Chronik/Niederösterreich

Schnittlauchbrot mit Extrawürstel

Eine blaue Scheunenwand, wild wachsende Pflanzen, ein alter Brunnen, ein bunt bemalter Bauernkasten und an der Wand hängende Geweihe – die Gastwirtschaft zum Ockermüller in Kritzendorf (Bezirk Tulln) besticht auf den ersten Blick mit charmanten Details, die einen Ort mit Geschichte vermuten lassen, kombiniert mit modernen Stücken, die das Ambiente in die Gegenwart holen.

1969 wurde das Lokal als Buschenschank eröffnet. Erst im Herbst vergangenen Jahres hat sie Manuel Hammer übernommen und als Gastwirtschaft neu eröffnet. "Wir wollten den Charakter des alten Winzerhauses erhalten. Die Einrichtung und Dekoration haben viel zu erzählen", sagt Hammer. So hat er auch eine alte Wandmalerei, die der vorige Besitzer gestaltet hat, nicht übermalt: "Es ist nicht mehr besonders modern, aber es gehört zum Raum dazu."

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Als zwei Gäste den Garten betreten, schütteln sie beide Hammer die Hände. "Das ist das Schöne hier, man kennt sich wirklich persönlich", sagt er und strahlt. Der Wirt hat in den vergangenen 15 Jahren in einem Großbetrieb in Wien gearbeitet. "Das war sehr anonym. Ich genieße es, dass jetzt der Kontakt mit den Gästen so eng ist." Die meisten kommen aus dem Ort oder aus der Umgebung, vorrangig aus Klosterneuburg und Wien.

Gute Nachbarschaft

Hammer lebt mit seiner Familie auch in Kritzendorf. Er hat drei Kinder, die alle unter zehn Jahre alt sind. Das hat ihn auch dazu veranlasst, den Fokus auf Familien zu richten. Im oberen Bereich des Gartens befindet sich ein Spielplatz, die Tische stehen nicht ganz ordentlich nebeneinander. "Es ist hier nicht so streng, die Tische kann sich jeder richten, wie er will. Hier stört sich niemand daran, wenn einmal ein Ball quer über die Köpfe fliegt", sagt Hammer. Auch in der Gaststube gibt es einen abgetrennten Raum für Kinder, "wo aber die Tür zugezogen werden kann", erklärt Hammer lachend. Das Verhältnis mit den umliegenden Nachbarn ist eng. "Sie bringen regelmäßig Brennnesseln, Löwenzahn, Bärlauch oder was auch immer gerade Saison hat", erzählt Hammer. Die Gastwirtschaft selbst verfügt auch über einen kleinen eigenen Garten, wo etwa Salat gezogen wird.

Die Küche ist traditionell gehalten: "Vom Schnittlauchbrot bis zum Zwiebelrostbraten bieten wir alles an." Besonders beliebt ist das Beef Tatar. Täglich gibt es einen Tagesteller und ein Mittagsmenü, das alle ein bis zwei Tage wechselt.

Die Küche befindet sich gleich neben dem Eingang und ist offen einsehbar. Genauso offen sind die Mitarbeiter auch gegenüber Extrawürsteln: "Unser Prinzip ist, dass man miteinander reden kann. Wenn Allergiker oder Veganer zu Gast sind, kann man einfach mit dem Koch reden und fragen, ob er etwas von der Speisekarte Abweichendes zubereiten kann", sagt Hammer. Zu den Gerichten wird regionaler Wein serviert, der am liebsten getrunken wird.

Insgesamt finden 50 bis 70 Menschen in der Gastwirtschaft Platz. Sie ist am einfachsten mit dem Zug von Wien aus und dann in zehn Minuten zu Fuß erreichbar oder eben mit dem Auto.