Kolumnen

Wenn blaues Blut in Wallung gerät

Auslöser für den Konflikt war ein privater Brief von Meghan an ihren Vater, der in der Mail on Sunday in Auszügen veröffentlicht wurde. Allerdings hat Meghans Vater das Schreiben selbst an die Presse weitergegeben. In einem offenen Brief warf daraufhin Prinz Harry dem brutalen britischen Boulevard vor, seine Frau ebenso zu verfolgen wie einst seine Mutter Diana, die ja 1997 auf der Flucht vor den Paparazzi bei einem Autounfall in Paris ums Leben gekommen war: "Meine größte Angst ist, dass sich die Geschichte wiederholt."

Geklagt wurden auch der Daily Mirror sowie der Verlag der Sun – wegen illegalen Abfangens von Voicemails. Offenbar gängige Praxis – im vergangenen Dezember bekam Dianas letzte Butler, Paul Burrell, wegen eines ähnlichen Delikts eine Entschädigung zugesprochen. Der Mirror hatte von 1995 bis 2008 die Mailbox angezapft, also bereits während der Scheidung Dianas vom heutigen König Charles III. Di war damals gegen die Journaille vorgegangen, weil man ungenehmigte Fotos von ihr im Fitnessstudio abgedruckt hatte.

Herzogin Catherine und Prinz William verklagten das Wochenblatt Closer, das Oben-Ohne-Fotos von Kate gebracht hatte. Selbst der Queen (gest. 2022) wurde es manchmal zu viel. 1988 klagte sie The Sun, in der ein entwendetes Familienfoto aufgetaucht war und 1993, weil ihre TV-Weihnachtsansprache bereits Tage zuvor veröffentlicht worden war. 2003 schaltete Elizabeth II. ihre Anwälte ein, um die Enthüllungen von Ryan Parry zu stoppen. Der Mirror-Mann hatte sich mit gefälschten Butler-Referenzen in den Palast geschwindelt und ihr sogar das Frühstück serviert.

Auch der damalige Thronfolger Charles bemühte den Kadi. Er wollte nicht, dass seine Ex-Haushälterin Wendy Berry Intimes veröffentlicht und bewirkte eine einstweilige Verfügung. Da er laut Urteil aus all den Erlösen des "Housekeeper’s Diary: Charles & Diana Before the Breakup" beteiligt wurde, hielt sich der Schaden aber in Grenzen.