Chronik/Österreich

Der Herr Inspektor und sein Frauenproblem

Staatsanwältinnen seien Schlampen, Richterinnen dumme Säue und generell seien Weiber für alles zu blöd.

Wer jetzt denkt, maximal ein etwas limitierter Häfenbruder würde sich auf derartig niedriges Niveau begeben, der irrt. Und zwar gewaltig. Niemand Geringerer als ein Polizist des steirischen Landeskriminalamts soll sich in Bezug auf Frauen derart im Ton vergriffen haben. Und zwar nicht nur einmal.

Ins Rollen gebracht hat den Fall eine Kollegin des Mannes, nennen wir sie Frau Müller und ihn Herrn Maier (*). Die Frau war ständig von Maier schikaniert, beleidigt und beschimpft worden. Er habe sie "unzählige Male" als falsch, als Dummf** oder als F***schlitten tituliert; dass sie "einen Balg" habe, sei "sowieso der Gipfel". Er habe, sagt Müller, "keine Zweifel daran gelassen, dass er nichts von ,Weibern‘ im Polizeidienst halte" – schon gar nicht, wenn sie Kinder hätten – und sei nur darauf aus gewesen, dass sie einen Fehler mache. Trotz allem sei sie aber "längere Zeit so naiv gewesen, zu glauben, dass sich das Problem lösen lasse".

Vom Kollegen zum Chef

Dann aber wurde der "nette Kollege" stellvertretender Leiter ihres Ermittlungsbereichs. Dem nicht genug, lehnte Herr Maier ihre eigene Bewerbung von der einfachen Sachbearbeiterin zur stellvertretenden Hauptsachbearbeiterin ab und stellte sie "in seiner Stellungnahme als faul, dumm und unwillig" dar.

Jetzt reichte es der Polizistin: Sie beschwerte sich einerseits bei der Dienstbehörde, andererseits bei der Gleichbehandlungskommission des Bundes. Letztere hat nun in einem Gutachten befunden: Das Verhalten von Maier – das weitere Polizistinnen bestätigten, er aber stets vehement bestritt – stellt eine Belästigung aufgrund des Geschlechts dar, zudem habe er Frau Müller beim beruflichen Aufstieg diskriminiert.

Und wie reagierte die Dienstbehörde? "Es wurde ein Disziplinarverfahren gegen den Kollegen eingeleitet, und er ist auch disziplinär abgeurteilt worden", sagt Joachim Huber von der Landespolizeidirektion Steiermark. Heißt? "Er hat eine Geldstrafe bekommen (in welcher Höhe, darf Huber nicht sagen, Anm.), und sollte er sich noch einmal die kleinste Kleinigkeit erlauben, ist er weg."

"In solchen Fällen kennen wir keinen Spaß", sagt auch Siegfried Gundel, Gleichbehandlungsbeauftragter im Innenministerium. Ihm wird die Arbeit nicht so schnell ausgehen. Zwar liegt der Frauenanteil derzeit erst bei rund 14 Prozent – aber die Zahl der Frauen bei der Polizei steigt von Jahr zu Jahr.

Auch Frau Müller ließ sich von dem Kollegen nicht entmutigen: Sie wechselte letzten Endes (wie im Übrigen etliche vor ihr) in einen anderen Ermittlungsbereich, in dem sie nach wie vor arbeitet.

Herr Maier blieb in seiner Gruppe.

(*) Der KURIER betont ausdrücklich, dass die Namen der beiden Polizisten frei erfunden sind. Jede Ähnlichkeit oder gar Namensgleichkeit mit realen Personen ist nicht beabsichtigt und wäre rein zufällig.