Kolumnen

Von wegen in Schönheit sterben

In der Volksschule hatte ich eine Freundin, die Mäuse hatte. Nicht im Keller. Im Kinderzimmer. Manchmal im Käfig, oft freilaufend. Sie rannten übers Bett, den Schreibtisch, hinter die Kästen.

Meinen Opa hat fast der Schlag getroffen. Dass man sich freiwillig eine Maus ins Haus holt, hat er als Zeichen menschlicher Verblödung gewertet. Ein Tier muss doch nützlich sein! Katzen fangen Mäuse. Bienen liefern Honig. Wir hatten beides.

Unsere Katze hat ihr Lebtag lang keine einzige Maus gefangen. Ich schätze, sie war pragmatisch. So eine Maus lebt ohnehin nur ein, zwei Jahre, also einfach ignorieren. Die verschwindet von ganz allein. Für Mäuse-Halter ist aber genau das das Problem. Wer will schon sein Haustier verlieren? Unter diesem Aspekt könnte man auf einen anderen Nager umsatteln.

Den Nacktmull.

Rein äußerlich ist er gewöhnungsbedürftig. Nackt und faltig. Halbblind. Von der Figur und Farbe her schaut er aus wie eine Leberstreichwurst, wobei die gelblichen Schneidezähne markieren, wo vorne ist. Aber was zählt, sind die inneren Werte.

Sie machen den Nacktmull interessant. Zumindest für Forscher. Nicht nur, dass der Nager lebt wie die Biene Maja. Also in einem Volk, das organisiert ist, wie ein Bienenstock. In dem die Königin das Sagen hat und alleine und ausschließlich für den Nachwuchs verantwortlich ist. Das juckt niemanden.

Interessant ist, dass Nacktmulle offenbar nicht altern. Nicht nur, dass sie über 30 Jahre alt werden. Mit dem Alter werden sie weder vergesslich noch gebrechlich. Zudem lehnen sie jede Form von Krebs entschieden ab, erklären Forscher.

Das ruft Google auf den Plan. Oder besser gesagt eine Tochterfirma, die sich Nacktmulle ins Haus geholt hat. Sie sollen das Geheimnis ewiger Jugend lüften. Auch wenn sich der Mensch den Traum von ewiger Jugend irgendwie ästhetischer vorgestellt hätte.

Den Nacktmullen im Labor wird es egal sein. Sie werden machen wollen, was sie seit jeher getan haben: Sich eingraben. Im Wüstensand. simone.hoepke