Chronik/Niederösterreich

Wien-Schwechat: Laserpointer-Attacke auf Passagierflugzeug

Der heikle Zwischenfall soll sich Mittwochabend just bei der heiklen Phase des Landeanflugs ereignet haben: Als eine mit 140 Passagieren und sechs Crew-Mitgliedern besetzte Eurowings-Maschine aus Düsseldorf gegen 21.40 Uhr Kurs auf Wien-Schwechat nahm, sollen bisher Unbekannte einen starken Laserpointer auf die Seitenscheibe des Cockpits gerichtet haben, bestätigt die Polizei.

Der Co-Pilot konnte für zwei bis drei Sekunden einen grünen Laserstrahl ausmachen. Dennoch konnte der Landeanflug sicher durchgeführt werden. Verletzt wurde niemand. Auch Eurowings bestätigte den Vorfall am Freitag. "Das ist schon eine sehr gefährliche Situation, weil dann nur ein Pilot einsatzfähig ist. Die Redundanz fehlt", sagt ein Sprecher.

Laut Exekutive konnte der Ursprung der Laser-Attacke auf den Bezirk Floridsdorf rund um die Stammersdorfer Straße eingegrenzt werden. Die alarmierte Polizei schickte sofort Funktsreifen hin, konnte jedoch niemanden mehr ausforschen. Sie ermittelt gegen Unbekannt.

"Das ist keine Bagatelle", stellt Markus Pohanka, Sprecher der Flugsicherheitsbehörde Austro Control, klar. Wer Piloten mit Laserpointern blendet, dem droht eine Anzeige wegen vorsätzlicher Gefährdung der Sicherheit der Luftfahrt. Darauf steht eine Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren Haft. Kommen Menschen zu schaden, kann die Strafe sogar noch höher ausfallen.

Laut Pohanka gibt es solche Blendungen in Österreich glücklicherweise selten. Es gibt eine Meldepflicht für Laserpointer-Attacken, auch die Polizei wird eingeschaltet. 2016 gab es 48 darartige Vorfälle, 2015 waren es 34 und 2014 40 Angriffe. In Niederösterreich, wo der Flughafen Wien-Schwechat liegt, ermittelte die Polizei im Vorjahr in sieben Fällen wegen vorsätzlicher Gefährdung der Sicherheit der Luftfahrt, eine Laserpointer-Attacke wurde geklärt.

Insider berichten, dass es in Schwechat mittlerweile alle ein bis zwei Monaten zu solchen Störaktionen kommt. Stefan Koller, Sicherheitssprecher der Austrian Cockpit Association und selbst Pilot, meint: "Wir haben in den letzten Jahren leider eine Zunahme erlebt." Das kann Austro-Control-Sprecher Pohanka aber nicht bestätigen.

Besitz von starken Laserpointern verbieten

Die ACA jedenfalls fordert, dass der Besitz von Laserpointern der stärksten Klassen verboten wird. "Das sollte ins Waffengesetz aufgenommen werden", sagt Koller. "Mit einem derartigen Laser kann man sogar Papier anzünden." Sie seien leicht und günstig über das Internet bestellbar und stellten eine große Gefahr für die Piloten dar. Es gehe um Körperverletzung.

"Es gibt in Europa bereits dokumentierte Fälle, bei denen Piloten geschädigt wurden." In Österreich sei das bisher glücklicherweise nicht der Fall gewesen. "Von der Blendung her ist das so intensiv, wie wenn man in der Nacht in Autoscheinwerfer schaut, die plötzlich aufgedreht werden", erklärt der Experte. Zudem seien die starken Laserpointer nicht nur für Flugzeuge oder Hubschrauber eine Gefahr. Auch Attacken bei Sportevents oder auf Autofahrer seien bereits bekannt.

Für Passagiere besteht nach Einschätzung des Piloten wenig Gefahr. Die Crews seien geschult, wie bei solchen Störaktionen vorzugehen sei. Das gehe bis zum Abbruch der Landung.

Immer wieder sind auch Hubschrauber von Laserpointer-Attacken betroffen. Allein die Christophorus-Staffel verzeichnet nach eigenen Angaben rund zehn Fälle pro Jahr, berichtete die Tiroler Tageszeitung Anfang des Jahres: Oftmals seien die Täter keine Jugendlichen, sondern Menschen, die sich durch den Lärm gestört fühlten.

Auch wenn die Ermittlungen schwierig sind, gelingt es doch immer wieder Täter auszuforschen. So stand heuer in Wien ein 16-Jähriger vor Gericht, der 2016 die Crew eines Polizeihubschraubers geblendet hatte. Er kam mit Sozialstunden davon. Ein 24-jähriger aus dem deutschen Freilassing wurde ausgeforscht, nachdem er 2015 vier Laser-Attacken auf Flugzeuge im Landeanflug auf den Flughafen Salzburg verübt hatte.