Kultur

Oscars für Waltz und Haneke

Die 85. Oscar-Verleihung in Los Angeles startete aus österreichischer Sicht mit einem Knalleffekt: Der erste Preis des Abends in der Kategorie "Bester Nebendarsteller" ging an Christoph Waltz. Und wenig später zog Regisseur Michael Haneke mit seinem ersten Academy Award nach: Sein Film "Amour" gewann in der Kategorie "Bester fremdprachiger Film". KURIER.at begleitete die Oscar-Nacht im Live-Ticker:

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Jack Nicholson betritt die Bühne zur Präsentation des letzten Oscars an diesem Abend - in der Königskategorie "Bester Film". Aber nur, um eine Liveschaltung zur "First Lady" Michelle Obama anzukündigen. Diese hält eine Art Rede an die Nation - und übergibt dann wieder an den Hollywood-Haudegen Nicholson. Nach der Vorstellung der neun Nominees wird wieder zu Frau Obama zurückgeschaltet. Diese verkündet schließlich den OSCAR für "Argo"! Damit hat Ben Affleck, der in der Kategorie "Beste Regie" komplett übergangen wurde, nun doch noch seinen Triumph. Auf der Bühne, auf der auch Ko-Produzent George Clooney stand, bedankte er sich auch bei seiner Frau Jennifer Garner ("Beziehung ist ständige Arbeit - und mit dir arbeite ich am liebsten!"). Affleck vergaß aber nicht, auf die Menschenrechtslage im Iran, dem Schauplatz seines Films, hinzuweisen.

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Es bleibt damit bei einem Oscar für Michael Hanekes Film "Amour".

Die weiteren Nominierten:

Amour: Margaret Menegoz, Stefan Arndt, Veit Heiduschka und Michael Katz, Produzenten

Beasts of the southern Wild: Dan Janvey, Josh Penn und Michael Gottwald, Producers

Django Unchained: Stacey Sher, Reginald Hudlin und Pilar Savone, Produzenten

Les Misérables: Tim Bevan, Eric Fellner, Debra Hayward und Cameron Mackintosh, Produzenten

Life of Pi: Gil Netter, Ang Lee und David Womark, Produzenten

Lincoln: Steven Spielberg und Kathleen Kennedy, Produzenten

Silver Linings Playbook: Donna Gigliotti, Bruce Cohen und Jonathan Gordon, Produzenten

Zero Dark Thirty: Mark Boal, Kathryn Bigelow und Megan Ellison, Produzenten

Es folgt die vorletzte Kategorie "Bester Hauptdarsteller": And the Oscar goes to ... Daniel Day-Lewis in "Lincoln"!

Der britische Schauspieler darf die dritte Oscar-Rede in seiner Karriere halten. Damit hat er mit Meryl Streep gleichgezogen, die ihm die Statuette überreicht hat. Endlich gibt es eine humorvolle Dankesrede: Eigentlich wäre er, der "Mr. Method Acting", für die Rolle von Margaret Thatcher vorgesehen gewesen, und Meryl Streep wiederum hätte Abraham Lincoln spielen sollen. Und Spielberg habe "Lincoln" als Musical geplant, scherzte der Schauspieler weiter. Das hätten wir auch gerne gesehen! Am Ende wurde Day-Lewis aber doch noch emotional und dankte seiner Mutter.

Nominiert waren:Bradley Cooper in Silver Linings PlaybookHugh Jackman in Les MisérablesJoaquin Phoenix in The MasterDenzel Washington in Flight

Nun geht's ins Finale: Es folgen die drei Königskategorien: Beste Hauptdarsteller (männlich/weiblich) und Bester Film!

Jennifer Lawrence ("Silver Linings Playbook") ist "Beste Hauptdarstellerin"!

Nominiert waren weiters:Jessica Chastain in "Zero Dark Thirty"Emmanuelle Riva (86) in "Amour" (älteste Nominierte aller Zeiten) Quvenzhané Wallis (9) in "Beasts oft the southern Wild" (jüngste Nominierte aller Zeiten) Naomi Watts in The Impossible

Ang Lee ist "Bester Regisseur" - für "Life of Pi"!

Dieser Oscar für Österreich wäre tatsächlich eine Sensation gewesen: Michael Haneke war für "Amour" nominiert. Der Favorit Steven Spielberg ("Lincoln") ging allerdings ebenso leer aus wie Benh Zeitlin ("Beasts of the southern Wild") und David O. Russell ("Silver Linings Playbook").

