Chronik/Oberösterreich

Viele Corona-Patienten sind richtig krank

Eigentlich wollte ich Sie ja mit Corona verschonen. Leider schaffe ich es nicht, denn momentan dreht sich in meinem Leben rund um die Uhr alles nur um dieses Thema. Am vergangenen Wochenende absolvierte ich zwei Dienste beim HÄND, dem hausärztlichen Notdienst. Die von mir durchgeführten Antigen-Schnelltests waren großteils positiv. Während der ersten Corona-Welle im Frühjahr fühlte ich mich zwar an der Front, hatte tatsächlich aber nur wenige Patienten, und die waren zwar geschwächt, aber nicht schwer krank. Diesmal verhält es sich genau anders herum. Es gibt sehr viele positive Fälle, und viele davon sind richtig krank. Auch Junge. Ältere Menschen und solche mit Risikoprofil musste ich bereits ins Krankenhaus zur stationären Behandlung einweisen.

BH und Rotes Kreuz

Bezirkshauptmannschaft und Rotes Kreuz arbeiten wirklich hervorragend, im Eiltempo und rund um die Uhr, aufgrund der Flut an Verdachtsfällen kommt es trotzdem zu Verzögerungen bei der Durchführung der PCR-Tests. So kann man nur an die Vernunft jedes/r Einzelnen appellieren, sich aus dem sozialen Leben zurückzunehmen, bis ein definitives Ergebnis vorliegt. Vielleicht können Sie sich vorstellen, dass es nicht schön ist, Menschen in schlechtem Allgemeinzustand zu sehen und keine sichere Behandlungsmethode zu wissen. Es ist auch für mich persönlich nicht lustig, die Schutzmontur anzulegen und Abstriche zu entnehmen. Ich möchte weder meine Familie noch meine Kolleginnen gefährden. Aber es ist nun einmal meine Arbeit und die gehört getan.

Mundschutz tragen

Was mir in Zeiten wie diesen allerdings schwerfällt, sind Diskussionen. Täglich müssen wir in meiner Praxis darauf hinweisen, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes wirklich verpflichtend ist. Immer wieder muss ich erklären, dass man vor Antritt der Quarantäne nicht noch schnell einkaufen oder auf den Fußballplatz gehen kann. Und es kommt auch vor, dass sich Menschen ihrer Freiheit beraubt fühlen und ohne entsprechende Diagnose Atteste ausgestellt haben möchten, um einen Freibrief zu erhalten. Dafür fehlen mir momentan Zeit und Energie. Denn auch ich muss Prioritäten setzen, um zu funktionieren.