Chronik/Niederösterreich

Zu Gast: Bayrische Bierkultur in der Weinstadt

"In Zeiten von Smartphones verständigen wir uns leider nur noch mit dem Daumen in sozialen Medien. Ich wünsche mir, dass sich die Menschen wieder gegenüber sitzen, wenn sie diskutieren", sagt Othmar Seidl, der auf die Wiederbelebung der früheren Stammtischkultur hofft.

In Trachtenjacke und Lederhose gekleidet nimmt er auf einer der vielen Holzbänke Platz, sieht sich in der neuen Bierstube um, schwärmt von den verarbeiteten Materialien und technischen Raffinessen und lässt sich eine Weißwurst servieren. Dazu darf ein helles Weißbier natürlich nicht fehlen. Seidl ist nicht nur Finanzdienstleister, sondern seit Freitag auch offiziell Besitzer eines Hofbräuhauses am Steinertor (HB) in Krems, mit dem er sich einen Traum erfüllt. Als Vorbild dient das Stammhaus in München.

Seele von Krems

Alle Inhalte anzeigen
"Der ehemalige Brauhof war früher die gastronomische Seele von Krems. Im großen Veranstaltungssaal fanden die wichtigsten Bälle der Region statt, die ich als Jugendlicher öfters besuchte. Nachdem ich den alten Brauhof gekauft hatte, kam immer öfter die Idee, dieser traditionsreichen Gaststätte die frühere Strahlkraft zurückzugeben", erklärt Seidl. Seit zwei Jahren feilt er konkret an einem Konzept. "Zuerst wollte ich darin eine eigene Gasthaus-Brauerei errichten. Doch das wäre viel zu aufwendig gewesen", sagt Seidl. Als er erfuhr, dass die Chefs des Münchner Hofbräuhauses neben Klagenfurt und Wien auf der Suche nach einem dritten Standort in Österreich waren, nahm Seidl mit den Brauern Kontakt auf. "Der Erfolg unseres Biergartens im Vorjahr gab den letzten Ausschlag, dass wir jetzt Franchisepartner sind", freut sich Seidl.

In den vergangenen vier Monaten wurde der Brauhof groß umgebaut und bis zum benachbarten Einkaufszentrum "Steinertor" – auf insgesamt 1400 Quadratmeter – erweitert. Seit dem Umbau präsentiert sich das neue Hofbräu zünftig, gediegen und modern. Zwischen rustikalen Holzbänken, farbenfrohen Malereien und erfrischenden Lichtelementen taucht oft das "HB"-Bierlogo auf, das die Gäste an die neue Verbundenheit mit Bayern erinnern soll. "Wir wollen mit einer tollen Marke gelebte Bierkultur nach Krems bringen. Sowohl in unseren Bierstuben als auch im Gastgarten sollen sich die Menschen und Vereine wohlfühlen können", sagt Seidl, dem auch wichtig ist, "dass sich die Leute nicht über horrende Preise ärgern müssen. Wir legen Wert auf Qualität und moderate Preise."

Alle Inhalte anzeigen
Dass g’schmackige und frische Gerichte serviert werden, dafür ist Küchenchef René Gorscheg, der davor im Plachutta, Schwarzen Kameel oder Imperial arbeitete, verantwortlich: "Wir machen Wirtshausküche auf Haubenniveau. Nur Bier und Brezen stammen aus München, die restlichen Produkte kommen von regionalen Lieferanten." Er verzichtet auf Fertigerzeugnisse und macht alles frisch. "Sogar den Teig für die Krautfleckerl und unsere Senfvariationen sind selbst gemacht", betont Gorscheg. Vom ersten Tag an soll das Hofbräu nicht nur kulinarisch, sondern auch mit technischen Raffinessen hervorstechen. Stammkunden haben mit der wiederaufladbaren Bonuskarte die Chance, ihr Bier selbst zu zapfen. Außerdem können Krüge im hauseigenen "Biersafe" gemietet werden.

Natürlich darf in einer Stadt wie Krems der Wein nicht zu kurz kommen. Deswegen wurde in das Brauhofkonzept auch eine moderne Vinothek namens "Leopold" integriert. Das Besondere ist, dass Weine aus fünf umliegenden Anbaugebieten angeboten werden – feine Tropfen von über 70 Winzern.