Quentin Tarantino bekommt den zweiten Oscar seiner Karriere - für das Originaldrehbuch zu seinem Sklavenwestern "Django Unchained". 1994 war Tarantino für "Pulp Fiction" in ebendieser Kategorie ausgezeichnet worden. Damit wird es vorerst nichts mit dem zweiten Oscar für Michael Haneke. Weiters nominiert: John Gatins für "Flight", Wes Anderson & Roman Coppola für "Moonrise Kingdom", Mark Boal für "Zero Dark Thirty".

Der Oscar für "Bestes adaptiertes Drehbuch" geht an Chris Terrio für "Argo".

Die wichtigsten Musik-Kategorien wurden vergeben:

Der Oscar für "Beste Filmmusik" geht an "Life of Pi", jener für den "Besten Filmsong" an Adele für "Skyfall". Damit wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Academy Awards ein Bond-Titelsong ausgezeichnet.

Traditionell wird in einem Zusammenschnitt auch den Toten des Filmbusiness gedacht - unter anderem Schauspieler Michael Clarke Duncan ("Green Mile"), "Beastie Boys"-Rapper Adam Yauch, Regisseur Tony Scott ("Top Gun"), Regisseurin und Drehbuchautorin Nora Ephron ("Schlaflos in Seattle"), Produzent Richard D. Zanuck ("Der weiße Hai") . . .

Barbra Streisand drückt in ihrem anschließenden Auftritt gesanglich ziemlich auf die Tränendrüse.

Weitere Oscar-Entscheidungen sind gefallen:

William Goldenberg bekommt für „Argo“ den Oscar in der Kategorie „Bester Schnitt“. In der Kategorie „Sound Editing“ wurden zwei Oscars vergeben - offenbar gab es einen Gleichstand bei den Stimmen der Academy! An Kathryn Bigelows "Zero Dark Thirty“ („I love you, Karen“) und an Sam Raimis Bondfilm "Skyfall" („This is so cool“). Dies ist übrigens erst der dritte Oscar für einen Bond-Film in der Geschichte der Academy Awards.

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Anne Hathaway gewinnt ihren ersten Academy Award - in der Kategorie "Beste Nebendarstellerin". Es ist der dritte Oscar für "Les Misérables" - nach den Auszeichnungen für „Sound Mixing“ und "Make Up". Die Musicalverfilmung führt damit zurzeit die Liste der meistausgezeichneten Filme der Gala an.

Mit Hathaway hat sich die klare Favoritin durchgesetzt. Mit ihrer Darstellung der Fantine im Musical "Les Misérables" (Regie: Tom Hooper) hat sich die 30-Jährige gegen Sally Field ("Lincoln"), Helen Hunt ("The Sessions"), Jacki Weaver ("Silver Linings") und Amy Adams ("The Master") durchgesetzt. "Er wurde wahr", so die ersten Worte einer überwältigten Hathaway auf der Bühne mit sehnsüchtigem Blick auf die Oscar-Statuette. Bei ihrer Dankesrede kämpfte die US-Schauspielerin nur kurz mit Tränen, ehe sie souverän und charmant dem Ensemble, Freunden, Familie und ihrem frisch gebackenen Ehemann dankte. Es war die zweite Oscar-Nominierung in Hathaways Karriere.

Michael Haneke ist ja nicht gerade für den intensiven Einsatz von Filmmusik bekannt. Dafür muss der frischgebackene Oscar-Gewinner nun ein Medley aus "Les Misérables", gesungen von den Schauspielern Hugh Jackman und Anne Hathaway, über sich ergehen lassen. Zuvor hatte eine stimmlich besser positionierte Catherine Zeta-Jones live mit einer "All that Jazz"-Interpretation aus "Chicago" bezirzt, der Jennifer Hudson mit einer reduzierten Version der "Dreamgirls" folgte.

Der Showbereich gestaltete sich überhaupt sehr musiklastig. Zunächst trat zum 50. Geburtstag der James-Bond-Reihe die legendäre Shirley Bassey mit ihrem Klassiker "Goldfinger" auf die Bühne - ist doch der aktuelle Bond-Streifen "Skyfall" heuer gleich fünffach nominiert. Später präsentierte die unnachahmliche Adele ihren nominierten Song "Skyfall" live.

