Chronik/Österreich

Therapieplätze nicht genutzt: „Drogenproblem auch hausgemacht“

Acht Drogentote hat Kärnten im langjährigen Schnitt pro Jahr zu beklagen, heuer sind es bereits 13 (im Fall eines 23-Jährigen, der am Sonntag neben Suchtgiftutensilien tot aufgefunden wurde, fehlt noch die Bestätigung durch die Obduktion). Weil das Land die Kooperation mit der landesweit einzigen gemeinnützigen stationären Therapieeinrichtung für Suchtkranke beendet hat, müssen die Patienten derzeit in andere Bundesländer ausweichen. Nun ist ein Streit rund um die Frage entbrannt, ob dieser Umstand die Drogenproblematik im Land verschärft.

22 Jahre lang funktionierte die Zusammenarbeit zwischen dem in Klagenfurt angesiedelten Verein für Suchtkranke Oikos und dem Land Kärnten reibungslos – bis die Behörde der Einrichtung Anfang des Jahres 2017 exakt 25 neue Auflagen erteilte. Oikos bietet eine Beratungsstelle, ein Cannabis-Ambulatorium und 36 stationäre Therapieplätze.

„Schikanöse Auflagen, die sinnlose zusätzliche Ausgaben bedeuten würden“, sieht Oikos-Geschäftsführerin Maria Magdalena Witting die Intervention. „Fundierte Auflagen von unabhängigen Fachexperten“, wie Gesundheitsreferentin Beate Prettner (SPÖ) deponiert. Die Causa landete jedenfalls beim Landesverwaltungsgericht.

Land zahlt nicht

„Auf Druck des Landes haben wir die Beschwerde in 20 Punkten zurückgezogen, über fünf einen Vergleich geschlossen“, sagt Witting. Dennoch kündigte das Land den privatrechtlichen Vertrag mit der Reha-Einrichtung, weil Bescheide nicht erfüllt worden seien. Das hat zur Folge, dass das Land keine Therapiekosten mehr bei Oikos übernimmt und Drogenambulanzen Kärntner Patienten zu anderen Einrichtungen schicken müssen.

Ambulanzen aus allen anderen Bundesländern außer Wien und Niederösterreich – da werden die Patienten primär im eigenen Bundesland betreut – entsenden ihre Klienten indes sehr wohl weiter zu Oikos nach Klagenfurt. Auch der Bund nimmt diese Einrichtung für drogensüchtige, ehemalige Häftlinge im Zuge des Programms „Therapie statt Strafe“ in Anspruch, denn die (vom Land Kärnten auszustellende) Betriebsbewilligung von Oikos ist nach wie vor aufrecht. Für den Entzug der Bewilligung reichen die Verfehlungen nicht.

Witting interpretiert das Ignorieren der lokalen Ressource angesichts fehlender alternativer Therapieplätze und der steigenden Zahl an Drogenopfern als fatales Signal. „Wir verfügen über insgesamt 36 stationäre Therapieplätze, hätten stets welche frei. Aber so ist das Kärntner Drogenproblem auch ein hausgemachtes. Für das Land ist diese Optik ein Albtraum, ein Drama“, meint Witting.

„Therapie für jeden“

„Jeder Kärntner Patient, der einen Antrag auf stationäre Therapie stellt, bekommt diese auch“, entgegnet Prettner. Patienten würden allerdings ambulante Therapien bevorzugen und die stationären eher außerhalb Kärntens durchführen wollen.

Ein Ende des Streits ist nicht in Sicht. Oikos behauptet, alle Auflagen würden erfüllt, das Land stellt dies in Abrede und sagt, wenn dies der Fall wäre, würde man sofort neuerliche Vertragsverhandlungen aufnehmen.