Chronik/Niederösterreich

St. Pölten: Güterzüge lärmen weiter

Als im Dezember des Vorjahres die 24,7 Kilometer lange Güterzugumfahrung (GZU) unter dem Jubel von Politikern und ÖBB-Managern eröffnet wurde, freute sich auch Johannes Z. aus St. Pölten. Er war voller Hoffnung, dass die 731 Millionen Euro teure Strecke, die die Landeshauptstadt umfährt und knapp vor Loosdorf (Bezirk Melk) wieder in die bestehende Weststrecke mündet, ihm wieder mehr Lebensqualität bescheren würde. Doch von ruhigeren Zeiten rund um den Hauptbahnhof im Herzen der Stadt könne keine Rede sein, wie Z. in einem Brief an den KURIER berichtet.

"Nach wie vor sorgen bis zu 150 Güterzüge pro Tag für viel Lärm am Hauptbahnhof. Das sind bis zu sechs Züge in einer Stunde. Ich frage mich, wie das trotz der Umfahrung sein kann", schreibt Johannes Z.

Private Anbieter

Die Erklärung dafür ist relativ einfach, wird aber Herrn Z. nicht freuen. Denn derzeit ist es so, dass vor allem Züge der Österreichischen Bundesbahnen auf der GZU unterwegs sind. Sie verfügen über das Zugbeeinflussungssystem ETCS, das für diese Strecke vorgeschrieben ist.

Viele private Anbieter sind damit aber noch nicht ausgerüstet und werden es aufgrund der Kosten auf absehbare Zeit auch noch nicht sein. Damit ist klar, dass die Züge, die zum Beispiel aus unseren östlichen Nachbarländern kommen, weiterhin auf der alten Strecke unterwegs sein werden.

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"Zudem spielt der Faktor Zeit im Bereich des Güterverkehrs nicht so eine wichtige Rolle wie im Personenverkehr. Damit ist der Druck für eine Umrüstung auch nicht so groß", sagt ÖBB-Sprecher Christopher Seif.

Mehr Kapazitäten

Dennoch spricht man bei den ÖBB von einem erfolgreichen Start der GZU. "Der Betrieb der Neubaustrecke wird langsam hochgefahren und seit der Inbetriebnahme fahren bereits jetzt 50 Prozent weniger Güterzüge auf der Bestandsstrecke durch das Stadtgebiet", betont Seif. Ziel sei es, so viele Züge wie möglich über die neue Strecke zu führen. "Der Lückenschluss St. PöltenLoosdorf entlastet damit das Zentrum St. Pöltens nicht nur vom Güterdurchzugsverkehr, sondern schafft auch Kapazitäten für zusätzlichen Personenverkehr."