Chronik/Österreich

Grenzkontrollen: Wo im Osterverkehr Probleme warten

Ostern steht vor der Tür und damit auch der dazugehörige Stau. Dieses Jahr könnte die Geduld beim Grenzübergang aber noch mehr strapaziert werden, fürchten die Autofahrerclubs. Weil die Feiertage heuer recht früh fallen, werden wohl noch viele zu einem Skiurlaub aufbrechen. Aufgrund der verstärkten Grenzkontrollen kein leichtes Unterfangen, die Übergänge werden zum Nadelöhr, warnten die Autofahrerklubs am Mittwoch. Die Grenzwartezeiten hatten bisher auch Einfluss auf den Urlaubsreiseverkehr. ÖAMTC und Arbö rechnen mit zwei Reisewellen. Die erste erfolgt kommenden Samstag. Am Karfreitag werden erneut Urlauber für das verlängerte Wochenende losfahren, vor allem aus Deutschland, weil dort auch der Karfreitag ein Feiertag ist.

Neben den Hauptreiserouten sind vor allem die Grenzübergänge Richtung Deutschland betroffen, weil dort mit Polizeikontrollen gerechnet werden muss. Mit Wartezeiten muss man vor allen bei den Autobahnübergängen Walserberg (A1) in Salzburg, Suben (A8) in Oberösterreich und Kufstein (A12) in Tirol rechnen. Für die Fahrten über die Grenze muss ein Reisedokument, also Reisepass oder Personalausweis, mitgeführt werden, erinnerte der ÖAMTC.

In Salzburg rechnet man vor allem am Ende der Osterferien mit Rückstaus bei der Ausreise nach Deutschland. Betroffen ist hauptsächlich der Autobahn-Grenzübergang Walserberg. Zur Abfederung soll schon wie in den Weihnachtsferien bei der Kontrollstelle auf der deutschen Autobahn A8 bei Piding im Falle eines hohen Verkehrsaufkommens eine zweite Kontrollspur eingerichtet werden.

Entlastung zu Pfingsten

Die angekündigte Verlegung der Kontrollstelle auf den zwei Kilometer entfernten Walserberg mit zwei Spuren für Pkw und eine weitere Spur für Lkw wird zwar noch nicht zu Ostern, aber bis spätestens Pfingsten fertiggestellt sein, wie der Sprecher des Landratsamtes Berchtesgadener Land, Andreas Bratzdrum, am Mittwoch auf Anfrage der APA erklärte. "Es sind schon erste Bauarbeiten begonnen worden."

Es sei aber bereits mit der deutschen Bundespolizei vereinbart worden, dass der Osterrückreiseverkehr flüssiger laufen und es nicht mehr zu einem fünf Kilometer langen Rückstau kommen soll, erklärte Bratzdrum. Bei einem extremen Rückstau werde deshalb bei Piding zweispurig kontrolliert. Temporäre Grenzkontrollen gebe es auch weiterhin bei den kleinen Grenzübergängen, sagte der Sprecher.

Buchungsrückgang

Salzburger Touristiker befürchten einen Gästeschwund in diesem Winter wegen der Grenzkontrollen in Deutschland aufgrund der Flüchtlingssituation. Mit Spannung wird die Bilanz nach der Saison erwartet. Ein positives Ergebnis zumindest für den Februar zog der Tourismusverband Saalbach-Hinterglemm im Salzburger Pinzgau: Mit einem Nächtigungsplus von 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ebenfalls einem Plus von 6,6 Prozent gegenüber dem bisher stärksten Schaltjahr 2008 wurden die besten Zahlen seit Beginn der Aufzeichnungen geschrieben. "In absoluten Zahlen sind dies 487.774 Nächtigungen bei einer Bettenauslastung von 98,84 Prozent", informierte der Tourismusverband.

Auch bei der Tirol Werbung sah man eine "deutliche" Auswirkung der Grenzkontrollen auf die Buchungslage. Dies gelte aber generell und sei nicht auf Ostern beschränkt, erklärte ein Sprecher. Vor allem die Buchungen bei Gästen aus dem Nahraum, also aus Bayern und Baden-Württemberg, und Tagesgästen seien weniger geworden. Urlauber, die länger gebucht hätten, würden einen Stau bzw. eine verlängerte Anfahrt eher in Kauf nehmen, als Tagesskifahrer. Generell gehe der Trend hin zu kurzfristigen Buchungen, und auf diese hätten die Grenzkontrollen mehr Einfluss.

Denn in Tirol rechnete die Verkehrsabteilung der Polizei am kommenden Wochenende und am Osterwochenende vor allem auf der Inntalautobahn (A12) bei Kufstein mit einem erhöhten Stauaufkommen. "Dort ist es bereits in den vergangenen Jahren wiederholt zu Behinderungen gekommen", erklärte der Leiter der Verkehrsabteilung, Markus Widmann, der APA. Die Grenzkontrollen würden die Situation freilich noch einmal verschärfen. Zudem könnten Tagesskifahrer und die Wetterlage zusätzlich Schwierigkeiten bereiten. Eine Verbesserung würde jedenfalls aber die Ankündigung der deutschen Behörden bringen, im Bedarfsfall die Kontrollen nicht auf einer Spur durchzuführen, sondern eine zweite zu öffnen, so Widmann: "Uns wurde gesagt, dass diese Form der Kontrollen schon zu Ostern greifen könnte".

Der Oberösterreich Tourismus ist im Zusammenhang mit Grenzkontrollen und Osterurlaubern optimistisch und verweist auf die vergangenen Monate. Die Ankünfte und Nächtigungen der deutschen Gäste seien trotz Kontrollen in der ersten Hälfte der Wintersaison um 5,3 bzw. vier Prozent gestiegen. "Die paar Minuten Verzögerung an der Grenze bei der Rückreise sind uns bekannt und die nehmen wir in Kauf. Wenn es ganz schlimm sein sollte, ist uns bekannt, wie wir ausweichen können", wäre immer wieder in persönlichen Gesprächen zu hören gewesen.

Vorarlberg unberührt

Die Grenzkontrollen werden nach Einschätzung von ÖAMTC-Sprecher Jürgen Wagner keine Auswirkung auf den Vorarlberger Osterreiseverkehr haben. "Der Ausweichverkehr trifft uns nicht, der Weg über Vorarlberg ist offenbar zu mühsam", sagte Wagner auf APA-Anfrage. Vorarlberg sei weniger als Transitroute zu sehen, auch wenn an den nächsten beiden Wochenenden sehr starkes Verkehrsaufkommen zu erwarten sei.

Dieses ergebe sich aus der Kombination des letzten Urlauberschichtwechsels und vieler Tagesskifahrer. "Schon an den vergangenen Samstagen war die Rheintalautobahn voll", so Wagner. Neben der angesprochenen A14 nannte der Verkehrsexperte die Arlbergschnellstraße (S16) sowie die Verbindungen in die Talschaften Montafon - die L188 - und Bregenzerwald (L200) als weitere Brennpunkte.

Auf die Bilanzen der Touristiker in Vorarlberg dürften die Grenzkontrollen jedenfalls keine negativen Folgen haben. Bisher gab es in Vorarlberg keinen Einbruch bei den Gäste- und Übernachtungszahlen. Von November bis Jänner wurden 512.212 Ankünfte (plus 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr) und 1.975.428 Nächtigungen (-0,1 Prozent) gezählt. Der Anteil der deutschen Urlauber machte dabei 55,8 Prozent aus, an den Übernachtungen waren es sogar 62,2 Prozent.