Kultur

Wenn Größenwahnsinn trügerisch daherkommt

Der Aphorismus von Kurt Tucholsky drängt sich auf, wenn der amerikanische Filmstar John Malkovich ("Gefährliche Liebschaften", "Being John Malkovich") im Konzerthaus den fiktiven und größenwahnsinnigen Diktator Satur Diman Cha in "Just Call Me God" spielt.

Und zu erkennen ist: Der Spezialist für exzentrische Männerfiguren hat das banale Böse und die Monster der jüngeren Geschichte alle studiert: Stalin, Idi Amin, Mobutu, Gaddafi, Saddam Hussein ...

Nach dem Frauenmörder Jack Unterweger in "The Infernal Comedy – Confessions Of A Serial Killer" (2010) und dem Verführer Casanova in "Giacomo Variations" (2011) gibt Malkovich also zum dritten Mal den ebenso abgründigen wie hemmungslosen Egomanen, diesmal ausgestattet mit Fantasieakzent und Fantasieuniform.

Allen drei Figuren gemeinsam ist, dass sie sich gern reden hören. Und eine Überdosis Eitelkeit.

"Just Call Me God" ist im Vergleich nicht zuletzt durch zwei Video-Walls mit Live-Übertragungen via Kamera allerdings sehr viel filmischer und näher an Reality-TV als an der Theaterbühne.

Anmaßend und brutal

Aber schließlich ist die Kamera auch eine mächtige Waffe in der Hand der Mächtigen unserer Zeit. Ein unverzichtbarer Bestandteil der Selbstinszenierung.

Und im Stück mit dem Untertitel "A Dictator’s Final Speech" (Letzte Rede eines Diktators) in der Regie von Michael Sturminger dreht sich alles um Macht und Machtmissbrauch, um letzte Wahrheiten und "Fake News", um Gewaltherrschaft und Manipulierbarkeit.

Satur Diman Chas Untergang ist eigentlich schon absehbar, da schießt er noch einmal – zunächst verkleidet als Putzfrau – wild um sich, zuerst mit dem Gewehr und dann mit Worten.

Im nervenkitzelig vorgeführten Machtspiel zwischen dem tyrannischen Despoten und einer überlebenden Journalistin (Sophie von Kessel) erlebt sie einen "Albtraum", einen "verdammten Horrorzirkus", während er alle Journalisten als Killer und Lügner beschimpft und sich zynisch fragt: Wie viele Likes könnte ihm wohl ein Live-Video von der Hinrichtung der Journalistin vor der Kamera bringen?

Martin Haselböck muss als Hofmusiker des Diktators, an den Stuhl vor der großen Orgel gefesselt, so aufspielen, wie es der Tyrann befiehlt, von Bach bis Procul Harum und Improvisationen, die von der Live-Elektronik ins Loop übernommen werden, abwechselnd fröhlich, feierlich, ernst ...

Aber all das ist letztlich nur Beiwerk für die Performance eines Charismatikers, eines Schauspielers mit phänomenaler Bühnenpräsenz: Malkovich, der wie kaum ein anderer eine seltene Mischung aus trügerischer Sanftheit und bedrohlicher Intensität ausstrahlt.