Chronik/Oberösterreich

Braune Reisegruppe aus Ungarn auf Fahrt durch Österreich

Es klingt zunächst vielleicht nach einer harmlosen Bildungsreise von ungarischen Touristen ins deutschsprachige Ausland. Doch bei näherer Betrachtung stößt man auf den zutiefst demokratiefeindlichen Charakter der Veranstaltung. Die geplanten Stationen lauten Budapest, Wien, Sonntagberg (NÖ), Braunau (OÖ), Landshut, Nürnberg, München und Berchtesgaden (Bayern). Die Reise für "Enthusiasten der Militärgeschichte" soll übermorgen, Donnerstag, starten und am Sonntag wieder enden. Treffpunkt zur Abreise ist frühmorgens ein Kaufhausparkplatz in Budapest.

Die Busfahrt wird über ein ungarisches Reisebüro (Name der Redaktion bekannt) veranstaltet, doch beworben wird sie auf der Homepage der ungarischen Sektion des internationalen Neonazi-Netzwerks "Blood & Honour". Dieses ist sowohl in Ungarn als auch in Deutschland (seit dem Jahr 2000) verboten.

"Wir haben alle Gedenkstätten schon vorgewarnt. Bei den Teilnehmern wird es sich vermutlich um eine Gruppe vorwiegend junger Menschen handeln, die unauffällig bekleidet auftreten", sagt Robert Andreasch, Mitarbeiter der antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München (a.i.d.a). Über Informanten sei er bereits vor Monaten auf die Pläne aufmerksam gemacht worden.

Besuchsprogramm

Ob die Reise nun tatsächlich zum angesetzten Zeitpunkt stattfindet oder kurzfristig vielleicht doch noch verschoben wird, ist laut Andrasch unklar: "Dazu liegen mir leider noch keine gesicherten Angaben vor." Da jedoch am 15. August in Bayern eine rechtsextreme Kundgebung angemeldet sei, scheine es für ihn plausibel, dass auch die Ungarn daran teilnehmen.

Es sei auch nicht das erste Mal, dass sich "Blood & Honour Ungarn" in Richtung Bayern in Bewegung setzen. "Am 20. April 2011 ist eine Delegation auf Einladung Münchner Neonazis nach Oberbayern gekommen." Auf dem fünftägigen Besuchsprogramm standen damals das ehemalige Führerhauptquartier am Obersalzberg, die Ausstellung "Nationalsozialismus in München", die Feldherrnhalle sowie SS-Bunker, eine Kaserne der Waffen-SS und die frühere "Reichsfinanzschule" Herrsching.

Warnung

Diesmal steht auch Österreich auf dem Programm. Davor warnt auch Raffael Schöberl vom Bündnis "braunau gegen rechts". Er ruft die Sicherheitsbehörden zum konsequenten Handeln auf. "Auf das weltweit agierende Blood & Honour-Netwerk gehen immerhin Morde, Anschläge und Überfälle. Mit Combat 18 verfügt es sogar über einen bewaffneten Arm."Auch Harald Grünn, Sprecher des KZ-Verbandes/VdA OÖ appelliert an die Exekutive.

Bei einem ersten Zwischenstopp in Wien soll der Besuch der Akademie der Bildenden Künste (wo Adolf Hitler 1907 abgewiesen wurde) vorgesehen sein. Ein Besuch des Militärmuseums Sonntagberg und ein "Abendspaziergang" in Hitlers Geburtsstadt Braunau sollen folgen. Schöberl: "Für Hitler-Pilger und Nazi-Schläger darf es in Braunau keinen Platz geben."