Kolumnen

Dunkle Eleganz

Es ist fast auf den Tag genau ein Jahr her, da war ich zum Weinbeschreiben und -bewerten für einen Guide im Weinviertel unterwegs. Um mich für den bevorstehenden Tag zu stärken, drehte ich eine kleine Jogging-Runde hinter dem Poysdorfer Hotel Neustifter. In einem der Weingärten entdeckte ich ein Schild. Ebner-Ebenauer stand drauf. Es muss ihr Weißburgunder in der Ried mit dem klingenden Namen „Vom Wald“ gewesen sein, denke ich mir heute, als ich die entzückende Zeichnung auf der Website ansehe.

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Weiter südlich, Richtung Osten, finde ich die Ried „Weißer Berg“, ebenfalls kalkhaltiger Lössboden. Von hier stammt der Wein in meinem Glas. Ein Chardonnay aus dem Jahr 2017. Es kommt nicht selten vor, dass ich bei dieser Rebsorte an Bananen denken muss – von grünen, unreifen bis hin zu künstlichen Schokobananen reicht das. Hier riecht es nach Bananenmus oder Bananenbrot mit Karamellglasur oder Banana-Pancakes mit Schlagobers, aber per Hand geschlagen, wie ihn meine Oma zum Apfelstrudel servierte. Der Zustand, beziehungsweise die Aufmachung des Chardonnays aus der sogenannten Black Edition ist funkelnd, elegant, dunkel wie die Musik, die ich dazu ausgewählt habe – mitgebracht als Souvenir der Corona-bedingt abgebrochenen USA-Reise. Die Bass-Stimme des „The National“-Sängers tönt vom Plattenspieler herüber: „Say you stayed at home, Alone with the flue / Find out from friends / That wasn't true“.

Sie kostet sich durch die Weinwelt, arbeitet als freie Journalistin und zum Ausgleich in ihrem Weingarten in Niederösterreich.
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