OSCAR FÜR "AMOUR"! Michael Haneke konnte gleich seine erste von fünf Oscar-Chancen nützen - in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film". Überreicht wurde Michael Haneke (70) sein erster Oscar von zwei glamourösen Hollywood-Stars, Jessica Chastain und Jennifer Garner. Seine Aufmerksamkeit auf der Bühne galt jedoch nur seiner Ehefrau im Saal des Dolby Theatre. Nach dem obligatorischen Dank an Vertrieb, Produzenten und Crew dankte er "meiner Frau, die auch Teil der Crew war". "Sie unterstützt mich seit 30 Jahren", so Haneke, "du bist das Zentrum meines Lebens." Wie immer bei den zahlreichen Ehrungen für seinen Film, bedankte er sich auch bei seinen beiden Hauptdarstellern, Jean-Louis Trintignant (Bild) und die ebenfalls an diesem Abend nominierte Emmanuelle Riva, "denn ohne sie würde ich nicht hier stehen".

Der Oscar für "Besten Dokumentarfilm" geht an die mitreißende Musikdoku "Searching for Sugar Man" über den lange unerschätzten Singer/Songwriter Sixto Rodriguez. Die Dankesrede von Regisseur Malik Bendjelloul und Simon Chinn wird wie manch andere Rede an diesem Abend von einer der Filmmusik von "Der weiße Hai" ähnlichen Melodie abgekürzt.

Bester Kurzfilm: "Curfew" von Shawn Christensen. Der Regisseur sagt "Danke, dass die Academy Kurzfilme unterstützt.“

Bester Dokumentarkurzfilm: "Inocente" von Sean Fine and Andrea Nix Fine

Erster Oscar für die Musical-Verfilmung "Les Misérables": Lisa Westcott und Julie Dartnell gewannen in der Kategorie Make-Up und Hairstyling.

Der Oscar für das beste Kostümdesign geht an Jacqueline Durran für "Anna Karenina"

Die Freude in der Österreichischen Residenz in Los Angeles kannte gleich zum Auftakt der 85. Oscar-Gala keine Grenzen. Mit dem zweiten Oscar für Christoph Waltz, der immerhin Kaliber wie Robert DeNiro, Philip Seymour Hoffman und Tommy Lee Jones ausgestochen hat, brandete im Haus der Generalkonsulin Karin Proidl lauter Jubel auf. Die Dutzenden Gäste, darunter Kulturministerin Claudia Schmied und Filminstituts-Direktor Roland Teichmann, blickten nun erwartungsfroh den fünf Kategorien entgegen, in denen Michael Haneke und sein Film "Amour" noch Preischancen haben.

Die Oscar-Viewing-Party wurde in der Residenz bei österreichischem Wein und Buffet begangen, für das der Oberösterreicher Bernhard Mairinger verantwortlich zeichnete. Nach der Show sollen auch Haneke und sein Team zum Fest stoßen.

Mittlerweile wurden weitere Kategorien entschieden:

Kamera: Claudio Miranda für die Kameraarbeit in "Life of Pi". Es ist der zweite Oscar für Ang Lees 3-D-Drama über einen "Schiffbruch mit Tiger".

Bester animierter Kurzfilm: "Paperman" von John Kahrs

Visual Effects: "Life Of Pi"

Animated Feature Film: "Brave" von Marc Andrews

Der Oscar für den Besten Nebendarsteller geht an CHRISTOPH WALTZ! Der Österreicher gewinnt seinen zweiten Oscar - für seine Rolle in "Django Unchained". Es war die erste Kategorie, die in der 85. Oscar-Nacht entschieden wurde.

Für den 56-Jährigen ist es nach seinem Nebenrollen-Oscar für "Inglourious Basterds" 2010 bereits der zweite Oscar für seine Mitwirkung in einem Film von Quentin Tarantino. In seiner Dankesrede zollte Waltz seinen Mit-Nominierten Alan Arkin, Philip Seymour Hoffman, Tommy Lee Jones und Robert De Niro Respekt. "Grenzenlosen Dank" sprach er hingegen seiner Rolle Dr. King Schultz und damit "dem Erschaffer dieser inspirierenden Welt" aus: Quentin Tarantino. "Wir haben an einer Heldenreise teilgenommen, und dieser Held war Quentin", so Waltz in Richtung seines Regisseurs, auf die Wagner-Referenz in "Django Unchained" Bezug nehmend. "Du hast den Berg erklommen, weil du keine Angst vor ihm hast, du hast den Drachen bezwungen, weil du keine Angst vor ihm hast. Und du hast den Feuerkreis durchschritten, weil du es wert warst."

