Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker

Konzert

16. Mai

Halle E

Salvatore Sciarrino: "Die tödliche Blume"

Oper

16. Mai

Künstlerhaus

Mats Staub: "21 - Erinnerungen ans Erwachsenwerden"

Installation

16. Mai

Künstlerhaus

Bart Baele und Yves Degryse: "Perhaps all the dragons. Horror Vacui [#3]"

Installatives Spiel

19. Mai

Halle G

Richard Nelson: "The Apple Family Plays"

Schauspiel

20. Mai

Volkstheater

Nikolai Gogol: "Tote Seelen"

Schauspiel

21. Mai

Theater an der Wien

Peter Handke: "Die Stunde da wir nichts voneinander wußten"

Schauspiel

23. Mai

Künstlerhaus

Diego Bianchi / Luis Garay: "Under de si"

Theatrale Installation

24. Mai

Halle E

Georg Friedrich Händel: "Jephtha"

Szenisches Oratorium

24. Mai

Theater Akzent

Rogelio Orizondo: "Helden wie Antigone"

Schauspiel

26. Mai

Schauspielhaus

Christopher Marlowe / Ewald Palmetshofer: "Edward II. Die Liebe bin ich"

Schauspiel

27. Mai

Theater an der Wien

Romeo Castellucci: "Go down, Moses"

Schauspiel

27. Mai

Halle G

Cia. Hiato: "Der Garten"

Schauspiel

27. Mai

Künstlerhaus

"U/Tropia. Schauraum und Liegekino"

Kurzfilme

28. Mai

Morzinplatz u.a.

"Into the City: Hotel Metropole. Der Erinnerung eine Zukunft geben"

Ausstellung, Performance etc.

28. Mai

Akademietheater

Henrik Ibsen: "John Gabriel Borkman"

Schauspiel

28. Mai

Halle E

Jewgeni Grischkowez: "Abschied vom Papier"

Schauspiel

29. Mai

F23

Fjodor Dostojewski: "Die Brüder Karamasow"

Schauspiel

30. Mai

Theater Akzent

Anton Tschechow: "Die Möwe"

Schauspiel

31. Mai

Künstlerhaus

La Re-sentida: "Phantasie für morgen"

Schauspiel

3. Juni

Halle G

Lara Foot: "Fishers of Hope. Taweret"

Schauspiel

3. Juni

F23

Brent Meistre: "Analogue Eye. Drive-in Theatre"

Kurzfilme

4. Juni

Schauspielhaus

Evan Webber nach Sophokles: "Ajax & Little Iliad"

Schauspiel

5. Juni

Künstlerhaus

Kettly Noel: "Ich bin keine Schwarze"

Performance

5. Juni

Halle E

William Shakespeare: "Kings of War"

Schauspiel

6. Juni

Künstlerhaus

Pieter Ampe / Benjamin Verdonck: "We don't speak to be understood"

Performance

8. Juni

Mariahilfer Straße

Back to Back Theatre: "small metal objects"

Schauspiel

11.Juni

Künstlerhaus

Wessel Pretorius: "Ont- / undone"

Performance

11.Juni

Halle G

Jaroslav Hasek: "Der Fall Svejk"

Schauspiel

12.Juni

Halle E

Joel Pommerat: "Die Wiedervereinigung der beiden Koreas"

Schauspiel

13.Juni

Musikverein

"Hommage an Mieczysław Weinberg"

Konzerte/Film/Gespräch

13.Juni

Künstlerhaus

Milo Rau: "The Civil Wars"

Performance

16.Juni

Burgtheater

"Ohne Titel Nr. 1 - Eine Oper von Herbert Fritsch"

Opern-Comic

17.Juni

F23

Sebastian Nübling: "NOISE"

Schauspiel

18.Juni

Künstlerhaus

Dorothee Munyaneza: "Samedi détente"

Performance

18.Juni

Halle G

Jan Martens: "The Common People. A Composition of First Encounters"

Tanz/Workshop

19.Juni

Theater an der Wien

Bela Bartok: "Herzog Blaubarts Burg"/ Robert Schumann: "Geistervariationen"

Oper