Kultur

USA: Premiere von "Django Unchained" abgesagt

Nach dem Amoklauf in den USA, bei dem Schulkinder erschossen wurden, wurde nicht ganz überraschend die Frage nach der Darstellung von Gewalt im Film diskutiert. Tarantino meinte, er wolle sich nicht jedesmal verteidigen müssen, wenn es zu einem Amoklauf komme. Dafür seien die Täter verantwortlich, nicht das Kino. Die Premiere des Films wurde nach dem Schulmassaker in Newtown aber trotzdem abgesagt. Statt dem feierlichen Gala-Abend wird man eine Erstvorführung im kleinen Kreis feiern, meldete die Los Angeles Times am Dienstag.

In Newtown nördlich von New York hatte ein 20-Jähriger am Freitag zuerst seine Mutter und dann in einer Schule sechs Erwachsene und 20 kleine Kinder getötet, bevor er sich selbst erschoss. "Unsere Gedanken und unsere Gebete sind bei den Familien der Opfer und in dieser Zeit der nationalen Trauer haben wir entschieden, auf die geplante Veranstaltung zu verzichten", erklärte ein Sprecher der Produktionsgesellschaft.

In dem Western geht es um einen Ex-Sklaven, der sich gemeinsam mit einem Deutschen an Sklavenhaltern rächt. Wie in Tarantinos Filmen üblich, werden die Konflikte nicht bloß durch Worte gelöst. (apa)

Süffisant und witzig: Waltz in "Django Unchained"

Diesmal ist Christoph Waltz eindeutig der Gute. Nachdem er in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ seine Weltkarriere als Nazi begann, darf er nun Gewissen zeigen: In Tarantinos neuem, recht durchwachsenen Western „Django Unchained“ (Kinostart: 18. Jänner) spielt der Wiener Schauspieler einen deutschen Ex-Zahnarzt mit moralischem Anstand. Und erhielt für seine zweite Zusammenarbeit mit Tarantino prompt wieder eine Golden-Globe-Nominierung. Insgesamt fünf Nominierungen konnte „Django Unchained“ für den Golden Globe einheimsen – darunter für Bestes Filmdrama, Beste Regie, und zwei Nominierungen für Waltz und Leonardo DiCaprio als beste Nebendarsteller. Der Grund für diesen Nominierungsrausch ist aber nicht ganz nachvollziehbar. Besonders ab der zweiten Hälfte der141 Minuten wird die Western-Handlung zunehmend sadistisch, will aber weiterhin cool und komisch bleiben.

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Christoph Waltz in seiner Rolle als Dr. King Schultz ist aber in jedem Fall unübertroffen süffisant und witzig. Als kultivierter Deutscher verdient er sein Geld als Kopfgeldjäger und seift alle Gegner mit geschliffenen Worten ein, eher er jedem einzelnen genussreich das Gehirn wegbläst. Dabei lässt er gerne ein paar deutsche Worte fallen und verabschiedet sich mit einem höflichen „Auf Wiedersehen“. Sogar sein Pferd heißt Fritz.

Spielfreude

Gerade der erste, durchwegs unterhaltsamere Teil lebt vor allem von Waltz’ großer Spielfreude. Gleich zu Beginn kauft er einen Sklaven namens Django – gespielt von Jamie Foxx – frei und macht ihn zu seinem Kumpanen. Gemeinsam töten sie für Geld weiße Männer. Als hingebungsvolle Hommage an den Spaghetti-Western à la Sergio Leone, ließ sich Tarantino besonders von Sergio Corbuccis Western „Django“ von 1966 inspirieren. Schon das Corbucci-Original galt als besonders blutrünstig, und Tarantino ist bekanntlich auch nicht zimperlich. Während bei Corbucci noch Franco Nero schweigsam einen Sarg schleppt, nimmt Jamie Foxx als Django Rache am weißen, rassistischen Mann.

   

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