Seth MacFarlane. der heuer das erste Mal durch die Preisverleihung im Dolby Theatre führt, begrüßte zunächst die Nominierten der wichtigsten Filme, als er vom hereinschwebenden Raumschiff-Enterprise-Captain James Kirk alias William Shatner unterbrochen wurde, der ihn mit der Schlagzeile von morgen konfrontierte "Der schlechteste Oscar-Moderator aller Zeiten". Das bot dem Neuling die Gelegenheit, verschiedene Moderationsvarianten durchzutesten - vom Tanz mit Joseph Gordon-Levitt und Daniel Radcliffe bis zum Nachspielen des Denzel-Washington-Katastrophenfilms "The Flight" mit Socken. Die prognostizierten Schlagzeilen besserten sich jedoch nur langsam.

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Die 85. Oscar-Gala hat pünktlich um 2:20 Uhr begonnen! Moderator Seth MacFarlane hält seinen Eröffnungs-Monolog: "Es ist auch ein großer Abend für ausländische Filme. 'Amour" ist nominiert." Der Comedian und Schauspieler unterhält sich mit William Shatner, der auf der Leinwand als Captain Kirk eingespielt wird.

Für manch entsetztes Gesicht im Publikum sorgt MacFarlane mit dem frechen Revue-Song "We saw your boobs" (Wir haben eure Brüste gesehen). Da zählt er in satirischer Absicht Hollywood-Diven von Naomi Watts bis Meryl Streep auf, deren Brüste man aus Filmen kenne.

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Christoph Waltz, als bester Nebendarsteller für "Django Unchained" nominiert, zeigte sich am roten Teppich gewohnt gelassen. "Es ist schon anders, es ist ja das zweite Mal und die Aufregung verändert sich", so Waltz, der den Trubel bereits bei der Oscar-Verleihung 2010 durchgemacht hat, gegenüber dem deutschen TV-Sender ProSieben.

"Es ist nicht unbekannt, aber das heißt nicht, dass es weniger aufregend ist." Ähnlich unbeeindruckt zeigte er sich von der Ehre, kürzlich als erster deutschsprachiger Künstler bei der US-Kultsendung "Saturday Night Live" aufgetreten zu sein. "Ich habe nur den Moderator gespielt", meinte Waltz, "das mache ich, um davon zu leben."

Waltz tritt gegen Alan Arkin ("Argo"), Robert de Niro ("Silver Linings"), Philip Seymour Hoffman ("The Master") und Tommy Lee Jones ("Lincoln") an. Alle fünf Nominierten inklusive Waltz haben im Laufe ihrer Karriere bereits einen Oscar gewonnen.

Michael Haneke gibt sich am roten Teppich im Interview mit Hannelore Veit vom ORF überaus cool: "Es ist für die Zuschauerzahlen der wichtigste Preis. Die Palme von Cannes kennen nur die Cinephilen und den Oscar kennt halt jeder Bauer in Afghanistan."

Soeben ist Emmanuelle Riva eingetroffen. Die Hauptdarstellerin in Michael Hanekes "Amour" ist in der Kategorie "Beste Darstellerin" nominiert. Die Französin feiert heute ihren 86. Geburtstag und könnte die älteste Oscar-Preisträgerin der Geschichte werden. Sie würdigt Hanekes Sterbe-Drama als "Gesamtkunstwerk" und meint zu den Oscar-Chancen bescheiden: "Es machen sich alle anderen schon genug Gedanken darüber, da muss ich das nicht auch noch tun".

Bei den Wettanbietern lagen Jennifer Lawrence für ihre Rolle in "Silver Linings" und Jessica Chastain für ihre Rolle in "Zero Dark Thirty" klar voran. Doch Rivas Darbietung in "Amour" wird auf jeden Fall unvergesslich bleiben.

Jennifer Lawrence ("Silver Linings") kann noch immer nicht glauben, dass sie als Beste Darstellerin nominiert ist. Sie hat keine Dankesrede vorbereitet, sagt sie am roten Teppich.

Herzlich willkommen zum Oscar-Liveticker auf KURIER.at! In ungefähr einer Stunde wird es ernst für Michael Haneke und Christoph Waltz. Auf dem Red Carpet vor dem Dolby Theatre in Los Angeles werden derzeit bei bestem Wetter die ersten Interviews mit den Stargästen geführt. Soeben sind Stars wie Charlize Theron, Helen Hunt, Dustin Hoffman, Chris Tucker, Michael Douglas und Catherine Zeta-Jones eingetroffen.

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Auf dem Red Carpet vor dem Dolby Theatre tummeln sich bereits die ersten Stars. Der KURIER steigt um 1:00 Uhr mit dem Live-Ticker ein.

Die Nominierungen in den wichtigsten Kategorien