Chronik/Wien

Erdberger Rohrbombe war für Ottakring gedacht

Kaum war die Rohrbombe am Freitag Abend in einem Keller in Wien-Landstraße gefunden und das Gebiet großflächig abgesperrt, kochte die mediale Hysterie auch schon hoch. Ein möglicher Terroranschlag wurde in der Raum gestellt, sogar Briefbomber Franz Fuchs musste als Vorbild herangezogen werden. Die Polizei wollte die Zusammenhänge ursprünglich wegen weiterer Ermittlungen zurückhalten, ging aber dann doch in die Öffentlichkeit, um den wilden Spekulationen ein Ende zu bereiten.

Lebensbeichte

Offenbar hatte der Hauptverdächtige im Handgranaten-Mord, der 34-jährige Kristijan H. im Verhör im Wiener Landeskriminalamt (Gruppe Hofmann) eine Art Lebensbeichte abgelegt. Nach anfänglichem Leugnen gestand er laut Polizeiangaben nicht nur den Doppelmord im Jänner in Wien-Ottakring (an einem oö. Lokalpolitiker und einem Deutschen). Er erzählte auch, dass er sich eine Rohrbombe beschafft hatte. Diese war aus einem Stahlrohr, Sprengstoff und Verschlusskappen offenbar in Eigenregie hergestellt worden. Von wem sie stammt und wie Kristijan H. die Bombe in die Hände bekommen hatte, dazu wollte die Staatsanwaltschaft noch keine näheren Angaben machen. Unklar ist auch, ob H. eine heimtückische Sprengfalle bauen wollte oder ob er die Bombe einfach statt der Granate hätte zünden wollen. Das Sprengstück wurde jedenfalls mittlerweile in Traiskirchen (NÖ) vom Entminungsdienst des Bundesheeres entschärft.

Noch am Samstag wurde das nun festgenommene Trio in die Justizanstalt Josefstadt überstellt, die Verhängung der Untersuchungshaft dürfte eher eine Formsache sein. Wie berichtet, soll Dejan V. (29) ebenfalls bei der Tat dabei gewesen sein. Darauf deuten entsprechende Verletzungsspuren bei ihm hin. Noch unklar ist, wie Renata H., die Schwester von Kristijan H. genau mit dem Fall zu tun hat. Beide sind Österreicher mit kroatischen Wurzeln.

Die Tat war in der Nacht auf den 11. Jänner in der Odoakergasse verübt worden. Die Polizei fand in dem BMW einen toten Oberösterreicher mit bosnischen Wurzeln auf der Fahrerseite sowie einen schwerverletzten Deutschen am Beifahrersitz, der kurze Zeit später starb. Als Hintergründe für die Bluttat wurden immer wieder dubiose Diesel-Geschäfte der Opfer genannt. Die Polizei sprach von einer "Dimension von 600.000 bis 700.000 Euro", beim Landesgericht Wien gab es deshalb bereits ein Finanzstrafverfahren.

Alle Inhalte anzeigen