Kultur

John Rebus ist nicht mehr grantig

Es wird jetzt niemanden überraschen, dass der Schotte Ian Rankin, 56 ist er, nicht ans Ungeheuer von Loch Ness glaubt.

Mit folgendem Nachsatz sorgt er bei Interviews regelmäßig für ein Lächeln seiner Gesprächspartner:

"... aber ich glaube an das Recht der Menschen, an dieses Ungeheuer zu glauben."

Rankin – einst Schweinehirt, jetzt einer der erfolgreichsten Krimiautoren Europas und Multimillionär – findet es folglich auch in Ordnung, dass Leute in die Oxford Bar in der Edinburgher Young Street kommen, weil sie dort John Rebus suchen.

Die Romanfigur, einst Elefant im Porzellankasten der Polizei, hat hier oft gesoffen – Single Malt– , weil der Inspector "das alles" nicht mehr aushielt. (Ian Rankin hingegen sitzt immer seltener in der Oxford Bar, seit ihm amerikanische Touristen beim Sightseeing aus dem Bus zugewunken haben.)

John Rebus ist bereits zum zweiten Mal in Pension geschickt worden. Das heißt: Sein Autor wollte ihn loswerden. Der mürrische Rebus mit seinem Schwarz-Weiß-Denken nervt ihn.

Allerdings wollten die Leser den lieben, korrekten Nachfolge-Helden Malcolm Fox nicht so gern. Der ließ in seinem ersten Krimi einen Radiosender eingeschaltet, der Tag und Nacht Vogelgezwitscher spielt.

Nein, danke, so etwas Liebes hält man auf Dauer auch nicht aus.

Wie Sherlock

Jetzt ist der 20. Roman mit John Rebus in der Hauptrolle erschienen, Jubiläum!, und erneut wird er von den Ex-Kollegen reaktiviert: Ein alter Gauner, der bedroht wird, will nur mit ihm reden – deshalb soll Rebus eine "beratende Funktion" übernehmen.

"Wie Sherlock Holmes? Stelle ich meine Dienste in Rechnung? Und bekomme ich eine Haushälterin?"

"Das Gesetz des Sterbens" (Titel) ist – wieder – ein Roman über die Sprachlosigkeit zwischen Vater und Sohn und – wieder – eine Betrachtung, wo die Rücksichtsloseren sind, die Gerisseneren: in der Ober- oder in der Unterwelt.

Es geht um 30 Jahre zurückliegende Kindesmissbrauchsfälle in einer schottischen Besserungsanstalt und um involvierte "hohe" Persönlichkeiten.

Man darf annehmen:

Der Skandal um Fernsehstar Jimmy Savile (2011), der in Verbindung mit seiner BBC-Tätigkeit Dutzende Kinder missbraucht hatte, war ausschlaggebend für Ian Rankins aktuelles Thema.

Sein John Rebus hat übrigens jetzt einen Hund, ein Terrier ist ihm zugelaufen, und ... er ist plötzlich nicht mehr so mürrisch.

Das könnte nun aber wirklich das Ende der seit 1987 laufenden Serie bedeuten. Ein Rebus, der nicht mehr allen mit dem Allerwertesten ins Gesicht fährt, der hat an Bedeutung verloren.


Ian Rankin:
„Das Gesetz des Sterbens“
Übersetzt von Conny Lötsch.
Manhattan
Verlag.
480 Seiten.
20,60 Euro.