Kolumnen

El Chapo ist bei Freunden eingezogen

Freunde sind übers Wochenende weggefahren. Einen Kater abholen. Nur die Birma-Katze Choupette, die mit ihren beiden Nannys bei Karl Lagerfeld residierte, hat ein ähnlich großes Los gezogen wie dieser Kater.

Ich gehe davon aus, dass der Vierbeiner die beiden beim Wandern erobert hat. Vermutlich war das in der Steiermark, bei irgendeiner Buschenschank.

Natürlich stehe ich bei der nächsten Gelegenheit auf der Tacke, um den neuen Hausherren kennenzulernen. Er lässt sich nur nicht blicken.

El Chapo“ versteckt sich.

Als gelernter Straßenkater, der oft in Bandenkriege verwickelt war, ist er von Natur aus vorsichtig.

Verständlich.

Gut zureden hilft nur bedingt. El Chapo versteht nicht so gut deutsch. Er ist Spanier.

Ich frag mich, wie ein spanischer Kater zu einer Buschenschank in der Steiermark kommt und erfahre: Gar nicht.

El Chapo kommt direkt aus Spanien. Eine Urlaubsliebe, die man nicht zurücklassen kann. Mitnehmen war auch schwierig, weil der Kater keine Papiere bei sich hatte. Diese zu organisieren dauerte länger als der Urlaub. Deswegen die selbstverständliche Abholaktion zwei Wochen später. Das Zwischenparken von El Chapo in einem Tierheim samt diverser Impfungen war übrigens teurer als die Flugtickets.

Natürlich zeigt der Kater keine Dankbarkeit, er ist ja eine Katze. Längst sind seine Mitbewohner El Chapo dankbar, dass sie die Wohnung weiterhin mitbenutzen dürfen. Der Kater ist der Chef. Katzen halten prinzipiell niemanden für eloquent, der nicht miauen kann. Cooler Spruch, leider nicht von mir – von Marie von Ebner Eschenbach.

Wer einen Schleimer will, holt sich einen Hund ins Haus.

Apropos Schleimer. In Vietnam haben sie ein Gesetz erlassen, das das Reinsäuseln beim Chef verbietet. Wer beim Schleimen erwischt wird, wird bestraft. Wenn unsere Politiker solche Gesetze von ihrer nächsten Vietnam-Reise mit nach Hause nehmen, sind die Karrierepläne von zig Menschen für die Katz’.