Chronik/Wien

Rothschild-Erbe erhält Staatsbürgerschaft

Für den in New York lebenden Rothschild-Nachfahren Geoffrey R. Hoguet war der kurze Aufenthalt in Wien wohl eine Hochschaubahn der Gefühle. In der Vorwoche wurde er vom Fußballverein Vienna feierlich empfangen, weil seine Familie diesen Klub gegründet hatte. Am Montag erlebte er dann am Landesgericht Wien eine große Enttäuschung, weil seine Beschwerde gegen die Stadt vom Richter abgewiesen wurde. Hoguet wollte mit seinem Anwalt jene Statuten bekämpfen, in die der Magistrat die Rothschild'sche Stiftung im Jahr 2017 gepresst hat. Mit der Stadt als Letztbegünstigte. Hoguet allerdings will, dass die aus dem Jahr 1907 stammenden Gründungsstatuten der Stiftung, mit deren Geld seine Vorfahren unter anderem die Nervenheilanstalt am Rosenhügel errichtet worden ist, wieder Gültigkeit erlangen. Derzeit ist die Stiftung voll in der Hand des Magistrats.

Dieser Streit wird die Gerichte trotz der Abweisung der Beschwerde noch lange beschäftigen. Ein Gespräch des Rothschild-Nachfahren mit dem zuständigen Stadtrat Peter Hacker (SPÖ) hat es noch nicht gegeben. Auch nicht mit Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Geoffrey R. Hoguet will zuerst Einsicht in die Stiftungsakten, ehe er etwaige Gesprächsangebote annimmt. Mit dem Wunsch nach Akteneinsicht ist er bereits mehrmals abgeblitzt. Dennoch war der Enkelsohn von Alphons Freiherr von Rothschild am Donnerstag im Rathaus zu einem kleinen Festakt. Dort wurde ihm von Wiens Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr (Neos) die Staatsbürgerschaft verliehen.

Novelle vollzogen

Geoffrey R. Hoguet hatte sich eine Novelle aus dem Jahr 2019 zunutze gemacht, um einen österreichischen Pass zu erhalten. Damals hatte das Parlament einstimmig beschlossen, dass die österreichische Staatsbürgerschaft auch für Nachkommen von geflohenen Opfern des NS-Regimes vorgesehen ist. Um diese zu erlangen, ist es seither nicht mehr notwendig, die bisherige Staatsbürgerschaft aufzugeben. Dafür wurde in der zuständigen Behörde der Stadt Wien, der Magistratsabteilung 35 (Einwanderung und Staatsbürgerschaft), ein eigenes Referat eingerichtet, wo bisher fast 6.000 Anträge eingelangt sind. Einer davon war jener von Geoffrey R. Hoguet.

Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr begrüßte bei der Verleihung, dass diese Möglichkeit geschaffen worden ist. "Es geht dabei nicht nur um die Verleihung der Staatsbürgerschaft als symbolische Geste, sondern darum, aufzuzeigen, dass dieses Kapitel in Österreichs Geschichte nicht vergessen werden darf. Mir ist es wichtig, so den Vertriebenen und ihren Nachkommen jenen Respekt zu zollen, den sie verdienen, und ihnen den Schritt zurück in ihre leider gewaltvoll geraubte Heimat zu erleichtern“, sagt der Neos-Politiker.  Der Rothschild-Nachfahre nahm die Staatsbürgerschaft trotz des Konflikts mit der Stadt Wien stolz entgegen. Geoffrey R. Hoguet: "Natürlich fühlt sich meine Familie und fühle ich mich diesem Land in vielschichtiger und teilweise schmerzvoller Weise sehr verbunden. Wie man es dreht und wendet: am Ende sind wir nicht ohne Stolz Österreicher und es ist gut und richtig, dass die Republik das nun auch anerkennt."