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„Mutterland finden“ – Foto-Geschichten in Schaufenstern

Portraits und Audio-Mitschnitte von Töchtern (9 bis 96 Jahre), die über ihre Mütter erzählen, sind in der multimedialen FotoausstellungFinding Motherland“ der Künstlerin Franzi Kreis ab 10. Mai 2020 (Muttertag) bis Ende des Monats über neun verschiedene Schaufenster in Wien verteilt. Neben jedem fotografischen Portrait ist ein QR-Code angebracht, über den mit einem Smartphone das zugehörige Audio angehört werden kann. Neben den Audios sind Übersetzungen in den Sprachen Englisch, Russisch und Bosnisch/Kroatisch/Serbisch zu lesen  – oder eben auf Deutsch, wenn die Erzählungen in einer der anderen Sprachen zu hören sind.

Ab 2017 sammelte die Künstlerin 45 Interviews mit Frauen zwischen 9 und 96 Jahren. Nach dem Gespräch über die Mütter der Interviewten fotografierte sie die erzählenden Töchter. Die Arbeiten wurden in der Wanderausstellung „Finding Motherland“ erstmals 2019 in leerstehenden Geschäftslokalen in Wien präsentiert. Dabei wuchs die Sammlung von Interviews und Portraits stetig an und umfasst unter anderem Familiengeschichten aus Österreich, Deutschland, Liechtenstein, Russland, Ukraine, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Afghanistan und Japan.

Im März 2020 war „Finding Motherland“ in einem Kulturzentrum im ehemaligen Arbeiterkulturhaus der sowjetischen Autowerke ZIL in Moskau zu sehen.

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Vorleserin für Mutter

Als der Kinder-KURIER am Eröffnungstag selbst eine Schaufenster-Rundgang am Floridsdorfer Schlingermarkt unternahm – wo ja gleich in vier Auslagen zehn Portraits hängen samt den QR-Codes zu den Stories – traf er zufällig auf zwei Frauen auf den Holzbänken vor der Gebietsbetreung. Nina Vleugels-Liftnegger las ihrer Mutter Rosemarie Liftnegger die drei Geschichten der im Foto portraitierten Töchter über ihre Mütter vor. „Ja, wir sind extra deswegen hergekommen“, so die beiden Frauen auf die Frage des Reporters. „Eben weil heute Muttertag ist und hier mit einem kleinen Rundgang gleich so viele Geschichten auf einmal zu hören sind.“

Nach dem Rundgang, so verraten sie auch noch, fahren sie zur Tochter nach Hause, wo deren Mann und Schwiegersohn für die beiden und die Kinder zum Muttertag aufkocht. „Aber er kocht sonst auch immer“, fügt dessen Eherfrau hinzu.

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Cäcilia (9): Mach vieles wie meine Mama

In einer Auslage des Theaterhauses Dschungel Wien im MuseumsQuartier hängt das Foto der neunjährigen Cäcilia aus Bayern (Deutschland). Sie erzählte unter anderem:

„Weil bei uns keiner zusammenhelfen mag zum Tisch abräumen, haben wir jetzt die Tischdienste eingeführt. Die Rosalie muss in der Früh nicht so früh los, deswegen muss sie in der Früh Tisch abräumen. Ich Mittag, weil ich oft am frühesten von uns allen heimkomme, und der Vitus auf Nacht, weil er der Älteste ist und am längsten aufbleiben kann. Mir macht’s trotzdem keinen Spaß. Einmal haben mir Mama und Papa beim Tisch abräumen geholfen und ich sollte das Wohnzimmer saugen. Wie ich aus dem Wohnzimmer gekommen bin, war alles sauber, die ganze Küche hat geblitzt! Ich habe nichts gemacht, keinen Finger dafür gerührt. Das war sehr cool.

Einmal war die Mama ja mit ihrem Zeh im Krankenhaus. Da hat sie sich einen Schiefer eingezogen. Ich habe ihr eine Muschel mit einer Perle drin geschenkt. Die hat sie immer noch, aber leider verschmissen.

Ich glaube, ich mache sehr oft etwas wie die Mama. Zum Beispiel, wenn wir ausrasten, dann sind wir eh ziemlich gleich, weil die Mama mag ja, dass wir es besser machen, wie sie es gemacht hat und genauso bin ich bei der Rosalie. Wenn ich ihr in der Schule etwas beibringe, dann bin ich ziemlich streng, weil ich mag, dass sie es besser macht, als ich es gemacht habe. Beim Naschen ist es genauso. Die Mama mag selber nicht so viel naschen, ertappt sich aber immer wieder dabei. Und ich nehme es mir auch vor, aber ich schaff’s nicht. Das krieg ich nicht hin!“

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Die Künstlerin

Die 1991 geborene freischaffende Künstlerin studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Uni Wien. Ihr fotografischer Fokus liegt auf Portraits und darstellender Kunst. Sie arbeitet unter anderem für die Wiener Festwochen, das Belvedere Museum, Brut Wien oder den Dschungel Wien und portraitiert verschiedenste Künstler vor und hinter der Bühne.

„Die Idee ist aus einem ganz persönlichen Vorhaben heraus entstanden: Ich habe meine Mutter über meine Großmutter befragt und meine Großmutter über meine Urgroßmutter. Das führte zu Gesprächen mit anderen Frauen. Während ich die unterschiedlichsten Geschichten zu hören bekam, begann ich mich als Fotografin dafür zu interessieren, wie Gesten oder andere Körpersprache von Müttern an Töchter weitergegeben werden“, erzählt Künstlerin Franzi Kreis über die Entstehung ihres Projekts.

Finding Motherland ist auch ein Wahrnehmungsprojekt: Beim Betrachten der Fotos und beim Hören der Geschichten kommt es zu einer Weitergabe von Gefühlen, vielleicht vergleichbar mit den Emotionen, die ich während der Gespräche an mir selbst spürte. Ich sehe meine Aufgabe als Künstlerin darin, Räume für Begegnungen zu schaffen. Finding Motherland ist dafür gemacht, jetzt nicht von der Bildoberfläche zu verschwinden. Ich hoffe, dass geteilte Generationengeschichten dabei helfen können, über die nun nötige räumliche Distanz die Nähe zueinander nicht zu verlieren.“

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Multimediale Fotoausstellung „Finding Motherland“ in Wiener Schaufenstern bis 31. Mai 2020

Schaufenster Stationen

1070, Dschungel Café, Museumsplatz 1 und MQ Kulturcafé Max

1100, Wohnpartner-Lokal, Triester Straße 52-54/12/R1

1170, KNH-Tiny Gallery, Mariengasse 1

1150, Kultur Cafe Kriemhild, Markgraf-Rüdiger-Straße 14

1210, Schlingermarkt (Floridsdorfer Markt), Brünner Straße 34-38

Gebietsbetreungs-Stadtteilbüro
Blumenecke am Schlingermarkt

American Food Store im Conrad Lötsch Hof
Stoffecke im Conrad Lötsch Hof

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