Chronik/Wien

Mit Wehen im AKH abgewiesen

Heute ist David zwei Wochen alt. Entspannt schmiegt er sich an seine Mama, Dagmar Juric – eine Ruhe, die sie sichtlich genießt. Der Tag der Geburt wurde nämlich zum Albtraum jeder werdenden Mutter. Als die Hochschwangere am 6. November mit Wehen ins AKH fuhr, wurde sie dort abgewiesen und nach Hause geschickt.

„Ich war sechs Tage über dem errechneten Termin. Ich war für die Geburt im AKH angemeldet und habe auch die Voruntersuchungen dort gemacht“, erzählt Juric. Am Morgen vor der Geburt hatte sie so starke Wehen, dass sie mit dem Taxi ins AKH fuhr. Um zirka 8 Uhr wurde sie von einer Hebamme an den Wehenschreiber angeschlossen, der zeigte aber nichts an. „Dann hat sie mit erschreckenden Ruhe gesagt, dass ich das Kind warmhalten soll, wenn ich es zu Hause auf die Welt bringe“, erzählt die Mutter.

Nachher kam sie noch zu einem Arzt, den sie bereits kannte und mit dem sie eigentlich gute Erfahrungen gemacht hatte. Trotzdem schickte der Mediziner Juric ohne Untersuchung heim: „Hätte er sich zwei Minuten Zeit genommen, dann hätte er gesehen, dass der Muttermund bereits geöffnet war.“ Als Juric dann zu ihrer Frauenärztin fuhr, organisierte die sofort ein Bett in der Semmelweisklinik – David kam dort nur wenige Stunden später zur Welt.

Appell an Ärzte

Beeindruckend ist, dass Juric auch nach dem Erlebnis noch zum AKH steht: „Meine ältere Tochter wurde dort geboren und musste gleich nach der Geburt operiert werden. Die Ärzte haben das wunderbar gemacht und es waren immer alle freundlich.“ Juric kritisiert aber die Einsparungen und den Umstand, dass die Ärzte zu viel arbeiten müssen. „Ich würde jederzeit wieder ins AKH gehen. Aber die Ärzte dort sind eben auch nur Menschen und können sich nicht vierteilen“, sagt Juric.

Das AKH hält sich mit seiner Reaktion zum bereits dritten ähnlichen Fall seit 2012 bedeckt. Der KURIER und ORF Heute Konkret erhielten die gleiche schriftliche Antwort: „Wir bedauern sehr, dass die Kommunikation zwischen Arzt und Patientin in diesem Fall nicht optimal gelungen ist.“ Dagmar Juric hofft nun, dass ihr Fall keiner anderen Mutter passiert und die Ärzte sich künftig die entscheidenden zwei Minuten für die Untersuchung Zeit nehmen.