Chronik/Österreich

Motorradunfälle: Schon neun tote Biker in diesem Jahr

Motorrad fahren wird immer beliebter. Die Zahl der in Österreich zugelassenen Motorräder ist seit 2000 um 60 Prozent gestiegen. Die hässliche Seite daran: alleine im vergangenen Jahr sind 89 Personen mit ihrer Maschine tödlich verunglückt. Heuer sind es bereits neun.

Erst am Donnerstagnachmittag ist ein 26-Jähriger aus Gramatneusiedl, NÖ, bei einem Motorradunfall in Schwechat ums Leben gekommen. Nach einem Überholvorgang musste der Mann hinter einem Sattelschlepper derart stark abbremsen, dass er ins Schleudern geriet, gegen den Anhänger und dann gegen einen entgegenkommenden Pkw krachte. Der Mann starb noch an der Unfallstelle.

Alle anderen beteiligten Personen blieben unverletzt. Als Unfallursache vermutet man einen Fahrfehler des 26-Jährigen.

Früher Saisonbeginn

Mit bisher neun tödlich verunglückten Motorradfahrern fällt die Zahl hoch aus. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres war es nur eine Person. Eine Erklärung für den Besorgnis erregenden Anstieg sind die für diese Zeit ungewöhnlich milden Temperaturen. Für viele hat die Motorradsaison damit schon vier Wochen früher begonnen als sonst.

Gerade nach der Winterpause überschätzen sich viele Fahrer und auch die Autofahrer sind noch nicht an Motorradfahrer gewöhnt. Laut Georg Scheiblauer, Motorrad-Chefinstruktor von ÖAMTC-Fahrtechnik, sollte zu Saisonbeginn zuerst einmal die Beweglichkeit trainiert werden, um so das Feingefühl für die Maschine wieder zu erlangen.

Der Experte rät außerdem jedem Motorradfahrer zu einem jährlichen Fahrtechnik-Kurs. Dass ein solches Training für alle ratsam wäre, zeigt schon ein Blick auf die Statistik. Im Vorjahr sind ein Drittel aller Verunglückten bei einem Alleinunfall – also ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer – ums Leben gekommen.

Ältere gefährdet

Die Hauptunfallursachen sind laut Chef-Instruktor Scheiblauer dabei unangepasste Geschwindigkeit und Fahrfehler. Beides wäre vermeidbar.

Eine aktuelle Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit zeigt, dass Wieder- und Neueinsteiger ab dem 39. Lebensjahr besonders gefährdet sind. Im Vorjahr war fast die Hälfte aller verunglückten Biker über 45 Jahre alt.

Das Verkehrsministerium hat nun auf diese Zahlen reagiert. Für alle jene, die den Motorradführerschein erst mit über 39 Jahren machen, sollen Fahrschulen eine zusätzliche Doppelfahrstunde bei der Perfektionsschulung anbieten.

Die Basisausbildung von zwölf Fahrstunden wird damit um zwei erweitert. Da sich mehr als 80 Prozent aller Motorradunfälle außerhalb des Ortsgebietes ereignen, sollen in diesen Zusatzstunden speziell Freilandfahrten geübt werden.